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Claudia Van der Stichelen: Vor einem Jahr kaltblütig erschossen
Inland
Justiz

Vor einem Jahr wurde die Anwältin Claudia Van der Stichelen erschossen - Fall bis heute nicht gelöst

Die Rechtsanwältin Claudia Van der Stichelen wurde am 28. Oktober 2023 von einem bisher unbekannten Mann an ihrem Haus in Sint-Lievens-Houtem in Ostflandern - wo sich auch deren Anwaltspraxis befindet - angesprochen. Plötzlich bedrohte der Mann die Anwältin mit einer Handfeuerwaffe. Als der 22 Jahre alte Sohn des Opfers seiner Mutter zu Hilfe kommen wollte, schoss ihn der Täter nieder und verletzte ihn dabei schwer. Danach erschoss er die Anwältin. Vom Täter fehlt weiterhin jede Spur.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der Täter floh unerkannt. Zunächst war noch nicht einmal klar, ob er sich gewaltsam Zugang zu dem Haus verschaffen konnte oder ob er einfach dort geschellt hatte. Auf jeden Fall handelte er überlegt und kaltblütig. Bisher war der Sohn des Opfers der wichtigste Zeuge in diesem Mordfall, doch Zeugenaufrufe erbrachten weitere Hinweise.

Der Tathergang

Am Samstag, den 28. Oktober, gegen 13.15 Uhr, wurde Claudia Van Der Stichelen aufgeschreckt, als plötzlich ein Mann in ihrer Wohnung erschien. Der Mann hält einen Revolver und einen Hammer in der Hand und will wissen, ob sie Claudia Van Der Stichelen sei. Sie bestätigt dies. In der Zwischenzeit ist auch Claudias Sohn Viktor die Treppe hinuntergestürmt, um nachzuschauen, was da los ist.

Der Anwältin gelingt es, durch die Haustür zu entkommen. Der Mann mit dem Revolver und dem Hammer verfolgt sie bis in den Vorgarten.

Sohn Viktor zögert nicht und ruft die Polizei. Danach will er seiner Mutter mit einem Luftgewehr zu Hilfe kommen und versucht, im Vorgarten den Täter zu überwältigen. Der feuert 3 Kugeln auf ihn ab. Viktor wird getroffen und flieht ins Haus. Dann richtet der Mann seine Waffe auf Claudia. Die Anwaltin wird mit 3 Kugeln getötet.

Der Täter

Nach dem Mord läuft der Täter in Richtung Marktplatz von Sint-Lievens-Houtem davon, biegt in eine Gasse ein und verschwindet in den Feldern. Ein Zeuge will den Mann auf einem Parkplatz, einige hundert Meter entfernt, gesehen haben. Seitdem fehlt jede Spur von ihm.

Bemerkenswerterweise schien der Mann zu keinem Zeitpunkt zu versuchen, seine Identität zu verbergen. Er betrat das Haus am helllichten Tag, feuerte vor den Augen mehrerer Augenzeugen insgesamt 6 Schüsse ab und entfernte sich seelenruhig. Anhand von Zeugenaussagen erstellte die Polizei ein Profil des Täters. Es soll sich um einen älteren Mann zwischen 50 und 80 Jahren mit weißer Hautfarbe handeln. Er soll größer als 1,80 m und von normaler Statur sein.

Laut Zeugenaussagen hatte der Mann einen kerzengeraden Gang, eine faltige Stirn und hellgraues Haar mit hohem Haaransatz. Der Mann soll außerdem ziemlich große Ohren und eine große Nase gehabt haben und mit einem deutlichen ostflämischen Akzent gesprochen haben. Am Tag der Tat soll der Mann einen auffälligen blau-grauen Overall und grüne Stiefel getragen haben.

Zeugenaufrufe

Am Tag nach der Tat veröffentlichte die Staatsanwaltschaft ein Phantombild des Verdächtigen. Dieses erwies sich letztlich als unbrauchbar, da Augenzeugen sagten, das Foto habe keine Ähnlichkeit mit dem Mann, den sie am 28. Oktober 2023 sahen.

Im Juni dieses Jahres veröffentlichte die Polizei einen neuen Zeugenaufruf. Seitdem sind etwa 40 Hinweise eingegangen, aber offenbar wurde noch niemand offiziell angeklagt.

Das Besondere an diesem Fall ist wohl, dass der Täter immer noch spurlos verschwunden ist und unbekannt bleibt. Es gibt nur wenige Überwachungskameras in Sint-Lievens-Houtem, doch Bilder, die Beweise oder Indizien liefern könnte, erbrachten diese nicht. Eine  Tatwaffe, wohl ein Revolver - bei dem die Patronenhülsen in der Waffe bleiben - wurde auch nicht gefunden.

Wer oder was wurde(n) bisher geprüft?

Zunächst hatte die Polizei den möglichen Täter in den Akten gesucht, die Van Der Stichelen als Anwältin bearbeitet hat. Sie war als strenge Rechtsanwältin bekannt, die vor niemandem zurückschreckte, so Quellen, die den Ermittlungen nahe stehen. „Claudia hatte Feinde“, ist alles, was eine anonyme Quelle dazu sagen konnte.

In diesem Zusammenhang wurden im November letzten Jahres 2 Männer verhaftet und verhört. Seinerzeit ging es um einen Mann, der seit mehreren Jahren unter der Vormundschaft der Anwältin stand und der mit dem Verlauf alles andere als zufrieden war. Die beiden Verdächtigen wurden aber freigelassen, da keine ausreichenden Hinweise vorlagen, dass sie etwas mit dem Mord zu tun haben könnten.

„Die Tatsache, dass uns keine Akteneinsicht gewährt wird, bestärkt uns in der Annahme, dass die Suche immer noch intensiv ist“, so Walter Damen, Anwalt der Angehörigen erleichtert. Das bedeutet konkret, dass Polizei und Justiz den Fall nicht abgeschlossen oder zu den Akten gelegt haben. 

Ermittungen am Tatort

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