Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB plant die Aussetzung der zweiten Phase ihres ambitionierten Transportplans auszusetzen. Als Grund dafür wird ein akuter Personalmangel unter Lokführern und Zugbegleitern angeführt. Zudem lässt Infrastruktur-Dienstleister Infrabel wissen, dass es auf den Netz Kapazitätsprobleme gibt. Vom Vorhaben, bis 2032 bis zu 30 % mehr Reisende pro Jahr zu befördern, weicht die Bahn aber nicht ab.
Personalmangel? Die belgische Bahn schraubt ihre Ambitionen zurück
Der Transportplan 2023-2026 von NMBS/SNCB, der vor knapp einem Jahr vorgestellt wurde, sieht vor, die Zahl der gefahrenen Kilometer auf dem belgischen Schienennetz innerhalb des genannten Zeitraums um 7,4 % anzuheben. Das ganze soll in 4 Phasen vonstattengehen. In einem internen Papier bei der Bahn ist die Rede davon, Phase 2 auszusetzen - für wie lange ist undeutlich.
Doch dies wird mit Sicherheit ein Zeitraum von 6 Monaten sein, da in Belgien zweimal pro Jahr ein neuer Fahrplan eingeführt wird: Im Juni und im Dezember. Grund für dieses Vorhaben ist ein akuter Personalmangel bei den Lokführern und beim Zugpersonal, also bei den Schaffnern.
Doch es liegt offenbar auch ein Kapazitätsproblem im belgischen Schienennetz vor, denn Infrastruktur-Dienstleister Infrabel führt an, dass man nicht allen Anforderungen für Zugleistungen entsprechen konnte. Das führte in der jüngeren Vergangenheit ebenso zu Zugausfällen, wie fehlende Lokführer und/oder Zugbegleiter.
Von den Problemen, bzw. der Ausdünnung in den Fahrplänen sind vor allem Züge abends und an den Wochenenden betroffen. Eine Auswahl:
Mehr IC-Züge (2 pro Stunde) am Wochenende zwischen Charleroi und Brüssel und auf der Linie Lüttich-Löwen-Brüssel wird es vorläufig nicht geben,
Mehr S-Bahnzüge auf der S3 zwischen Brüssel und Dendermonde wird es am Wochenende vorerst nicht geben,
Die S4 zwischen Aalst und Brüssel am Wochenende wird nicht eingeführt,
Das Vorhaben, am späten Samstagabend mehr Verbindungen von und nach Brüssel (15 Züge) bzw. von und nach Antwerpen (7 Züge) einzuführen, wird auf Eis gelegt (auch mehr Züge freitagsabends wird es nicht geben,
Die gestrichenen Pendlerzüge in den Stoßzeiten in der Woche zwischen Charleroi und Schaarbeek (via Brüssel) und zwischen Dendermonde und Brüssel (via Jette) kommen vorerst nicht mehr zurück.
Kritik vom Fahrgastverband TTB
Der Fahrgastverband ZugTramBus (TTB) glaubt nicht, dass es der belgischen Bahn unter diesen Voraussichten gelingen wird, mehr Reisende gewinnen zu können. TTB-Sprecher Peter Meukens glaubt, dass dazu ein ganz bestimmtes Vorhaben nötig sei: „Wenn es nach der NMBS geht, dann kommt die Harmonisierung des Bahnverkehrs zwischen den Wochentagen und den Wochenenden nicht. Das ist aber dringend notwendig.“
TTB wirft der Bahn zudem vor, ein schlechtes Dienstleistungsunternehmen zu sein: „Man macht das in aller Stille, ohne die betroffenen Städte und Gemeinden davon zu unterrichten.“ Auch mit dem beratenden Dachverband der Fahrgastverbände sei nicht gesprochen worden: „Schließlich schreibt der Geschäftsführungsvertrag bzw. Dienstleistungsvertrag für die Bahn dies vor.“
Belgiens scheidender Verkehrsminister Georges Gilkinet (Ecolo) ruft das Bahnmanagement und den Verwaltungsrat der NMBS/SNCB dazu auf, dieses Vorhaben zu überdenken.
