Seit dieser Woche ist möglich, auf digitalem Wege nachzuschauen, ob unsere Vorfahren während des Zweiten Weltkriegs an Widerstandsaktionen beteiligt waren. Dies ermöglicht eine neue Datenbank von CegeSoma, dem Studienzentrum für Krieg im Staatsarchiv. „Es handelt sich um eine Sammlung von biografischen Daten aller Widerstandskämpfer in Belgien“, sagte er.
Belgische Geschichte: Waren Ihre Vorfahren im Zweiten Weltkrieg im Widerstand? Das können Sie in einer neuen Datenbank nachschlagen
Suzanne Verstappen aus Ganshoren oder Constant Vissers aus Leopoldsburg. Dies sind zwei der 42.000 Namen, die in der neuen Datenbank über Widerstandskämpfer des Zweiten Weltkriegs zu finden sind. Das ist nur ein Fünftel aller Personen, die einen Antrag auf Anerkennung als Widerstandskämpfer gestellt haben.
„Wir fügen ständig neue Personen hinzu, damit die Datenbank weiter gefüllt wird“, sagte Nico Wouters, Direktor von CegeSoma, dem Studienzentrum für Krieg und zeitgenössische Gesellschaft im belgischen Staatsarchiv dazu gegenüber VRT NWS.
„Vorerst sind das nur die Mitarbeiter der Nachrichtendienste, die so genannten ‚Spione‘, aber im Laufe der Zeit werden wir die Daten von 200.000 Personen aufnehmen. Dafür werden wir mindestens zwei Jahre brauchen.“
"Die 100 Jahres-Regel"
In der Datenbank sind nicht nur die persönlichen Daten von Widerstandskämpfern zu finden. Auch ihr Netzwerk, das Datum ihrer Verhaftung, der Ort ihrer Inhaftierung und ihr Status als Widerstandsheld wurden herausgearbeitet. Wie geht CegeSoma mit dem Schutz der Privatsphäre bei dieser Art der Veröffentlichung um?
„Die Datenschutzgesetze schützen die persönlichen Daten von Menschen, die noch am Leben sind. Ab dem Zeitpunkt, an dem jemand vor 100 Jahren geboren wurde, gehen wir davon aus, dass diese Person gestorben sein könnte. Dann fällt diese Person nicht mehr unter die Datenschutzgesetze“, so Nico Wouters. Daher werden in den kommenden Jahren weitere Namen in die Datenbank aufgenommen. „Sobald jemand unter die 100 Jahres-Regel fällt, wird er hinzugefügt“.
Schub für die wissenschaftliche Forschung
Die Datenbank enthält eine Fülle von Informationen und wird in Zukunft eine wertvolle Ressource für die wissenschaftliche Forschung sein. „Wir werden zum ersten Mal in der Lage sein, all diese Daten zu vergleichen. Wir können zum Beispiel herausfinden, wie viele Frauen in der Provinz Lüttich wegen ihres Widerstands verhaftet wurden und wie viele in Limburg. Unser Blick auf den Widerstand wird sich wirklich ändern“, so Wouters.
Der CegeSoma-Direktor sieht in diesem Projekt auch eine soziale Komponente: „Jeden Tag gehen bei uns Anfragen von Menschen ein, die wissen wollen, was ihre Großeltern während des Krieges gemacht haben. Diese Informationen waren schwer zu bekommen oder einfach nur geheim, aber jetzt können Interessenten alles selbst nachschlagen“.
Die Kollaborateure werden vorerst nicht sofort in der Datenbank erscheinen: „Wir brauchen dafür zusätzliche Leute und Ressourcen. Wir werden zunächst versuchen, die Datenbank zum Widerstand fertigzustellen. Dann werden wir sehen.“
Das „Centre d’études et de documentation guerre et société contemporaine“ (CEGES) bzw. „Studie- en Documentatiecentrum Oorlog en Hedendaagse Maatschappij“ (SOMA) ist ein 1967 gegründetes föderales belgisches Forschungsinstitut mit Sitz in Brüssel, das sich der Erforschung der Auswirkung von Kriegen und Konflikten im 20. Jahrhundert auf Belgien widmet: www.cegesoma.be (Achtung, diese Webseite stößt aktuell auf großes Interesse und ist oft überlastet).
