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Analyse: Auch in Flandern fühlen sich Menschen im ländlichen Raum von der Politik vergessen

Zu diesem Schluss kommt der VRT NWS-Journalist Ivan de Vadder, der seit vielen Jahren in der politischen Redaktion des öffentlich-rechtlichen Medienkanals VRT arbeitet. De Vadder bezieht sich u. a. auf ein Buch von Jeremie Vaneeckhout mit dem Titel Vergessenes Land. Ein Roadtrip durch Flandern (2022) . Vaneeckhout war damals noch nicht Vorsitzender der flämischen Grünen, wohl aber seit sechs Jahren Stadtrat im ländlichen Anzegem in Westflandern. Seine These? Die jahrelange Vernachlässigung des ländlichen Raums habe zum Durchbruch der rechtsextremen Partei Vlaams Belang geführt.

Martina Luxen
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Das "Vergessene Land" in Flandern gleicht noch nicht dem Flyover Country, dem Teil der USA zwischen den dicht besiedelten Küstengebieten, wo niemand mit dem Flugzeug landen will. Aber die Menschen, die in Flandern außerhalb der Städte leben, verstreut zwischen den 13 sogenannten Zentrumstädten, haben den Eindruck, dass auch sie vergessen werden. 

Hove, im Großraum Antwerpen
  • Aus einer Studie der belgischen Bank Belfius aus dem Jahre 2018 ging hervor, dass „ländliche“ oder „sehr ländliche“ Gebiete große Teile Westflanderns, Ostflanderns, Antwerpens, Limburgs und abgelegenere Gebiete in Flämisch-Brabant betreffen. 

  • In den flämischen Zentrumstädten (Antwerpen, Leuven, Hasselt, Genk, Kortrijk, Mechelen und andere mittelgroße und große Ballungsgebiete in Flandern) lebt ein Viertel der Bevölkerung. 

  • Die Städte selbst nehmen 9 Prozent der Fläche Flanderns ein. 

  • Die übergroße Mehrheit des Grundgebiets wird von kleineren Städten (Vilvoorde, Ninove ...), von Dörfern und vom ländlichen Raum eingenommen.

Nur die Städte finden Beachtung in der Politik und in den Medien

Café Albert in Lint

Obwohl der ländliche Raum mehr Menschen und mehr Fläche darstellt, beherrschen die Zentrumstädte und ihre Probleme (Verkehr, Umweltverschmutzung und Sicherheit) das Tagesgeschehen, vor allem in Zeiten von Kommunalwahlen. Der Wahlkampf in Städten wie Antwerpen oder Gent (zusammen über 750.000 Einwohner) interessiert ein viel größeres Publikum und liefert spannende Debatten ab. 

Die Probleme im ländlichen Raum dagegen kommen kaum zur Sprache.

  • Auf den Dörfern und in den Kleinstädten klagen die Leute über den Rückgang von Geschäften, Geldautomaten oder Postämtern.

  • Auch Pflege- und Sozialdienste stehen oft unter Druck und werden nicht mehr in jedem ländlichen Kerngebiet angeboten.

  • Wer auf dem Land lebt und auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist, hat die jüngsten Änderungen der Fahrpläne im ländlichen Raum zu spüren bekommen (Busse nur noch auf Anfrage). 

  • Der Zuzug aus der Stadt von Menschen, die sich die Preise auf dem Wohnungsmarkt in den Zentrumstädten nicht mehr leisten können, setzt auch die Wohnungspreise im ländlichen Raum unter Druck. Das Angebot an Sozialwohnungen ist oft begrenzt. 

Bahnsteig bei Moortsel (Nähe von Antwerpen)
  • Und noch etwas: Die Überalterung der Bevölkerung macht sich in den ländlichen Gebieten deutlicher bemerkbar als in den Zentrumstädten. 2014 lebten etwa 450.000 über 60-Jährige in ländlichen Gebieten, und ihre Zahl wird bis 2030 auf 615.000 ansteigen, so die Prognosen des Studiendienstes der flämischen Regierung. Dieser Anstieg (36,1 Prozent) liegt über dem flämischen Durchschnitt (+30,7 Prozent) und vor allem deutlich über dem Anstieg in den Ballungsgebieten (+20,7 Prozent).

  • Armut und soziale Ausgrenzung sind geografisch weiter gestreut und häufig verborgen, insbesondere im Vergleich zum städtischen Kontext. Dadurch sind sie schwieriger zu messen und das Problem wird möglicherweise unterschätzt.  

Infolgedessen sind die Probleme des „vergessenen Flanderns“ oft schwer darzustellen und daher für wahlpolitische Debatten weniger geeignet. Aber vielleicht sollten die Probleme dieses „vergessenen Flanderns“ mehr Beachtung finden. Besonders in Zeiten von Wahlen, so die Analyse von Politikexperte Ivan de Vadder.

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