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Premierminister Alexander De Croo (Archivfoto)
Inland
Wirtschaft

Premier De Croo unterstreicht die Bedeutung der industriellen Zukunft des Audi-Standorts in Brüssel

Belgiens scheidender Premierminister Alexander De Croo (Open VLD, Foto) und Pierre-Yves Dermagne (PS), Minister für Beschäftigung und Wirtschaft der geschäftsführenden belgischen Bundesregierung, haben am Mittwoch Vertreter von Audi Brüssel und der Gewerkschaften empfangen. Der Premierminister betonte die Bedeutung eines soliden Sozialplans für das Audi-Werk und einer dauerhaften industriellen Zukunft für den Standort Brüssel-Vorst.

Andreas Kockartz
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„Die angekündigte Umstrukturierung des Audi-Werks ist ein schwerer Schlag für die Beschäftigten, ihre Familien und die gesamte Region“, sagte De Croo. „Sie leben in großer Ungewissheit. Ich fordere beide Parteien auf, kurzfristig einen Plan auszuarbeiten, der den Menschen eine Zukunftsperspektive gibt.“ Dieser Sozialplan müsse die Interessen der Beschäftigten bei Audi in Brüssel und auch bei den vielen Zulieferfirmen schützen, so der flämische Liberale.

Nach Angaben der Gewerkschaften betrifft dies rund 2.900 Beschäftigte im Automobilwerk und rund 1.000 Kollegen bei den Zulieferern. Der Premierminister betonte, dass es entscheidend sei, nicht nur finanzielle Abfindungen zu gewähren, sondern auch nachhaltige Lösungen wie Umschulung und Neuorientierung in anderen Sektoren.

Gespräche fortsetzen

De Croo betonte auch die Bedeutung einer dauerhaften industriellen Zukunft für den Industriestandort in der Brüsseler Gemeinde Vorst. In diesem Sinne will er die Gespräche mit Audi fortsetzen und dies „in Absprache mit den betroffenen regionalen Behörden“.

Der Premierminister traf unter anderem den neuen Vorstandsvorsitzenden von Audi Brüssel, Thomas Bogus, sowie Gerd Walker, der für die Produktion in der gesamten Audi-Gruppe verantwortlich ist.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Die Gewerkschaften bei Audi Brussels sind weiter beunruhigt

Letzterer traf sich anschließend auch mit den Gewerkschaften. „Für mich persönlich ist es sehr wichtig, mit den Menschen vor Ort im Gespräch zu bleiben - mit unseren Mitarbeitern, den Sozialpartnern und den Vertretern der belgischen Politik“, sagte Walker. „Ich bin mir dessen bewusst, dass die aktuelle Situation für alle Beteiligten emotional sehr belastend ist. Umso wichtiger ist dieser direkte und offene Dialog, um weiterhin konstruktiv über mögliche tragfähige Lösungen für den Standort Brüssel zu sprechen.“

Ein Interessent aus Belgien will den Standort übernehmen

Ein belgischer Unternehmer hatte schriftlich sein Interesse an dem Standort bekundet und möchte rund 1.500 Mitarbeiter dort weiterbeschäftigen. Da sein Plan unklar und laut Audi „nicht realisierbar“ war, wurde diesem potenziellen Investor zusätzliche Zeit eingeräumt, um seinen Plan zu präzisieren. Bei der nächsten außergewöhnlichen Betriebsratssitzung am 15. Oktober soll den Gewerkschaften Deutlichkeit zu diesem Investor und seinen Plänen verschafft werden.

„Aber selbst wenn der Plan dieses potenziellen Investors für Audi finanziell uninteressant wäre, könnte er für uns ein gangbarer Weg sein, wenn er den Verbleib von 1.500 Menschen am Standort ermöglicht“, sagte Ronny Liedts von der christlichen Gewerkschafter ACV-Metea am Mittwochnach dem Treffen mit dem Premierminister: „Darum wollen wir in dieser Frage mehr Deutlichkeit.“

Auch die Brüsseler Regionalregierung ergreift Initiative

Brüssels scheidender Arbeitsminister Bernard Clerfayt (Défi) beruft am 23. Oktober eine Krisenzelle rund um Audi Brussels zusammen. Geplant ist, die Arbeitsminister von Bund, Ländern und Regionen, die und die regionalen Arbeitsämter an einen Tisch zu bringen, „um einen sozialen Notfallplan zu erstellen und die entsprechenden Maßnahmen zu koordinieren“.

Clerfayt bemängelte, dass die föderale Ebene selbst die Führung in diesem Vorgang übernehme, „ohne dabei die Gewaltenteilung zu berücksichtigen. Angesichts der möglichen Folgen der Schließung des Audi-Werks müssen wir zusammenarbeiten. Lassen Sie uns unsere Kräfte bündeln mit dem einzigen Ziel, dem Audi-Standort, vor allem aber den Arbeitnehmern, eine Perspektive zu bieten.“

Der regionale Arbeitsminister für Brüssel fügte hinzu, dass er Actiris (das Brüsseler Arbeitsamt) und Bruxelles Formation (das Brüsseler Aus- und Weiterbildungszentrum) beauftragt habe, mögliche Ausbildungsgänge und freie Stellen für die betroffenen Arbeitnehmer zu ermitteln. Auf der Actiris-Webseite sind bereits rund 6.000 freie Stellen in der Industrie und im Handwerk aufgelistet, die auch für ehemalige Audi-Mitarbeiter attraktiv sein könnten.

Brüssels Noch-Arbeitsminister Bernard Clerfayt

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