Haben Sie die Journées du patrimoine am vergangenen Wochenende verpasst? Keine Sorge, Sie können am letzten Septemberwochenende noch die Journées du matrimoine nutzen. Im Unterschied zum traditionellen Wochenende des Kulturerbes in Brüssel - in diesem Jahr interessanterweise im Zeichen der Postmoderne zwischen 1970 und 2000 - beleuchten die letzteren den Einfluss von Frauen auf Architektur, Stadtentwicklung, Kulturerbe und Gesellschaft.
Journées du matrimoine 27. -29.09.: Wie Frauen dem Brüsseler Kulturerbe ihren Stempel aufgedrückt haben
Die Journées du matrimoine sind 2019 erstmals über die Bühne gegangen. Jede Ausgabe hat seitdem die meist wenig bekannten Architektinnen, Künstlerinnen oder Wissenschaftlerinnen in den Mittelpunkt gestellt.
Das Thema der diesjährigen Ausgabe ist der kollektiven Dimension der Gleichberechtigungskämpfe gewidmet. In diesem Rahmen stellen die Veranstalterinnen historische feministische Vereinigungen vor: zum Beispiel die Union der afrikanischen Frauen (Sektion Kongo), der belgische Architektinnen-Verband, der Verein der marokkanischen Frauen usw. Diese Vereinigungen haben an vielen Fronten gekämpft, um Frauen Gehör zu verschaffen: wählen zu dürfen, frei über ihren Körper zu verfügen, sich zu lieben und ihre sozialen Errungenschaften zu genießen.
Anhand von dreißig Aktivitäten zeigen die Journées du matrimoine, welchen Einfluss Frauen auf das Kulturgut genommen haben.
Veranstaltung: einige Schwerpunkte
Die Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel holen sieben Werke aus ihren Kollektionen, die bislang kaum gezeigt wurden, obwohl die Künstlerinnen längst anerkannt sind. Das Museumsteam wird die vielfältige Schaffenskraft dieser Künstlerinnen und ihren originellen und unbestreitbaren Beitrag zur Kunst ihrer Zeit und zur Geschichte hervorheben.
Vielleicht haben Sie das Maison Cauchie früher schon einmal besucht. Es ist nämlich eines der schönsten Beispiele des Brüsseler Jugendstils, prachtvoll verziert mit Sgraffiti und Fassadenmalereien. Das Haus gehörte Paul und Lina Cauchie, eine talentierte Malerin und eine der ersten Frauen, die an der Akademie der Schönen Künste studierten. Beide haben diese Perle des Jugendstils erschaffen, wie ein Hinweis an der Fassade „Von uns, für uns“ beweist. Anlässlich dieses Besuchs wird der Schwerpunkt auf Linas Werk und die Stellung der Künstlerinnen in der Epoche des Jugendstils legen .
In der Brüsseler Gemeinde Ukkel befindet sich eine große Anzahl von Häusern, die von der ersten Generation belgischer Architektinnen entworfen wurden. Zu ihnen gehören Simone Guillissen-Hoa (Foto unten), Odette Filippone und andere, bis heute fast unbekannte Architektinnen. Der Besuch bietet die Gelegenheit, diese modernistische Architektur der Nachkriegszeit vorzustellen und die sexistischen Mechanismen zu diskutieren, denen weibliche Architekten damals ausgesetzt waren .
Ebenfalls im Rahmen der kollektiven Bemühungen, sich einen Platz im öffentlichen Raum zu verschaffen, findet ein Rundgang statt, der den Migrationsweg der ersten Marokkanerinnen erzählt . Von ihrer Ankunft am Brüsseler Südbahnhof bis hin zu ihrer Niederlassung und Aneignung des städtischen Raums in verschiedenen Brüsseler Gemeinden. Obwohl seit den 1970er Jahren eine große weibliche marokkanische Bevölkerung nach Belgien kommt, ist ihre Geschichte noch weitgehend unbekannt.
Auf dem Programm der sechsten Ausgabe der frauenfreundlichen Kulturerbe-Tage in Brüssel stehen Führungen, Workshops, Ausstellungen, Filmvorführungen usw. Reservierung empfohlen.
