Einer umfassenden Analyse des nationalen Krisenzentrums zufolge stellen Sabotage und der Ausfall von Krankenhäusern oder Stromnetzen aufgrund von Cyberangriffen die größten Risiken dar, die Belgien bedrohen. Das Risiko hat in den letzten Jahren insgesamt zugenommen. In seiner jüngsten Analyse listet das Krisenzentrum nicht weniger als 118 Risiken auf.
Nationales Krisenzentrum warnt: „Gefahr von Sabotage, Cyberangriffen und Fake News steigt"
Die Gefahr von Sabotage, Spionage und Cyberangriffen nimmt laut dem nationalen Krisenzentrum (NCCN) zu. Auch Desinformationskampagnen und Fake News sind zu befürchten, unter anderem weil sie zur Spaltung der Gesellschaft und zur Radikalisierung führen können.
Das Krisenzentrum schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags auf ein Chemie- oder Kernkraftwerk als gering ein, doch die Auswirkungen könnten dann sehr groß sein.
Das Risiko eines Krieges wird als eher gering, aber nicht unmöglich eingestuft, „da die geopolitischen und wirtschaftlichen Spannungen zunehmen“. Die Mitgliedschaft Belgiens in der NATO bedeutet, dass unser Land schnell involviert werden kann, ohne direkt angegriffen zu werden.
Der Klimawandel birgt Risiken
Zum ersten Mal hat das Krisenzentrum die Experten, mit denen es zusammenarbeitet, weit in die Zukunft blicken lassen, nämlich bis zum Jahr 2050. Die Risiken sind dann vor allem auf den Klimawandel zurückzuführen. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels besteht die Gefahr von Küstenerosion und einer sich verändernden Küstenlinie.
Auch „invasive Arten“ wie die Tigermücke oder der Japanische Staudenknöterich könnten sich aufgrund des Klimawandels ausbreiten. Diese neuen Arten könnten für landwirtschaftliche Nutzpflanzen, Tiere und Menschen gefährlich werden. Um 2050 wird die Gefahr von Deichbrüchen größer sein, weil es möglicherweise zu intensiveren Regenfällen kommt. Der Meeresspiegel steigt und nicht alle Deiche werden gleich gut gewartet.
Das Krisenzentrum warnt auch vor Cyberangriffen, die Behörden und Verwaltung lahmlegen können (z. B. bei der Auszahlung von Renten oder der Erteilung von Genehmigungen). Sensible technische, finanzielle oder medizinische Daten können durchsickern oder gestohlen werden.
Kritische Instanzen wie Banken, Krankenhäuser, Verteidigungs- und Justizbehörden sind verpflichtet, sich gegen Cyberangriffe zu wappnen und darüber zu berichten.
Im Falle eines Angriffs auf kritische Infrastrukturen besteht auch die Gefahr von Sachschäden. Zum Beispiel an der Gasinfrastruktur oder bei Unternehmen, die von Gaslieferungen abhängig sind.
Die Risikoanalyse des Krisenzentrums dient den verschiedenen Behörden und Wirtschaftszweigen in Belgien als Leitfaden für die Erstellung von präventiven Notfallplänen. Auf diese Weise können die Risiken gemildert oder im Krisenfall ihre Auswirkungen reduziert werden.
Risiko = Wahrscheinlichkeit x Auswirkung
Ein Risiko ist definiert als das Produkt aus Wahrscheinlichkeit und Auswirkung. Mit anderen Worten: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit eines Deichbruchs (Wahrscheinlichkeitsfaktor), und wenn es zu einem Deichbruch kommt, wie groß sind die Auswirkungen. Wie groß ist der potenzielle Schaden? Letzteres ist der Auswirkungsfaktor.
Die Auswirkungen können sich in verschiedenen Bereichen bemerkbar machen. Im Falle eines Deichbruchs kann es sich beispielsweise um die Zahl der Toten und Verletzten, die Zahl der überfluteten Quadratkilometer und die entstandenen wirtschaftlichen Schäden (überflutete Gebäude, Infrastruktur, Ernten usw.) handeln.
Bei den Analysen werden 4 Arten von Auswirkungen berücksichtigt:
Menschliche Auswirkungen: Zahl der Toten oder Verletzten, Zahl der Kranken oder Evakuierten
Soziale Auswirkungen: Unterbrechung lebenswichtiger und kritischer Dienstleistungen, Reputationsschäden ...
Umweltauswirkungen: betroffenes Gebiet, Schädigung des Ökosystems
Finanzielle Auswirkungen: mögliche finanzielle und wirtschaftliche Schäden, Anstieg der Arbeitslosigkeit
