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Neuer Fahrplan: Fahrgastverband und Bürgermeister schreiben offenen Brief an Belgiens Bahnchefin Dutordoir

Der Fahrgastverband ZugTramBus (TTB) und einige Bürgermeister aus dem ganzen Land schreiben der Managerin der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB einen offenen Brief, in dem sie sich darüber beklagen, dass Inlandsreisende fahrplanmäßig das Opfer von internationalen Prestigeprojekten geworden sind. Das Problem sind gestrichene Inlandszüge, weil der neue Fahrplan sonst nicht ausreichend Freiräume für die neue IC-Verbindung zwischen Brüssel und Amsterdam geboten hätte.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Als die NMBS und die niederländische Bahngesellschaft NS vor einiger Zeit ankündigten, dass zum Fahrplanwechsel im Dezember (der Winterfahrplan 2024-2025) die neue und häufiger frequentierte IC-Verbindung zwischen Brüssel und Amsterdam anlaufen würde, ahnten die Fahrgastverbände hierzulande schon nichts Gutes. Jetzt wurden ihre Sorgen offenbar bestätigt.

Als die definitive Version des Winterfahrplans bekannt wurde, stellten sie fest, dass der „IC-Snel“ zwischen der belgischen Hauptstadt und der niederländischen Metropole bereits in diesen Eingebaut ist „und dies hat einen enormen Impakt auf die Inlandsreisenden.“ Weil vor allem in Brüssel Engpässe bei den Fahrplanslots entstehen, sind nationale Züge entweder gestrichen worden, in ihrer Frequenz beschnitten oder umgeleitet worden.

Der offene Brief des belgischen Fahrgastverbandes ist übrigens auch von einigen Bürgermeistern aus ganz Belgien unterzeichnet worden, weil weniger Züge in den Bahnhöfen ihrer Städten halten: Hans Bonte - Vilvoorde in Flämisch-Brabant (Vooruit), Erik Broeckx -  Mortsel bei Antwerpen (N-VA), Jacques Chabot - Waremme in der Provinz Lüttich (PS), Kris Declercq - Roeselare in Westflandern (CD&V), Björn Prasse aus dem Küstenbadeort Blankenberge (Open VLD) und Ann Schrijvers – Zutendaal in Limburg (ZVP). Zu den Unterzeichnern gehört auch der Antwerpener Mobilitätsschöffe Koen Kennis (N-VA).

Welche Linien/Städte sind betroffen?

  • Die IC-Direktverbindung zwischen Genk (Limburg) und der Küste verschwindet an Werktagen

  • Am Wochenende ändern sich in der Provinz Limburg so ziemlich alle Anschlüsse zwischen der Bahn und den Bussen von De Lijn

  • Westflandern: Reisende zwischen Kortrijk und Blankenberge müssen in Brügge eine halbe Stunde auf ihre Anschlüsse warten

  • Im Bahnhof Mortsel-Oude God bei Antwerpen hält nur noch jede halbe Stunde ein Zug in beiden Richtungen

  • Die Fahrzeit zwischen Waremme bei Lüttich und Brüssel dauert im IC 20 Minuten länger

  • Zwischen Antwerpen und Brüssel wird jeder vierte Zug in beiden Richtungen aus dem Fahrplan genommen

Verstößt dies gegen den Geschäftsführungsvertrag zwischen der Bahn und der Regierung?

„Die Achse Antwerpen-Brüssel, die die beiden größten Städte unseres Landes verbindet, ist schon seit Jahren eine der am schwächsten bedienten Hauptstrecken des Netzes“, heißt es in den offenen Brief an die Bahnchefin: „Ab Dezember wird das Angebot auf dieser Achse noch schlechter und es werden mindestens zu den Stoßzeiten Kapazitätsprobleme entstehen.“

ZugTramBus ist der Ansicht, dass diese Fahrplananpassung zugunsten eines einzigen internationalen Prestigeprojekts mit den Niederlanden gegen die Vereinbarungen im Geschäftsführungsvertrag zwischen der Bahn und der belgischen Regierung verstößt: „Die NMBS opfert ihr Inlandsangebot für ein kommerzielles Projekt, dass nicht zum Vertrag gehört.“

Weil internationale Züge nicht zur öffentlich-rechtlichen Dienstleistung gehören, können die beteiligten Eisenbahngesellschaften z.B. ihre Fahrpreise selbst bestimmen, was beim „IC-Snel“ zwischen Brüssel und Amsterdam wohl der Fall sein wird. TTB und die an der Unterzeichnung dieses brieflichen Protestes beteiligten Städte und Gemeinden drängen auf Gespräche mit Bahnchefin Sophie Dutordoir und mit der NMBS, um die hier besprochenen Fahrplanschwachpunkte noch anzupassen.

Der Stein des Anstoßes? NS-Schnellzug für den "IC-Snel" auf Testfahrt in Brüssel Süd/Midi

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