Beim Bildbearbeitungs- und Filmmaterialhersteller Agfa Gevaert in Mortsel bei Antwerpen droht der Verlust von bis zu 530 Arbeitsplätzen. Das Unternehmen gab im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsratssitzung am Donnerstag bekannt, dass 530 der insgesamt 1.900 Arbeitsplätze durch eine umfassende Umstrukturierung gestrichen werden könnten.
Bei Agfa in Mortsel droht der Verlust von bis zu 530 Arbeitsplätzen
Die Gründe liegen auf der Hand. Die analoge, sprich die klassische Fotografie geht immer mehr zurück und im medizinischen Bereich werden immer weniger Bildplatten für Röntgenaufnahmen gebraucht. Hier übernimmt das Digitale nach und nach die Märkte.
Also müsse man sich der Realität des Marktes anpassen, sagte Agfa-Sprecherin Viviane Dictus gegenüber VRT NWS: „Es geht in diesem Fall um die Produktion des klassischen Films. Wir müssen hier unsere Kosten an die Realität des Marktes anpassen. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren stark gesunken und der größte Teil der Produktion befindet sich hier in Mortsel.“
Der Stellenabbau soll in erster Linie durch natürliche Abgänge erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen so weit wie möglich vermieden werden. In dieser Frage sind sich die Direktion und die Gewerkschaften bereits einig. Die Umstrukturierung soll eine Laufzeit von drei Jahre haben. Agfa will bis Ende 2027 rund 50 Mio. € einsparen.
Stellenabbau in diesem Umfang nicht erwartet
Die Gewerkschaften haben mit dem Umfang des Stellenabbaus so nicht gerechnet, die Marc Pierssens von der sozialistischen Gewerkschaft ABVV gegenüber VRT NWS andeutete: „Schon seit Monaten haben wir weniger Arbeit. Das Personal wird regelmäßig auf technisch oder wirtschaftlich bedingte Kurzarbeit gesetzt. Doch diese Zahl haben wir nicht kommen sehen.“
Insgesamt arbeiten im Agfa-Stammwerk in Mortsel 1.900 Mitarbeiter - 1.350 Arbeiter in der Produktion und 550 Angestellte. Laut ABVV-Gewerkschaftler Pierssens sind Beschäftigte in beiden Bereichen betroffen: „370 Arbeiter müssen ebenso gehen, wie 160 Angestellte und Kaderleute. Das sind 42 % der Arbeiter und 33 % der Angestellten.
"Wo ist das ruhmreiche Agfa geblieben?"
Die Gewerkschaften wollen, ebenso die das Management, die Zahl der direkten Kündigungen so gering wie möglich halten, so der Gewerkschaftler: „Auch weitere Einschränkungen der Lohn- und Gehaltsbedingungen werden wir nicht hinnehmen. Ich glaube, dass wir inzwischen von einer Kultur der Raffsucht und von Missmanagement sprechen können. Wo ist das ruhmreiche Agfa geblieben?“
Agfa-Sprecherin Dictus erinnert daran, dass im Hauptquartier des Unternehmens in Mortsel auch andere Aktivitäten stattfinden würden: „Wir werden das alles ruhig angehen.“ Inzwischen baut Agfa vor Ort auch ein neues Werk: „Das ist für unser grünes Wasserstoff-Membran vorgesehen. Dort werden immer mehr Leute arbeiten müssen. Für die Gruppe ist dies ein wichtiger Wachstumsmotor.“
