Die schottische Künstlerin Lucy McKenzie (°1977) lebt und arbeitet seit 18 Jahren in Brüssel. Im Z33 in Hasselt präsentiert sie noch bis zum 23. Februar 2025 ihre erste Einzelausstellung in Belgien mit neuen, auf das Gebäude zugeschnittenen Arbeiten. Für sie ist Z33 ein Spiegelbild der Stadt, in dem sich öffentliche und private Räume abwechseln. In ihrem "Super Palace" vertauscht die Künstlerin die Geschlechterrollen und sie geht auch politischen Reizthemen nicht aus dem Weg.
Haus für Kunst, Design und Architektur in Hasselt: Lucy McKenzie präsentiert ihren "Super Palace" im Z33
Die Stellung der Frau im öffentlichen Raum
Die Ausstellung beginnt mit Sports Shop, einem Schaufenster einer imaginären Boutique vom Atelier E.B, dem Modelabel von Lucy McKenzie und der Designerin Beca Lipscombe. Wenige Augenblicke später verwandelt McKenzie zwei Schaufensterpuppen in klassische Statuen, die mit "Grünspan"-Technik bemalt sind. Die Köpfe der Schaufensterpuppen wurden durch die Wiedergabe des Kopfes von Zoya Kosmodemyanskaya ersetzt, einer sowjetischen Widerstandskämpferin, die von den Nazis ermordet wurde.
Danach stößt man auf eine bemalte Straßenlaterne, die mit Zeichnungen verziert ist. Darauf ist Beca Lipscombe als Schaufensterpuppe "Rrose Sélavy" des Künstlers Marcel Duchamp (1887-1968) verkleidet, zu entdecken. McKenzie interessiert sich dafür, wie unterschiedlich männliche und weibliche Künstler auf Schaufensterpuppen reagierten. Duchamp stellte seiner Zeit die Geschlechternormen in Frage, indem er einer Schaufensterpuppe seine eigenen Kleider anzog und ihr eine rote Glühbirne in die Brusttasche steckte. Dieses Werk ist eine Hommage an diese radikale Geste.
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Kunst und Massenkultur
McKenzie ist fasziniert von den frühen Formen der Unterhaltung, in denen Kunst und Massenkultur miteinander verschmolzen, wie z.B. die Tradition des bewegten Panoramas aus dem 19. Jahrhundert. Im Z33 präsentiert sie ihre ersten bewegten Panaroma-Gemälde, die von alten Filmszenen inspiriert sind, in denen Zugreisende die Landschaft wie ein Gemälde vorbeiziehen sehen. Von einem Miniaturzugabteil aus blickt man auf die Landschaft entlang des Hudson River in New York.
Das zweite Werk wurde von einer Attraktion der Weltausstellung von 1900 inspiriert, auf der ein Panorama der transsibirischen Eisenbahn gezeigt wurde. So wie das bewegte Panorama ein Vorläufer des modernen Kinos ist, sind die Tanzorgeln der Brüder Decap ein Vorläufer der elektronischen Musik. Lucy McKenzie wählte besondere Objekte aus den Decap-Archiven aus, um deren reiche Geschichte zu zeigen, darunter eine Tanzorgel mit Live-Musik.
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Lassen sich Kunst und Politik trennen?
Sie zeichnet auch eine Tanzorgel im Stil des flämischen Architekten Jozef De Bruycker (1891-1942), Mitglied der rechten Bewegungen "Verdinaso" und "Vlaamsch Nationaal Verbond". Sie geht der Frage nach, ob sich sein Stil von seinen politischen Ideen trennen lässt. Ein Ansatz, den sie auch in "Náhrdelník" (tschechisch für "Halskette") verfolgt, einem neuen Film, der auf Material der gleichnamigen tschechischen Fernsehserie von 1992 basiert. McKenzie adaptierte die Untertitel zu einer neuen Geschichte mit dunklen Untertönen, die in der berühmten Villa Müller des österreichischen Architekten Adolf Loos (1870-1933) spielt.
Neue Wandbilder für Z33 maßgeschneidert
McKenzie interessiert sich auch dafür, wie Kunst für politische Zwecke eingesetzt wird. In den letzten Jahren hat sie sich häufig von den Wandbildern des mexikanischen Künstlers Diego Rivera (1886-1957) inspirieren lassen. Ihre beiden großen Gemälde im Z33 in Hasselt haben eine gesellschaftskritische Botschaft.
"Mural Proposal for Jeffrey Epstein's New York Townhouse (Filming of American Psycho)" zeigt eine Szene aus den Dreharbeiten zu dem Kultfilm American Psycho (2000). Unter der Dusche steht der Schauspieler Christian Bale, der die Rolle des Patrick Bateman spielt, eines Bankers mit einem geheimen Leben als Serienmörder, der Frauen grausam behandelt. In diesem Bild vertauscht McKenzie die Rollen. Bateman wird von einer Gruppe von Frauen beobachtet.
"Super Palace", noch bis zum 23.02.2025 im Z33 - Haus für Aktuelle Kunst, Design & Architektur, Bonnefantenstraat 1, 3500 Hasselt (BE). Info: www.z33.be
