Der Hafen von Ostende hat beschlossen, vor Gericht zu ziehen, um ein Projekt zum Bau eines Windparks in der Nähe von Dünkirchen in Frankreich zu stoppen. Die flämische Hafenstadt protestiert bereits seit Jahren gegen das französische Projekt, weil sich das für den Windpark ausgewählte Gebiet mit einer Schifffahrtsroute zum Hafen von Ostende überschneidet. Die Hafenverwaltung will nicht warten, bis Dünkirchen eine Baugenehmigung erhalten hat, bevor sie sich an die Justiz wendet. Eine frühere diplomatische Konzertierung hatte zu keinem Ergebnis geführt.
Der Hafen von Ostende geht vor Gericht, um den Bau eines französischen Windparks zu verhindern
„Wir sind nicht gegen den Bau des Windparks vor der Küste Dünkirchens, sondern gegen den Standort, der geplant ist“, unterstreicht der Direktor des Hafens von Ostende, Dirk Declerck. Die westliche Zufahrt zum Hafen von Ostende, die sogenannte Dyck-Route, verbindet die Hafeninfrastruktur mit Südengland und dem Atlantischen Ozean. Sie ist für die industriellen Seeverbindungen und für die Fischerei in der Nordsee vor Belgien von entscheidender Bedeutung.
Ein französisches Konsortium möchte entlang genau dieser Schifffahrtsroute vor Dünkirchen einen Windpark errichten. Das französische Energieunternehmen Eoliennes en Mer de Dunkerque (EMD) und der Stromnetzbetreiber Réseau de Transport d’ Electricité (RTE) planen den Bau einer Offshore-Windkraftanlage 10 km vor der französisch-belgischen Nordseeküste. Hier sollen 46 Windräder entstehen mit jeweils einer Höhe von 300 Metern.
Nach Angaben des Hafens von Ostende besteht dadurch die Gefahr, dass der westliche Zugang abgeschnitten wird. Um den Bau an dieser Stelle zu verhindern und um mögliche Schäden zu vermeiden, wendete sich der Hafen an die Staatsanwaltschaft von Westflandern.
Die Hafenverwaltung fordert eine Entschädigung für die Bauträger sowie eine vorbeugende Maßnahme in Form eines vorübergehenden Verbots der Bauarbeiten. „Es ist absolut notwendig, diesen Schritt jetzt zu unternehmen, solange die Bauarbeiten noch nicht begonnen haben. Es muss gehandelt werden, bevor das Projekt eine Baugenehmigung erhält“, präzisierte Hafendirektor Dirk Declerck.
Schon im April reichten die Gemeinden De Panne, Koksijde und Nieuwpoort Klage gegen das französische Windparkprojekt ein. Diese Klagen wurden vom belgischen Bundesministerium für die Belange derNordsee seinerzeit unterstützt, doch bisher hält sich Frankreich nicht daran auf.
