Die Familie eines Häftlings, der sich im vergangenen Jahr im Gefängnis von Haren bei Brüssel das Leben nahm, hält den belgischen Staat hierfür verantwortlich und erwägt juristische Schritte. Aus der Untersuchung des Vorfalls damals, in den VRT NWS jetzt Einblick hatte, ist ersichtlich, dass die Haftanstalt am bewussten Tag unterbesetzt war und dass das Personal vor Ort nicht ausreichend ausgebildet war. Der Häftling stand unter besonderer Aufsicht, wurde aber kaum kontrolliert.
Gefängnis Haren: Zu wenig und nicht ausreichend ausgebildetes Personal?
Ist ein Häftling in einem Gefängnis in Belgien z.B. selbstmordgefährdet oder steht dieser unter besonderer Aufsicht, dann muss seine Zelle alle 15 bis 30 Minuten kontrolliert werden. Aus der Untersuchung des Selbstmordes, der hier besprochen wird, ist ersichtlich, dass während rund 4 Stunden niemand nach dem Betroffenen geschaut hatte.
Der Betroffene wurde im Juni 2023 im Gefängnis von Haren im Norden der Brüsseler Hauptstadt-Region untergebracht, weil er versucht hatte, zuerst seiner Familie und dann sich selbst das Leben zu nehmen. Als suizidgefährdet stand er dort unter besonderer Aufsicht. Doch 2 Monate nach seiner Einweisung nahm er sich in seiner Zelle das Leben.
"Darf nicht mehr passieren"
Seine Angehörigen wollen jetzt gegen den belgischen Staat vor Gericht ziehen, „damit so etwas nicht mehr passiert“, sagte seine Schwester gegenüber VRT NWS: „Ich möchte, dass der Tod meines Bruders nicht umsonst war. Ich will nicht, dass andere Leute sterben, die sich im selben Zustand befinden. Normalerweise kommen Menschen ins Gefängnis, die eine Gefahr für die anderen bilden, doch mein Bruder war keine Gefahr für andere, sondern nur für sich selbst.“
Aus den Verhören der Polizei der am bewussten Tag anwesenden Gefängnismitarbeiter ist ersichtlich, dass das Personal vor Ort auf seine Aufgaben nicht adäquat vorbereitet war, wie aus dem Vernehmungsprotokoll der 24 Jahre alten Teamleiterin ersichtlich ist: „Ich hatte meine Ausbildung als Beamtin im Strafvollzugswesen noch nicht abgerundet. Normalerweise sind dafür 50 Tage vorgesehen. Ich hatte davon aber erst ungefähr 25 Tage absolviert und ich hatte überhaupt keine Ausbildung als Teamleiterin bekommen und wusste auch nichts von medizinischem Beistand oder erster Hilfe.“
Wer Fragen zu Thema Selbstmord hat oder Hilfe braucht, kann Antworten auf der Webseite des BTZzentrums in Ostbelgien in deutscher Sprache finden oder das Hilfstelefon unter der kostenlosen Nummer 0800 32 123 anrufen.
