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Dieser für Gent wichtige historische Brief soll versteigert werden

Gent bittet bei einem Auktionshaus in Schottland um einen Brief von Königin Elisabeth I.

Die Stadt Gent möchte vermeiden, dass ein historischer Brief aus dem 16. Jahrhundert in einem Auktionshaus in Schottland versteigert wird und richtet an dieses eine offizielle Anfrage. Bei dem Objekt handelt es sich um ein Schreiben der damaligen englischen Königin Elisabeth I. an einen Schöffen in Gent.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Das Auktionshaus Lyon & Trunbull aus Edinburgh versteigert in der kommenden Woche einen historischen Brief, der nach Ansicht von Gent ins dortige Stadtarchiv gehört. Die Stadtverwaltung hat an das Auktionshaus eine offizielle Bitte gerichtet, diesen Brief nicht zu versteigern. Bei Lyon & Trunbull wird das Dokument auf rund 20.000 € geschätzt.

Der Brief wurde am 30. Dezember 1578 geschrieben und von der damaligen englischen Königin Elisabeth I. unterzeichnet. Adressat war Jan van Hembyse, damals Schöffe und Führer der Calvinistischen Republik in Gent. Die Queen plädiert in diesem Schreiben, dass katholischen Edelleuten, die seinerzeit in Gent im Gefängnis saßen, ein ehrlicher Prozess gemacht werden soll.

Dieses außergewöhnliche Dokument gehört in die Genter Archive. Es ist ein besonderes Zeugnis einer sehr turbulenten und wichtigen Periode“

Filip Watteeuw, Schöffe für das Genter Stadtarchiv

In Gent heißt es dazu, dass eine Untersuchung des Schreibens zeigt, dass er ins Stadtarchiv gehört. Filip Watteeuw, Schöffe für das Genter Stadtarchiv und für Denkmalschutz, sagt dazu: „Dieses außergewöhnliche Dokument gehört in die Genter Archive. Es ist ein besonderes Zeugnis einer sehr turbulenten und wichtigen Periode.“

Die Übergabe dieses Briefes ist eine Geschichte für sich, so der Genter Stadtarchivar Guy Dupond, denn er wurde von einem englischen Spion namens Daniel Rogers nach Gent gebracht: „Das wissen wir mit Sicherheit, denn er hat den Inhalt dieses Schreibens in einem anderen Brief besprochen. Er schrieb, dass er diesen Brief abgegeben habe und dass die Königin not amused wäre, wenn ihrem Ansinnen nicht entsprochen würde.“

Nichts weist im Genter Stadtarchiv auf diesen Brief hin“

Guy Dupond, Genter Stadtarchivar

Interessant an dieser Geschichte ist auch, dass das Stadtarchiv von Gent von der Existenz dieses Briefes bis vor kurzem noch nichts wusste, wie Archivar Dupond angibt: „Vorige Woche kam plötzlich ein Tipp. Wir haben unmittelbar unsere Archive und Inventare nachgesehen und fanden keine Hinweise dazu. Auch ehemalige Archivare und Fachleute wussten nichts über das Bestehen des Briefes.“

Nichts weise im Genter Stadtarchiv auf diesen Brief hin, so Stadtarchivar Guy Dupond weiter: „Sonst wäre er wohl aufgeführt, denn schließlich steht die Unterschrift der Queen darauf. Wie der Brief wieder nach Großbritannien gelangen konnte, bleibt vorläufig ein Geheimnis!“

(Lesen Sie bitte unter der Illustration weiter)

Schreiben mit Unterschrift von Queen Elisabeth I.

Die Calvinistische Republik Gent

1577 begangen protestantische Rebellen in Gent eine Art Staatsstreich. Es gelang ihnen, die Macht in der Stadt zu übernehmen und sie aus dem Verband der Grafschaft Flandern zu lösen. Sie gründeten die Calvinistische Republik Gent und Rebellenführer Jan van Hembyse ließ die katholische Elite der Stadt ins Gefängnis werfen.

Dieser Coup und die Festnahme der Katholiken sorgt international für Beunruhigung und Wilhelm von Oranien nimmt sich der Sache im Dezember 1587 an und geht nach Gent. Dort handelt er mit Jan van Hembuyse ein Abkommen aus und die Katholiken werden freigelassen.

Queen Elisabeth I. hatte diese Nachricht noch nicht erhalten, als sie ihr Schreiben an den Genter Rebellenführer verfasst. Auch sie ist beunruhigt und überdies möchte sie sich gerne international bemerkbar machen. Jan van Hembyse wird das Schreiben einige Woche nach Lösung des Konflikts ausgehändigt. Wie der Brief allerdings wieder nach England gelangen konnte, ist unklar.

Die Calvinistische Republik Gent hielt letztendlich 6 Jahre lang stand und brach 1584 zusammen.  

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