Es muss mehr investiert werden, um Katastrophen wie in Spanien zu verhindern. Das sagen mehrere Wasserexperten in und um Flandern. „Die flämische Regierung hat die Mittel gekürzt. Das ist schwer zu verstehen, wir brauchen einfach mehr“, sagt die Hydrologin und Professorin Ann van Griensven: „Es mag wie eine Einsparung aussehen, aber Überschwemmungen und alle damit verbundenen Schäden kosten viel mehr.“
Wasserexperten warnen angesichts von Spanien: "Flandern kürzt die Investitionen - Es ist aber mehr nötig, um eine Katastrophe verhindern"
Die Wasserbombe in Spanien war unerwartet und extrem. Nach Ansicht von Ann van Griensven, Professorin für Hydrologie an der Freien Universität Brüssel (VUB) und beim Wasserinstitut IHE im niederländischen Delft, könnte so etwas auch bei uns passieren. „Das ist etwas, das wir jetzt oft sehen, innerhalb und außerhalb Europas“, sagte sie: „Forschungsinstitute, wie z.B. in Newcastle in Großbritannien, untersuchen die Muster von Wasserbomben. Sie sehen, dass diese Muster ganz klar mit bestimmten Mustern von Hoch- und Tiefdruckgebieten zusammenhängen, die dann zu intensiven Regenfällen führen.“
„Sie stellen fest, dass diese Muster immer häufiger auftreten, aber auch, dass sie von immer mehr und immer intensiveren Niederschlägen begleitet werden. Die Wasserbomben werden also immer häufiger und intensiver“, so Wasserexpertin van Griensven weiter.
Seit der Wasserbombe in der Wallonie im Jahr 2021, die auch einige flämische Regionen in Limburg nicht verschonte, sind in unserem Land Schritte in die richtige Richtung unternommen worden, sagt Van Griensven: „Wir haben Hochwassermodelle, die gut gewartet und überwacht werden. Wenn die Gefahr einer Überschwemmung besteht, werden die lokalen Behörden und die Rettungsdienste alarmiert.“
"Schwer zu verstehen, dass die Budgets gekürzt wurden"
In Flandern wurden zum Beispiel mit dem Sigma-Plan gute Initiativen ergriffen, sagt Van Griensven. Mit dem Sigma-Plan will die Landesregierung die Überschwemmungsgefahr rund um die Schelde und ihre Nebenflüsse verringern, unter anderem durch die Schaffung von Überschwemmungsgebieten. „Damit geben wir dem Wasser Raum, und je mehr Raum man ihm gibt, desto geringer ist die Gefahr von Schäden“, so die Expertin.
Aber, sie äußert auch Kritik: „Wir müssen weiter investieren. Es ist wirklich schwer zu verstehen, warum die derzeitige Regierung die Budgets gekürzt hat. Im Gegenteil, wir brauchen mehr. Das mag wie eine Ersparnis erscheinen, aber wenn wir dann Überschwemmungen und alle damit verbundenen Schäden haben, werden die zusätzlichen Kosten viel höher sein.“
Hydrologe Patrick Willems: "Viel zu wenig Verstärkung"
Damit greift van Griensven auf, was Professor Patrick Willems, Hydrologe an der Universität Löwen (KU Leuven) kürzlich gegenüber VRT NWS erklärte: „Wir müssen besser gegen diese Art von Ereignis gewappnet sein. Und wenn es eintritt, müssen wir dafür sorgen, dass die Risiken viel geringer sind. Dagegen sind wir noch viel zu wenig gewappnet.“
„Wir haben eine Menge laufender Investitionen in Flandern. Wir wissen, was zu tun ist, wir sind auf dem richtigen Weg. Aber wir müssen jetzt beharrlich sein und Maßnahmen in größerem Umfang ergreifen. Und dazu trägt die flämische Regierung derzeit sehr wenig bei. Offenbar ist das Gefühl für die Dringlichkeit doch nicht so groß, wie es sein sollte“, sagte Willems.
"Die flämische Regierung leistet keine gute Arbeit"
„Ich denke, dass die flämische Regierung in dieser Hinsicht keine gute Arbeit leistet“, sagt auch Professorin Van Griensven. „Wir brauchen einen systematischen Plan, um zu berechnen, was wir brauchen, um die Risiken auf ein bestimmtes Minimum zu reduzieren. Null Risiko? Das gibt es nicht. Aber wir sollten in der Lage sein, es auf ein bestimmtes Niveau zu reduzieren.“
„Das würde natürlich bedeuten, dass wir hier und da Platz für Wasser schaffen müssten. Das ist in Flandern nicht so einfach, denn unsere Landschaft ist ziemlich zersplittert. Überall wird gebaut und manchmal nicht an der richtigen Stelle. Aber es gibt durchaus Gebiete, die sich dafür eignen,“ so die Hydrologie-Professorin.
Mehr Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen?
„Wir werden in ganz Europa, auch bei uns, mehr ‚Flash Floods‘ wie in Spanien sehen“, sagte Jan Deschoolmeester, Bio-Ingenieur, Vertreter des Öko-Modernismus und Vorstandsmitglied des Thinktanks WePlanet, kürzlich gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen: „Weil es wärmer wird, verdampft mehr Wasser. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit festhalten und diese kommt früher oder später wieder nach unten. Der Klimawandel ist ein Multiplikator dieser Risiken.“
Deschoolmeester und WePlanet fordern, dass die entsprechende Politik in Sachen Klima und Umwelt mehr auf wissenschaftlicher Erkenntnis fußen sollte: „Wir wollen die Werkzeugkiste für Lösungen so groß wie möglich machen. So sind wir für mehr Kernenergie und für genetisch modifizierte Pflanzen. Wir müssen ambitioniert sein und dürfen die Hoffnung nicht aufgeben.“
