Die Zeiten, in denen Jungen mehr rauchten und kifften als Mädchen, scheinen definitiv der Vergangenheit anzugehören. Eine Umfrage des flämischen Kompetenzzentrums für Alkohol und andere Drogen zeigt, dass Mädchen im letzten Sekundarschuljahr genauso viel geraucht haben wie Jungen, und zwar sowohl herkömmliche Zigaretten als auch E-Zigaretten.
"Aufholjagd": Mädchen rauchen und kiffen zum ersten Mal genauso viel wie Jungen
Die gute Nachricht zuerst: Junge Leute rauchen immer weniger die klassischen tabakhaltigen Zigaretten. Das Flämische Kompetenzzentrum für Alkohol und andere Drogen hat im Schuljahr 2022-2023 eine neue Umfrage unter Schülerinnen und Schülern im Alter von 12 bis 18 Jahren durchgeführt:
15,9 Prozent gaben an, im vergangenen Jahr Tabak geraucht zu haben. Im Schuljahr 2021-2022 waren es noch 17 Prozent gewesen.
Interessanterweise gaben zum ersten Mal genau gleich viele Jungen und Mädchen an, im letzten Jahr Tabak geraucht zu haben. Zuvor waren die Mädchen noch systematisch im Rückstand gegenüber den Jungs. Der Rückgang des Konsums traditioneller Zigaretten ist bei ihnen jedoch weniger stark ausgeprägt als bei den Jungen, so dass sie auf dem gleichen Niveau landen.
Allerdings rauchen immer noch mehr Jungen als Mädchen wöchentlich oder täglich Tabak.
„Dass der Tabakkonsum insgesamt weiter zurückgeht, ist eine positive Entwicklung“, sagt der Tabak- und Nikotinexperte Pieter Debognies vom Vlaams Instituut Gezond Leven vzw. „Das mag daran liegen, dass das Rauchen in der heutigen Gesellschaft immer weniger als normal angesehen wird. Dies spiegelt sich auch in vielen zusätzlichen Maßnahmen wider: zusätzliche Rauchverbote, höhere Tabakpreise, das Verbot des Verkaufs in großen Supermärkten und über Automaten.“
E-Zigarette beliebter als herkömmliche
Die sinkende Beliebtheit der herkömmlichen Zigarette wird jedoch durch die E-Zigarette mehr als ausgeglichen. Seit dem Schuljahr 2021-2022 sind E-Zigaretten beliebter als klassische Zigaretten. Fast jeder vierte Schüler hat im vergangenen Jahr gedampft.
6,5 Prozent vapen regelmäßig. Damit hat sich der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig dampfen, seit 2018-2019 verdreifacht.
11 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren in Flandern und Brüssel gaben in einer Umfrage der Universität Antwerpen an, regelmäßig zu vapen.
Die meisten jungen Leute probieren die E-Zigarette als Experiment und aus Neugierde aus. Der Experte Pieter Debognies ist darüber weniger besorgt. „Dinge auszuprobieren gehört zur Jugend. Wir sehen auch, dass die Hälfte der jungen Leute, die im vergangenen Jahr gevapt haben, seitdem - und hoffentlich endgültig - wieder aufgehört haben.”
Besorgniserregender: die steigende Zahl junger Leute, die regelmäßig oder sogar täglich kiffen
„Wir sehen dies vor allem bei den 17- und 18-Jährigen und in den technischen und Berufsschulklassen. Unter den Berufsschüler*innen gibt 1 von 10 Befragten an, täglich zu kiffen. Wir müssen verhindern, dass dies weiter zunimmt.”
Sauberes Image der E-Zigarette lockt Mädchen an
Auch beim E-Zigarettenkonsum sind die Mädchen zu den Jungen aufgerückt und knapp an ihnen vorbei geschossen.
23,8 % der Mädchen geben an, dass sie im letzten Jahr gevapt haben, gegenüber 22,5 % der Jungen.
Die E-Zigarette gewinnt also bei Mädchen schneller an Beliebtheit als bei Jungen. Eine klare Erklärung dafür gibt es noch nicht. Debognies hat jedoch eine Hypothese: „Es könnte mit dem sauberen Image zu tun haben. Man bekommt weder gelbe Finger noch schmutzige Zähne. Die verfügbaren Geschmacksrichtungen riechen auch angenehmer als Tabakrauch“.
„Wenn wir uns zu sehr auf den Verbot der E-Zigarette konzentrieren, riskieren wir, dass bestimmte junge Menschen wieder mehr klassische Zigaretten rauchen. Andererseits sollte die heutige Situation nicht weiter eskalieren, denn viele junge Menschen beginnen auch mit der E-Zigarette, ohne jemals eine herkömmliche Zigarette geraucht zu haben.“
