Wenn man bei Google Maps in der Nähe von Evergem im Genter Hafengebiet nachschaut, erkennt man plötzlich die drei Buchstaben „BKR“. In dieser Form, drei Großbuchstaben, werden Weiler oder kleine Dörfchen angedeutet. Doch woher kommt „BKR“ und warum ausgerechnet dort? Hier verbirgt sich eine kleine spannende Geschichte.
Mysteriös: Was verbirgt sich hinter der Abkürzung "BKR" im Genter Hafengebiet, die nur bei Google Maps aufgeführt wird?
Wer bei Google Maps auf die Gemeinde Evergem in der Umgebung des Hafens von Gent (Prov. Westflandern) zoomt, der findet in einer ganzen Reihe kleiner Ortschaften, wie z.B. Wippelgem, Rieme oder Ertvelde auch die drei Buchstaben „BKR“ (groß geschrieben). Das passt nicht wirklich in diese Reihe von Orten. In der Suchmaschine von Google findet man zu „BKR“ lediglich die Postleitzahl 9940. Mögliche Links zu ähnlichen oder gleichen Abkürzungen oder Buchstabenkombinationen führen gerade dort zu nichts…
Google-Belgien-Sprecher Michiel Sallaets ist erstaunt über die Frage von VRT NWS, was man dort darüber weiß. Er kann sich auch nicht erklären, was es auf der digitalen Landkarte damit auf sich hat: „Wir arbeiten mit den lokalen Behörden zusammen, die hier ihre Daten hochladen können. Wie das auf flämischer, provinzialer oder Gemeinde-Ebene organisiert ist, weiß ich nicht. Möglicherweise steht ‚BKR‘ in einer Datenbank, die von den lokalen Behörden kommt, doch das kann auch einen anderen Ursprung haben.“
Facebook-Gruppe…
Sofie Barberien von der Raumordnungs- und Wirtschaftsbehörde der ostflämischen Gemeinde Evergem hat sich mit dieser Frage ebenfalls beschäftigt. Sie erzählte VRT NWS, dass sie eine Frage nach „BKR“ auch in einer Facebook-Gruppe bemerkt hatte: „Darum habe ich schon ein klein wenig recherchiert.“
Sie bestätigt auch, dass Google mit Daten lokaler Herkunft arbeitet: „Google gibt uns dann einen Code, mit dem wir den Orten Bilder, Öffnungszeiten oder andere Informationen hinzufügen können, doch dabei handelt es sich lediglich um kommunale Infrastruktur, wie Verwaltungs- oder Dienstleistungszentren und Sportanlagen. ‚BKR‘ als Dorf oder Weiler haben wir nicht hinzugefügt.“
Historische Landkarte aus dem Jahr 1777
Doch die Gemeindemitarbeiterin hat tiefer gesucht: „Auf der Ferraris-Karte von 1777 steht an dieser Stelle ein rotes Kreuz, dass einem Zeichen für eine Kapelle ähnelt, das aber ein bisschen anders aussieht. Doch dazu ist zusätzliche Information nicht zu finden.“
Als Ferraris-Karte wird ein topografisches Kartenwerk bezeichnet, das auf Initiative des österreichischen Generalleutnants Joseph Johann von Ferraris in den Jahren 1771 bis 1777 von den Österreichischen Niederlanden erstellt wurde, zu denen auch das heutige belgische Bundesland Flandern gehörte.
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Bei Facebook wird derweil eifrig geforscht. Hier wird unter anderem darüber spekuliert, dass hier ein Bunker aus dem Ersten Weltkrieg gestanden haben könnte. Roos de Muynck, Mitglied einer Facebook-Gruppe über die Gegend um Evergem, sagte, dass Familie von ihr früher an ihrem Wohnort auf eine Wiese schauen konnte, auf der ein solcher Bunker zu erkennen war.
Weiter erzählte Sie VRT NWS dazu: „Die Deutschen haben den hier als vorletzten Bunker einer Verteidigungslinie gebaut. Die Einwohner von Rieme nutzten ihn als Schutzort während der deutschen Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg. Danach hat hier noch eine Zeit lang ein Scherenschleifer gewohnt.“
Abriss trotz nahendem Denkmalschutz
In den Jahren danach wurde der Bunker nicht selten von Kindern ans Spielplatz genutzt. Doch im Jahr 1987 kam die Meldung, dass der Bunker abgerissen werden sollte. Damals wurde ein solches Bauwert kontrolliert gesprengt.
Roos de Muynck erzählt weiter dazu: „Zwei Wochen danach sollte der Bunker in die Denkmalschutzliste aufgenommen werden und hätte eigentlich nicht zerstört werden sollen. Aber so war das damals. Schade.“
Abkürzung für ein Gefängnis?
Roos de Muynck sagte, dass es sich bei dem Bauwerk nicht um einen „normalen“ Bunker gehandelt habe: „Er war größer als die anderen Bunker und hatte als einziger eine viereckige Form. Und er bestand aus einer anderen Steinform. Es könnte ein Bunker als Gefängnis gewesen sein.“
Und hier schaltet sich wieder Sofie Barberien von der Gemeinde Evergem ein: „Laut einiger Quellen war das in der Tat ein Gefängnis. Also könnte die Abkürzung ‚BKR‘ auch für ‚Burgerlijk Kerker Rieme‘ gestanden haben.“ Das bedeutet „Ziviler Kerner Riem“. Barberien ist inzwischen der Ansicht, dass „BKR“ auf diesen Bunker hinweist.
Doch wie gelangte diese Abkürzung dann auf Google Maps? „Vielleich stand die Abkürzung für den Bunker zuerst auf einer papierenen Landkarte als kommunale Infrastruktur und ist bei der Digitalisierung fälschlicherweise als Ortsname eingeführt worden“, so Sofie Barberien: „Ganz sicher werden wir wohl nie sein?“
