Auf Ersuchen der regionalen Direktion für Wohnungsaufsicht beschlagnahmte die Brüsseler Gemeinde Sint-Pieters-Woluwe am 10. Oktober zum ersten Mal ein Mietobjekt, das zu lange leer stand. Die Immobilie muss nun für mindestens 9 Jahre vermietet werden. „Eine Maßnahme, um Vermieter mit leerstehenden Immobilien zum Handeln zu bewegen“, erklärte das Büro von Brüssels Staatssekretärin für Wohnen, Nawal Ben Hamou (PS).
Brüsseler Region: Erstmals Beschlagnahmung eines seit 10 Jahren leerstehenden privaten Miethauses
Seit 2022 können Vermieter in der Brüsseler Hauptstadt-Region dazu verpflichtet werden, ihre leerstehenden Mietobjekte vorübergehend der Gemeinde zu übertragen. Die Regelung soll Vermieter dazu ermutigen, ihre Immobilien auf dem Mietmarkt anzubieten und sie nicht leer stehen zu lassen. Brüssel kämpft mit einem akuten Mangel an Wohnraum und besonders an bezahlbarem Wohnraum
„Wir haben in Brüssel eine Wohnungskrise und darum haben sehr viele Brüsseler Probleme, eine Mietwohnung zu finden“, sagte Mathieu Nguyen, Sprecher der scheidenden Brüsseler Staatssekretärin für Wohnen, Nawal Ben Hamou, in einer Stellungnahme.
Das seit 2022 laufende System ermöglicht es Gemeinden und den jeweiligen Öffentlichen Sozialhilfezentren (ÖSHZ), vorübergehend leerstehende oder für unbewohnbar erklärte Wohnungen bzw. Wohnhäuser zu übernehmen, sie zu renovieren und zu einem reduzierten Mietpreis zu vermieten.
Die Region finanziert Renovierungen
Die Brüsseler Region übernimmt die Kosten für die Renovierung bis zu einem Höchstbetrag von 1.100 € pro Quadratmeter. Laut Nguyen wird die entsprechende Immobilie dann für Personen oder Familien bereitgestellt, die derzeit in Mietwohnungen in schlechtem Zustand leben und diese zahlen dann eine günstigere Miete.
Dies geschieht für einen Zeitraum von mindestens 9 Jahren oder länger, in dem die Region die anfallenden Renovierungskosten durch Mieteinnahmen wieder hereinholt. Sobald diese Kosten getilgt sind, erhält der ursprüngliche Eigentümer die Immobilie zurück. „Ziel ist nicht, dass die Region auf dem Mietmarkt aktiv wird, sondern diese Maßnahme dient als Schritt, die Eigentümer zu ermutigen, ihr Eigentum wieder am Mietmarkt anzubieten“, erklärte Nguyen.
Seit 2014 leer
Die Immobilie in Sint-Pieters-Woluwe stand seit 2014 leer, wie die Brüsseler Nachrichtennplattform BRUZZ meldete. Das Verfahren wurde im April 2023 eingeleitet, mehr als ein Jahr nach der Verabschiedung der Reform des öffentlichen Verwaltungsrechts. Nach einer Ortsbesichtigung durch die regionale Wohnungsbaubehörde wurde dem Eigentümer ein Vorschlag für einen Vergleich übermittelt, auf den er nicht reagierte. Letztendlich stimmte er dem Vorschlag der Region schließlich doch zu, um eine Zwangsenteignung zu vermeiden.
Etwa 50 weitere ähnliche Dossiers werden derzeit bearbeitet. „Diese sind über die ganze Region verteilt und befinden sich in unterschiedlichen Stadien, da diese Verfahren einige Zeit in Anspruch nimmt“, fügt Nguyen hinzu. Dass die erste beschlagnahmte Immobilie im wohlhabenden Sint-Pieters-Woluwe liegt, sei reiner Zufall, sagt er. „Wir arbeiten uns Schritt für Schritt durch die anhängigen Akten.“
