Zum Hauptinhalt springen

Frauen, Tempel, Züge: Das zeitlose Universum von Paul Delvaux ist in Lüttich zu entdecken

Paul Delvaux (1897-1994), einer der bedeutendsten Vertreter der belgischen Malerei des 20. Jahrhunderts, wird im Museum La Boverie in Lüttich mit einer umfangreichen Ausstellung gewürdigt. Meisterwerke, die seit Jahren nicht mehr ausgestellt und die vor allem lange nicht mehr gemeinsam gezeigt wurden, werden den Besucherinnen und Besuchern hier zugänglich gemacht. Damit ist diese Ausstellung einzigartig. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Im Museum La Boverie im gleichnamigen Park auf der Maasinsel Outremeuse in Lüttich wird eine große Retrospektive der Werke des belgischen Surrealisten Paul Delvaux gezeigt. Dort sind  seine klassischen Themen in allen Facetten wiedererkennen: Züge, Skelette und vor allem viel weibliche Nacktheit in geheimnisvollen Kulissen oder antiken Gebäuden. „Zeitlose Kunst“, sagt Kurator Camille Brasseur. Die Ausstellung – und das ist überhaupt das Besondere daran -  bringt Gemälde von Delvaux mit denen von Zeitgenossen in wundersamer Weise in den Dialog. 

Mit einer völlig neuen Herangehensweise zeigt die Ausstellung „Paul Delvaux’ Welten“ unbekannte Facetten des Künstlers. Das Publikum ist dazu eingeladen, durch Delvaux’ Gemälde, Zeichnungen und Objekte, die mal miteinander und mal mit Werken anderer Künstler in den Dialog gesetzt werden, die wesentlichen Elemente seiner Welten zu entdecken. Damit lässt sich entdecken, welchen Stellenwert das Schaffen von Paul Delvaux im Surrealismus bzw. in der Kunstgeschichte einnimmt. Ziel der Ausstellung ist, ein zeitloses Werk neu zu beleuchten, seine Komplexität aufzuzeigen und mit dem Publikum von heute in einen neuen Dialog zu treten.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Paul Delvaux: "La Gare forestière"

Der Surrealismus feiert sein 100-jähriges Bestehen, und das wird in Belgien, das manchmal als Land des Surrealismus bezeichnet wird, ausgiebig gefeiert. „Seit 1997 hat es keine große Retrospektive von Delvaux mehr gegeben. Mehr als 150 Gemälde, Zeichnungen und Objekte sind in Lüttich zusammengetragen worden“, sagte Kurator Camille Brasseur gegenüber VRT NWS. Die Werke aus anderen Museen und Privatsammlungen, z.B. von der Stiftung Paul Delvaux.

„Die vielen nackten Frauen von Delvaux sind ausdruckslose und idealisierte Figuren. Ganz anders verhält es sich mit den Skeletten, die er ebenfalls häufig malte. Diese Skelette stellt er in gewöhnlichen Situationen dar. Sie zeigen einen dramatischen Ausdruck, im Gegensatz zu den Frauen, die wie Statuen aussehen“, so Kurator Camille Brasseur.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Paul Delvaux: "Le Tunnel"

Delvaux hatte in seinem Atelier ein Skelett mit dem Spitznamen „Oscar“. Dieses Atelier, das sich in einem Mansardenzimmer in Boitsfort in Brüssel befindet, wird in der Ausstellung minutiös nachgebaut. Man kann Fragmente aus einem Dokumentarfilm über Delvaux sehen, die auf spielerische Weise projiziert werden. Man sieht, wie der Künstler entspannt zeichnet und dabei vor sich hin summt. Aber er gesteht: „Ich bin überhaupt kein Virtuose. J'ai le trac, ich habe das Zittern vor einer leeren Leinwand. Agoraphobie.“

Hier sind auch seine eher umstrittenen Werke zu sehen, wie z.B. „Der Besuch“ von 1939. Ein nackter Junge betritt einen kahlen Raum, in dem eine viel ältere nackte Frau auf einem Stuhl sitzt. Im Jahr 1962 wurde das Werk aus einer Ausstellung in Ostende entfernt, weil es einen „offensichtlichen Angriff auf den Anstand“ darstellte. Danach wurde es wieder ausgestellt, allerdings nur für Personen über 21 Jahren.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter) 

"La visite" ("Der Besuch")

In der Ausstellung „Paul Delvaux’ Welten“ im Museum La Boverie sind auch Zeichnungen von Delvaux zu sehen, die seine Entwicklung vom Expressionismus zu seiner höchsten Form des Surrealismus oder dem „magischen Realismus“ veranschaulichen. Oder wie der Künstler zu Lebeiten selbst sagte „poetischer Realismus“. Die Ausstellung - und das ist besonders spannend - stellt die Gemälde von Paul Delvaux denen von Zeitgenossen entgegen: Giorgio de Chirico, Constant Permeke, James Ensor, René Magritte, Gustave De Smet, Félicien Rops oder Pablo Picasso.

Beim Betreten der Ausstellung wird man von einem Porträt von Paul Delvaux in vier farbigen Versionen von der Hand Andy Warhols begrüßt. Warhol war von Delvauxs Werk beeindruckt und hat ihn später getroffen und porträtiert.

„Paul Devaux‘ Welten“, noch bis zum 16. März 2025, Parc de la Boverie, 4020 Lüttich/Liège (bequem zu Fuß vom Bahnhof Guillemins über eine moderne Fußgängerbrücke über der Maas in wenigen Minuten zu erreichen. Info: https://de.laboverie.com/ausstellungen

"Paul Delvaux" von Andy Warhol

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5