Nach Tagen voller Spannungen zwischen der Direktion und Teilen der Belegschaft des Audi-Werks in Brüssel laufen seit Mittwochfrüh Gespräche, die zur Lösung des Konflikts rund um die drohende Schließung des Standorts führen sollen. Dazu haben sich die Sozialpartner an neutraler Stelle in einem Gebäude des belgischen Arbeitsministeriums in Anderlecht getroffen. Doch die Gespräche führten nicht zu einem Einlenken und jetzt soll ein Schlichter dabei helfen, dass sich die Konfliktparteien näher kommen.
Audi Brussels: Gespräche ohne Annäherung - Schlichter eingeschaltet
Trotz den neuerlichen Gesprächen bleibt die Audi-Fabrik im Brüsseler Stadtteil Vorst noch geschlossen und das soll noch mindestens die ganze Woche so bleiben. Die Direktion lässt dazu wissen, dass man die Werkstore solange nicht öffnen könne, bis es Garantien dafür gebe, dass fertig produzierte Neuwagen aus dem Werk an die Händler bzw. die Kunden ausgeliefert werden können. In dieser Frage hatten die Gewerkschaften bereits eingelenkt und „beschlagnahmte“ Autoschlüssel der Audi-Direktion am späten Dienstagnachmittag wieder ausgehändigt.
Im Laufe des Mittwochs wurde deutlich, dass die Gewerkschaften aktuell eine brennende Frage haben: Werden die Arbeiter diese Woche entlohnt oder nicht? Franky De Schrijver von der sozialistischen Gewerkschaft ABVV sagte gegenüber VRT NWS: „Wir haben nur einen prioritären Punkt: Wie werden unsere Arbeiter diese Woche bezahlt? Die Fabrik ist geschlossen. Die 700 Angestellten werden weiter bezahlt, doch die Arbeiter nicht.“ Audi hatte auf die Proteste und auf die „Beschlagnahme“ der Neuwagenschlüssel mit einem „lock-out“ reagiert und das Werk geschlossen.
Doch nach Angaben der Gewerkschaften lenkte die Audi-Direktion nicht ein. Aus diesem Grunde teilten die Arbeitnehmervertreter am Mittwochnachmittag mit, dass sie gegen den „Lock-out“ juristisch vorgehen werden. Inzwischen bestellte das belgische Wirtschaftsministerium einen Schlichter, der dabei helfen soll, den Konflikt zwischen den Sozialpartnern zu lösen.
(Lesen Sie bitte unter dem Video weiter, dass die Begrüßung zwischen den Gewerkschaftlern und den Vertretern von Audi am Mittwochmorgen zeigt)
Die Gemeinde Vorst fordert Klarheit von Audi
Inzwischen ruft die Bürgermeisterin der Brüsseler Gemeinde Vorst, in der das Audi-Werk gefestigt ist, die Direktion des Werks dazu auf, endlich Klarheit zur Zukunft des Standorts zu schaffen. Die frankophone Grüne Mariam El Hamidine (Ecolo) schrieb dem CEO von Audi in Ingolstadt einen Brief in dem sie mitteilt: „Es ist 2 Monate her, dass das Renault-Verfahren eingeleitet wurde, ohne weitere Details. El Hamidine besteht darauf, dass Thomas Bogus, der designierte Nachfolger des Noch-Direktors des Werks, Folker Germann, sie sofort nach Dienstantritt kontaktiert.
Das Renault-Verfahren ist ein gesetzlich vorgeschriebener Konsultationsprozess bei geplanten Massenentlassung in Belgien. Es wurde nach der plötzlichen und quasi unangekündigten Schließung des Renault-Werks in Vilvoorde bei Brüssel am 27. Februar 1997 eingeführt.
Umstrukturierung
Anfang Juli kündigte der deutsche Autobauer aus Ingolstadt eine umfassende Umstrukturierung für den belgischen Standort im ehemaligen Volkswagenwerk in Brüssel an. Hier soll die Produktion des Q8 e-tron auslaufen und eventuell nach Mexiko verlegt werden. Audi leidet unter Überkapazitäten und Brüssel „zahlt die Zeche“ für die im Vergleich mit anderen Standorten der Volkswagengruppe zu hohen Produktionskosten.
Die Umstrukturierung beinhaltet, dass möglicherweise schon im Oktober 1.500 Kündigungen erfolgen und im nächsten Jahr sollen über 1.100 weitere Jobs wegfallen. Ende 2025 soll dann ganz Schluss sein. Bei Audi heißt es aber, dass man nach Alternativen für den Standort suche. Das Ende von Audi in Brüssel wird auch schwerwiegende Folgen für mehrere Zulieferfirmen in Belgien haben.

