Die Kommunalpolitik in Flandern bleibt Männersache, wie es scheint. In weniger als 1 von 5 flämischen Gemeinden ergreift eine Frau in den nächsten zwei Wochen die Initiative, um eine Mehrheit zu bilden.
Bürgermeister sein bleibt Männersache: in nur 17 Prozent der flämischen Gemeinden halten Frauen das Heft in der Hand
Wer die meisten Stimmen in der größten Gruppe zählt, hat 14 Tage Zeit, um eine Mehrheit auf Kommunalebene zu bilden. In nur 48 der 276 flämischen Gemeinden, in denen diese Regel gilt, geht das Initiativrecht an eine Frau. Das sind 17,4 Prozent.
Zählt man die Bezirke von Antwerpen hinzu - wo in 2 von 9 Fällen (Hoboken und Berchem) eine Frau das Initiativrecht erhält - sind das 17,5 Prozent.
Nur 1 flämische Zentrumstadt hat eine Bürgermeisterin
In den 13 flämischen Zentrumstädten (mittelgroße Städte) steht es ebenfalls schlecht um die Gleichberechtigung. Nur in Kortrijk (Provinz Westflandern) kann eine Frau, in diesem Fall Ruth Vandenberghe (Stadslijst Kortrijk - Open VLD), sich die Bürgermeisterschärpe umbinden.
„Ich kann mir nicht wirklich erklären, warum es so viel weniger Frauen gibt“, reagierte Vandenberghe gegenüber VRT NWS: „Vielleicht, weil es eine sehr anstrengende Arbeit ist und Frauen immer noch denken, sie müssten alles organisieren. Diese Arbeit nimmt 24 von 24 Stunden in Anspruch. “
Tinne Rombouts (Foto oben) von der Partei Samen!, hervorgegangen aus der lokalen christdemokratischen CD&V-Liste, erhält das Initiativrecht in Hoogstraten (Provinz Antwerpen).
Nadia Sminate (Nationalisten, N-VA), die in Londerzeel (Provinz Limburg) gewonnen hat, reagierte enttäuscht auf die Resultate für die Frauen bei diesen Kommunalwahlen: „Sie widersprechen dem Trend in den Parlamenten, wo der Frauen- und Männeranteil mehr oder weniger im Gleichgewicht ist.“ Auch Sminate vermutet, dass ein 24/24-Job wie die der Bürgermeisterin schwer mit dem Familienleben zu vereinbaren ist.
Für Frauen ungünstiges Wahlsystem
Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Stefaan Walgrave (Universität Antwerpen) könnte das neue kommunale Wahlsystem eine Rolle spielen. „Es entstehen mehr Parteienbündnisse und weniger kleine Parteien. Das ist ungünstig für Frauen, die in den Bündnissen keine Spitzenplätze bekommen.
Verzögerung
„Außerdem vermute ich, dass es auf lokaler Ebene einen Verzögerungseffekt gibt. In der Kommunalpolitik bleiben beliebte Politiker länger im Amt. Historisch gesehen waren das oft Männer. Für Parteien wäre es ein großes Risiko, ein Zugpferd zu streichen, um Platz für eine Frau zu machen. Deswegen halten sich Männer hartnäckig an der Spitze.
Im Vergleich zu den vorigen Kommunalwahlen ist der geringe Frauenanteil mehr oder weniger gleichgeblieben.
