Der gesamte Stromverbrauch in Belgien wird sich bis 2050 verdoppeln. Ohne zusätzliche Maßnahmen wird die fehlende Menge so groß sein wie der aktuelle Jahresverbrauch. Mit den Plänen, die derzeit auf dem Tisch liegen, wird unser Land nicht auskommen. Das sagt der Hochspannungsnetzbetreiber Elia in seinem Ausblick auf den Energieverbrauch der Zukunft. Elia fordert die nächste Regierung auf, dahingehend wichtige Entscheidungen zu treffen.
Der Strombedarf in Belgien wird sich bis 2050 verdoppeln: Was schlägt Netzbetreiber Elia vor?
Zuerst die gute Nachricht: Bis 2050 wird der Gesamtverbrauch aller Energie in unserer Industrie, im Verkehr und in Gebäuden laut Elia stark zurückgehen. Das liegt unter anderem daran, dass bis dahin weniger Gas und Öl, aber mehr Strom verbraucht wird.
Elektrisch betriebene Fahrzeuge haben zum Beispiel eine viel höhere Energieeffizienz als Autos mit Verbrennungsmotoren. Bei einem Dieselauto liegt die Effizienz wischen 30 und 40 %. Bei einem Elektroauto liegt sie bei 85 bis 90 %. Außerdem ist Strom auch besser für das Klima.
Andererseits wird die Nachfrage nach Strom enorm steigen. Laut Elia wird sie sich bis 2050 sogar verdoppeln. Das liegt zum einen daran, dass auch in Belgien mehr Elektroautos und Wärmepumpen genutzt werden, und zum anderen daran, dass die Industrie verstärkt auf elektrische Prozesse umstellen wird.
Mögliche Szenarien
Laut Elia wird die bestehende Kapazität zur Stromerzeugung in Belgien bereits in 10 Jahren nicht mehr ausreichen. Da reichen auch bereits beschlossene Maßnahmen, wie z.B. die Verlängerung der Laufzeit der letzten beiden Kernreaktoren oder der Aus- bzw. Neubau von Offshore-Windparks, nicht mehr.
Elia schlägt der noch zu bildenden neuen Bundesregierung mehrere Szenarien vor - jedes hat allerdings technische Vor- und Nachteile. Eine Idee des Stromnetzbetreibers ist, die beiden länger am Netz bleibenden Kernreaktoren Doel 4 und Tihange 3 nicht 10, sondern mindestens 20 Jahre länger in Betrieb zu halten. Elia untersucht sogar die Möglichkeit einer längeren Betriebszeit für 2 statt 2 Atomreaktoren.
Der belgische Netzbetreiber legt seinen Fokus auch auf zwei weitere Strategien. Die eine setzt auf den Bau neuer Kernkraftwerke und die andere darauf, dass sich Belgien in ausländischer Offshore-Windparks einkauft, wobei beide Optionen miteinander kombiniert werden können.
Investitionen
Für jedes Szenario berechnete Elia auch die Kosten. Wenn die bestehenden Kernreaktoren weiter in Betrieb bleiben, würden die Kosten für unser künftiges Stromsystem ohnehin sinken. Das Einkaufen in Windparks im Ausland ist in fast allen Szenarien Günstiger als der Bau neuer Kernkraftwerke.
Aber wenn sich Belgien auf die derzeit vorliegenden Pläne beschränkt (Laufzeitverlängerung der Kernreaktoren Doel 4 und Tihange 3 um 10 Jahre, der neue Windpark an der belgischen Westküste und das Setzen auf heimischen Wind- und Solarstrom) und nichts Zusätzliches unternommen wird, steigen die Kosten weiter. Dann müssten enorme Mengen an Elektrizität importieren werden, was wiederum mit hohen Kosten verbunden wäre.
So oder so werden in den kommenden Jahren Im Hinblick auf die Stromversorgung in unserem Land erhebliche Investitionen erforderlich sein. Hier ist die Rede von Hunderten von Milliarden Euro. Wenn Belgien sowohl auf Windkraft als auch auf neue Atomreaktoren setzt, werden sich diese Investitionen zwischen 2030 und 2050 auf bis zu 410 Mia. € belaufen. Falls man nur auf den Import von Elektrizität setzt, liegen die Kosten sogar bei 440 Mia. €.
