Belgien ist das einzige europäische Land, das Gefahr läuft, sein selbst gestecktes Ziel für die Offshore-Windenergie bis 2030 zu verfehlen. Unser Land bietet nicht genug Platz in der Nordsee. Der Bau zusätzlicher Windturbinen bedroht zudem geschützte Naturgebiete. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die die Umweltschutzorganisation WWF am Donnerstag vorstellte.
Laut WWF ist Belgien das einzige EU-Land, das seine Ziele in Sachen Windenergie verfehlt
Die EU-Kommission hatte 2020 eine Strategie gestartet, mit der bis 2030 Windkraftanlagen gebaut werden sollten, die für insgesamt 60 Gigawatt Leistung sorgen sollten. Seitdem haben sich die Mitgliedsstaaten insgesamt zum Bau von Offshore-Windkraftanlagen mit Leistung von 111 bis 116 Gigawatt verpflichtet. Um eine Vorstellung von der Größenordnung zu bekommen: Für ein Gigawatt werden etwa Windräder benötigt.
Dass die europäischen Länder mehr Windturbinen zugesagt haben, als Europa eigentlich fordert, ist nach Ansicht des WWF eine gute Nachricht.
Aber all diese Offshore-Windparks brauchen auch den nötigen Platz und genau da liegt das Problem. Die von den Naturschützern analysierten Daten zeigen aber auch, dass von den 10 europäischen Ländern, die sich ein entsprechendes Ziel gesetzt haben, nur Belgien Gefahr läuft, dieses zu verfehlen.
Windparks in maritimen Naturschutzgebieten
Jedes Land an der Nordsee darf eine bestimmte Fläche für wirtschaftliche Zwecke nutzen - also auch für Windkraftanlagen. Für Belgien könnte dazu 3.454 Quadratkilometer in der Nordsee nutzen. Aktuell nutzt unser Land nur etwa 15,1 % dieser Fläche für Windparks. Bis 2030 will Belgien in der Nordsee Windkraftanlagen mit einer Leistung von rund 6 Gigawatt errichten. Nach Angaben des WWF werden dafür jedoch 24,82 % der verfügbaren Fläche benötigt.
Belgien ist neben Deutschland das einzige Land, das Windparks in Naturschutzgebieten in der Nordsee gebaut hat. So gibt es beispielsweise Offshore-Windkraftanlagen in den maritimen Schutzgebieten „Vlaamse Banken“ (eine Gruppe von Sandbänken in der südlichen Nordsee vor Belgien) und „Vlakte van de Raan“(Untiefen zwischen Zeeuws-Flandern und dem südlichen Bereich des Nordholländischen Deltas).
Es wird nach Ansicht des WWF für Belgien eine Herausforderung darstellen, das gesteckten Ziele zu erreichen, ohne dabei noch mehr Naturschutzgebiete in der Nordsee zu beeinträchtigen. Der WWF rät daher zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit anderen Nordsee-Anrainerländern und zu Investitionen in andere Formen von erneuerbaren Energiequellen.
