Papst Franziskus ist am Sonntagnachmittag, nach einem viertägigen Besuch in Belgien, wieder nach Rom abgereist. Auf dem Rückweg nach Rom bekräftigte der Papst erneut seine Haltung gegenüber der Abtreibung und nannte Ärzte, die einen Schwangerschaftsabbruch ausführen, „Auftragskiller“. Das Oberhaupt der Katholischen kündigte in diesem Zusammenhang am Sonntag überraschenderweise an, er wolle das Verfahren für die Seligsprechung von König Baudouin einleiten.
Papst in Belgien: Will Seligsprechung von König Baudouin einleiten
Eines der Kernthemen von Papst Franziskus während seines Belgienbesuchs war seine kompromisslose Ablehnung der Abtreibung. Das belgische Gesetz zur teilweisen Legalisierung hatte er als „mörderisches Gesetz“ bezeichnet und in Brüssel dem Grab von König Boudewijn in Laken einen Überraschungsbesuch abgestattet.
Zum Schluss der Sonntagsmesse im König-Baudouin-Stadion sorgt er für eine weitere Überraschung: Zurück in Rom wolle er das Seligsprechungsverfahren von Baudouin einleiten. Dieser sei ein Heiliger und Verbündeter in seinem Kampf gegen Abtreibung.
Der tiefgläubige belgische König Baudouin hatte 1990 eine Regierungskrise ausgelöst, als er sich weigerte, das Abtreibungsgesetz zu unterzeichnen. „Ein mutiger Mann, weil er sich weigerte, ein mörderisches Gesetz zu unterzeichnen und dafür lieber sein Amt niederlegte. Er hat so gehandelt, weil er ein Heiliger war“, so Papst Franziskus im Gespräch mit Journalisten auf dem Rückflug.
Kenner der katholischen Kirche wie der Historiker Mattijhs Lamberigts sind der Ansicht, dass der Papst hier selbst das Heft in die Hände genommen hat. Und dass weder Leute aus der Kirche noch das Königshaus für die Seligsprechung von Baudouin gelobbyt hätten.
Kritische Stimmen
Nur weil der Papst die Seligsprechung von König Baudouin wünscht, heißt das noch lange nicht, dass es auch so weit kommt.
„Zuerst wird das ganze Leben dieser Person unter die Lupe genommen. Alles wird auf den Prüfstand gestellt“, sagt der Kirchenhistoriker Matthijs Lamberigts.
Auch über König Baudouin werden kritische Stimmen laut. Zum Beispiel, wenn es um seine Haltung bei der Ermordung des kongolesischen Premierministers Patrice Lumumba im Jahr 1961. Baudouin soll davon gewusst, aber nicht eingegriffen haben.
Baudouin habe König Leopold II., wegen seiner grausamen Kolonialpolitik im Kongo höchst umstritten, auch ein Genie genannt und ihn grenzenlos bewundert.

