Vorläufig wird es keinen Strafprozess im Fall Jozef Chovanec geben. Chovanec starb 2018 in einer Zelle im Charterflughafen von Charleroi, nach dem er von mehreren Polizisten mit harter Hand „beruhigt“ wurde. Die Ratskammer von Charleroi in der Provinz Hennegau hat jetzt beschlossen, dass niemandem ein Prozess gemacht wird. Die Familie des Opfers kündigte an, gegen diesen Beschluss in Berufung zu gehen.
Tod in der Flughafenzelle: Kein Strafverfahren im Fall Chovanec
Die Ratskammer von Charleroi musste über eine mögliche Schuld in diesem Fall von 31 Personen befinden. Das waren Beamtinnen und Beamten der Flughafenpolizei und auch medizinisches Personal, das dem randalierenden und kaum zu beruhigenden Slowaken eine Spritze gab, nach der der Mann ins Koma fiel und später starb.
Das Gremium kam zu dem Schluss, dass keinem der Beteiligten ein Fehlverhalten nachgewiesen werden kann und dass Jozef Chovanec gestorben ist, weil er heftig mit seinem Kopf gegen die Zellentüre gedonnert habe.
Was sagen Kamerabilder aus?
Auf Kamerabildern aus der Flughafenzelle ist zu erkennen, dass sich einige der Beamten über den randalierenden Mann lustig machen und dass eine Polizistin sogar die Hand zum Hitlergruß hob. Doch nach Ansicht einiger Beteiligter würden diese Aufnahmen nicht alles zeigen und seien diese sogar irreführend.
Die Witwe von Jozef Chovanec ist mit den Begründungen der Ratskammer nicht einverstanden und geht in Berufung. Ihre Anwältin gab allerdings schon zu verstehen, dass ihre Mandantin davon ausgeht, dass es hier sowieso nicht zu einem Strafprozess kommen wird.
Was löste den Fall damals aus?
Am 27. Februar 2018 war der damals 38 Jahre alte Slowake Jozef Chovanec am Flughafen von Charleroi (Hennegau) aus einem Flugzeug geholt worden, nachdem er sich dort angeblich aggressiv verhalten hatte. Er wurde damals von der Flughafenpolizei mit harter Hand in eine Art Arrestzelle gebracht, wo er Amok lief und sich den Kopf an den Wänden blutig schlug.
Erste Versuche, den Slowaken ruhig zu stellen, scheiterten und sechs Polizisten stürmten danach die Zelle. Sie zogen ihm eine Decke über den Kopf und mehrere der Beamten knieten auf ihm, um ihn zu fixieren.
Im Rahmen dieses Einsatzes zeigte, wie inzwischen bekannte Bilder einer Überwachungskamera belegen, eine Polizistin „nur so zum Spaß“ dabei den Hitlergruß. Nach diesem Einsatz verabreichte ein Arzt Chovanec eine Beruhigungsspritze, doch dabei setzte ein Herzstillstand ein. Nur drei Tage später starb der Slowake in einem Krankenhaus. Inzwischen scheint deutlich zu sein, dass die Polizisten Jozef Chovanec für einen Deutschen hielten. Ob dies die Polizistin dazu veranlasste, den Hitlergruß zu zeigen, sei dahingestellt…
Der Fall löste in Belgien einigen Wirbel aus, der bis in höchste politische Kreise führte und in dem auch hohe Polizeibeamte unter Druck geraten sind. Vom Versuch, diesen Fall zu vertuschen, ist hier nicht selten die Rede. Auch in der Slowakei, im Heimatland des Verstorbenen, sorgte der Fall für Wirbel und für Proteste gegen Belgien auf politischer Ebene.
