Wer in der Nähe einer Eisenbahnstrecke wohnt, der kann ab Dezember 2024 durchaus mit einer besseren Nachtruhe rechnen. Ab dann sollen auch auf den wichtigsten Güterzugstrecken im belgischen Bundesland Flandern nur noch leisere Züge unterwegs sein. Das betrifft in erster Linie die Strecken zwischen der deutschen Grenze und den Häfen von Antwerpen und Zeebrügge. Auch Belgien entspricht damit einer EU-Richtlinie zum zulässigen Geräuschpegel für Güterzüge.
Ab Dezember fahren auch auf den Güterzug-Korridoren in Flandern nur noch leise Züge
Leisere Züge sollen noch vor dem Jahreswechsel auf den Hauptachsen, wie der sogenannten „Montzen-Route“ zwischen Aachen-West und dem Hafen von Antwerpen, unterwegs sein. Das ist eine Strecke, die in weiten Teilen die flämische Provinz Limburg durchquert. Doch auch die Strecke aus Richtung Frankreich, Luxemburg und Lüttich über Löwen (Flämisch-Brabant) und Mechelen (Antwerpen) kann davon profitieren.
Generell sollen die Güterzüge um 10 Dezibel leiser werden. Das ist ein Fahrgeräusch, dass fast um die Hälfte leiser ist, als das bisher der Fall ist.
Logistikgruppe Lineas
Annelies Hervent von Lineas, ein Tochterunternehmen für den Güterverkehr auf Schienen der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB, sagte dazu gegenüber VRT NWS, dass dies u.a. eine Frage der Bremsen sei: „Bis vor kurzem waren die meisten Güterwagen mit Bremsen aus Grauguss ausgerüstet. Und diese Bremsblöcke sorgen für Lärm, z.B. für das typische Quietschen bei Bremsen. Um das zu ändern werden diese Bremsen nach und nach durch solche aus Kunststoff ersetzt.“
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Lineas und die anderen europäischen Güterbahnen setzen dabei auf Bremsen aus Keramik (in Fachkreisen spricht man auch von „Flüsterbremsen“) sowie auf glattere Wagenräder und Schienen. Die Güterwaggons werden bei den routinemäßigen Untersuchungen umgebaut und angepasst. Aktuell liegt das Fahrgeräusch von Güterzügen mit nicht angepassten Laufwerken und Bremsen bei bis zu 55 Dezibel.
EU-Richtlinie
Grund für diesen Vorgang ist eine Regelung der Europäischen Union, die ab dem 8. Dezember 2024 in Kraft tritt. Bis dann müssen die Eisenbahngesellschaften in der EU ihre Güterwaggons mit leiseren Laufwerken bzw. Bremsen ausgerüstet haben. Das soll dafür sorgen, dass die rund 22 Millionen EU-Bürger, die entlang von Bahnstrecken leben, weniger unter Lärmbelästigung zu leiden haben. Die Europäische Union förderte die schallmindernden Bremsen für Güterwagen im Rahmen der „Connecting Europe Facility“ (CEF) der EU-Kommission im Zeitraum von 2019 bis 2023.
Von diesen leiseren Zügen werden also auch die Menschen in Flandern, die an Gleisen wohnen, auf denen Güterzüge unterwegs sind, profitieren. Und die belgische Güterbahn Lineas ist gerüstet, wie deren Sprecherin Annelies Hervent unterstrich: „90 % unserer Waggons sind umgebaut und wir sind voll im Zeitplan und bis Dezember fertig.“
