Seit 1942 sind in Belgien nicht mehr so wenig Kinder zur Welt gekommen, wie aktuell. Vor allem in der Brüsseler Hauptstadt-Region ist die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr recht deutlich gesunken und zwar um 5,1 % gegenüber 2022. Zum Vergleich: In der Wallonie war sie um 4,8 % und in Flandern um 1,5 % rückläufig, wie aus entsprechenden Zahlen des belgischen Statistikamtes Statbel ersichtlich ist.
Die Geburtenrate in Belgien ist so niedrig wie seit 1942 nicht mehr - Vor allem Brüssel ist betroffen
2022 kamen in Belgien rund 113.000 Kinder zur Welt. Im vergangenen Jahr wurden etwas mehr als 110.000 Geburten in unserem Land registriert. Das ist die niedrigste Zahl seit dem Kriegsjahr 1942, wie die belgischen Tageszeitungen De Standaard und Le Soir unter Berufung auf Zahlen von Statbel melden. Das bedeutet, dass die Geburtenrate in den vergangenen 10 Jahren um 12 % gesunken ist.
Der Demograph Patrick Deboosere von der flämischen Freien Universität Brüssel (VUB) erklärte gegenüber De Standaard, dass dies nicht zuletzt daran liege, dass Frauen ihre Kinder immer später bekommen und dass auch die Familien immer kleiner werden würden: „Das ist ein weltweiter Trend, der in den letzten 30 Jahren läuft.“ Viele junge Frauen würden heute länger studieren, als junge Männer, so Deboosere weiter: „Danach beginnen die Beziehungen, die Arbeit und die Karriere. Dies ist eine Erklärung dafür, dass das Verschieben der Familienplanung weltweit sichtbar ist.“
Spätere Geburten
In Belgien liegt das Durchschnittsalter bei Frauen für die erste Schwangerschaft bei 31,1 Jahren. In Brüssel liegt dieses Alter bei 32,3 Jahren, was im Vergleich mit den anderen Regionen wieder höher liegt: Wallonie 29,3 Jahre und Flandern 29,6 Jahre.
Eine der möglichen Erklärungen für diese (weltweite) Entwicklung ist auch die Verfügbarkeit von sozialen Einrichtungen, über die man Familie und Beruf vereinbaren kann, wie Demograf Deboosere weiter erklärt: „In Deutschland, wo es traditionell wenig Kinderbetreuung gab, sind die Fruchtbarkeitszahlen früher nach unten gegangen, als in Belgien.“
Weniger Kinder
Im Durchschnitt bekommen Frauen in Belgien auch weniger Kinder. 2022 bekam eine Frau in unserem Land 1,53 Kinder. Im vergangenen Jahr sank dieser Wert laut Statistikamt auf 1,47 Kinder. Auch hier liegen regionale Unterschiede vor – Brüssel: 1,36 Kinder für alle Nationalitäten und 1,26 Kinder bei Frauen mit belgischer Staatsbürgerschaft, Flandern 1,5 Kinder und Wallonie 1,48 Kinder.
Auffallend ist bei diesen Statbel-Werten, dass im Vergleich zwischen allen Bevölkerungsgruppen in Belgien lediglich Frauen mit einer ausländischen Nationalität in Flandern mit durchschnittlich 2,1 Kindern den statistischen Wert aufzeigen, der nötig wäre, die heutige Bevölkerungszahl aufrecht zu erhalten.
