Zum Hauptinhalt springen
Premierminister Alexander De Croo

Premier De Croo nennt Äußerungen des Papstes über Abtreibungsärzte inakzeptabel und bestellt Päpstlichen Nuntius ein

Belgiens scheidender Premierminister Alexander De Croo (Open VLD, Foto) hat den Päpstlichen Nuntius nach den „inakzeptablen Äußerungen“ des Papstes zur Abtreibung in unser Land einbestellt. Der Nuntius ist der Botschafter des Papstes in unserem Land. Der flämische Liberale De Croo fordert, dass auf dem demokratischen Weg geschaffene Gesetze respektiert werden sollen und dass Ärzte ihre Arbeit machen können, ohne dafür von einem Staatsoberhaupt beschimpft zu werden.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Am vergangenen Sonntag machte Papst Franziskus nach einem privaten Besuch in der Krypta in Laken, in der unter anderem König Baudouin begraben ist, einige überraschende Aussagen. Auf dem Rückflug nach Rom nannte er das belgische Abtreibungsgesetz ein mörderisches Gesetz und Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, bezeichnete er als Auftragsmörder.

„Dass ein ausländisches Staatsoberhaupt eine solche Aussage über die demokratische Entscheidungsfindung in unserem Land macht, ist absolut inakzeptabel“, sagte Premierminister De Croo am Donnerstag während der Fragestunde im Plenarsaal des belgischen Bundesparlaments. „Wir haben nichts darüber zu lernen, wie unsere Parlamentarier demokratisch Gesetze verabschieden. Die Zeiten, in denen die Kirche die Gesetze in unserem Land diktierte, liegen glücklicherweise lange hinter uns.“

Die Zeiten, in denen die Kirche die Gesetze in unserem Land diktierte, liegen glücklicherweise längst hinter uns“

Premierminister Alexander De Croo (Open VLD)

Der Premierminister rief dazu auf, Ärzte zu respektieren, die ihre Arbeit in Ehre und Gewissen und innerhalb eines gesetzlichen Rahmens ausüben, und auch Frauen, die hier frei über ihren Körper entscheiden können, sollten respektiert werden. „Deshalb habe ich den päpstlichen Nuntius zu einem Gespräch einbestellt“, sagte er. „Meine Botschaft wird besonders deutlich sein: Was dort geschehen ist, ist inakzeptabel.“

Noch-Premier De Croo macht sich auch über die Kirche lustig, die nicht immer besonders eilig gehandelt hat, wenn es um sexuellen Missbrauch durch Geistliche ging. „Wenn man sich über irgendetwas empören sollte, dann über diejenigen, die zum Beispiel sexuelle Belästigung zugelassen haben, oder über diejenigen, die nicht gehandelt haben, als man hätte handeln müssen.“ 

Ein Staatsoberhaupt, das mit solch perfiden Äußerungen gegen demokratische Gesetze aufwartet, ist definitiv einen diplomatischen Zwischenfall wert"

Jan Dankaert, Rektor der VUB

Am Donnerstag hatten sowohl die flämische Freie Universität von Brüssel (VUB) als auch die Brüsseler Universitätsklinik (UZ Brussel) den Premierminister dazu aufgefordert, beim Päpstlichen Nuntius in Belgien gegen die Aussagen von Papst Franziskus zu protestieren. Der Rektor der VUB, Jan Dankaert, sagte gegenüber der flämischen Tageszeitung De Standaard. Der Papst  stifte mit seiner Äußerung „zur Verbreitung von Hass“. Es könne nicht sein, dass der Papst Mediziner aufgrund ihrer Tätigkeiten „Auftragsmörder“ nenne.

Die Erklärung des Papstes treffe nicht nur die Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, sondern auch Belgien und seine Bevölkerung: „Ein Staatsoberhaupt, das mit solch perfiden Äußerungen gegen demokratische Gesetze aufwartet, ist definitiv einen diplomatischen Zwischenfall wert.“

Angesichts der Abstimmung über die Verlängerung der Abtreibungsfrist im Repräsentantenhaus im vergangenen Monat verweist Danckaert zudem auf „den wissenschaftlichen Konsens in unserem Land“ über die Verlängerung der Abtreibungsfrist.

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5