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Die Belgier träumen von einer Rente ab 60, wissen aber, dass sie bis etwa 65 arbeiten müssen

Die Belgier würden am liebsten mit 60 Jahren in Rente gehen. Gleichzeitig sind sie sich dessen bewusst, dass sie bis mindestens 65 Jahre arbeiten müssen. Dies ist aus einer Untersuchung des Personaldienstleisters SD Worx ersichtlich. Vor 20 Jahren gingen die Beschäftigten in unserem Land noch davon aus, mit 56 in Rente gehen zu können…

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

HR-Dienstleister SD Works befragte rund 1.000 Arbeitnehmer in Belgien nach ihren Befindlichkeiten zum Thema Rente. Aus den Antworten auf die Fragen des Unternehmens ist deutlich, dass die Erwartungen an ein ideales und an ein erwartetes Rentenalter seit 2004 konstant nach oben gingen. Die Kluft zwischen diesen beiden Erwartungen blieb indessen etwa gleich. Diese Erwartungen sind allerdings unabhängig von den jeweils geltenden gesetzlichen Pensionsvorschriften.

Dass die Arbeitnehmer in Belgien davon ausgehen, dass sie wohl erst später als erhofft in Rente gehen können, liegt daran, dass die Politik seit Jahren immer wieder wiederholt, dass man eben länger arbeiten müsse. Bart Pollentier, Leiter des Kompetenzzentrums von SD Worx, unterstreicht aber auch, dass auch Unterschiede zwischen den Altersgruppen vorliegen, „vor allem auf Ebene des gewünschten Rentenalters. Je jünger eine Person ist, je früher wünscht sie, in Rente gehen zu können.“

Wer seinen Job mag, will auch länger arbeiten

Beschäftigte, die ihren Job mögen und sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, sind laut SD Worx auch dazu bereit, länger zu arbeiten. Befragte, die so reagieren, zeigen sich mit einer durchschnittlichen beruflichen Laufbahn von 30 Jahren zufrieden. Arbeitnehmer, die ihren Job nicht mögen und sich dort nicht wohlfühlen, wünschen sich nach 25 Jahren gehen zu können. Statistisch gesehen, dauerte eine berufliche Laufbahn in Belgien im Jahr 2020 im Durchschnitt 31 Jahre. Inzwischen entwickelt sich dies in Richtung 35 bis 40 Jahre, um eine vollständige Rente beziehen zu können.

SD Worx ist der Ansicht, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber daran arbeiten müssen, auch in „fortgeschrittenem Alter“ motiviert zu bleiben. Aktuell beläuft sich der Beschäftigungsgrad bei den 55- bis 66-Jährigen in Belgien auf 54,6 %. Doch um die sogenannte „Vergreisung“ der Bevölkerung finanzieren zu können, muss dieser Grad bis 2050 auf bis zu 70 % steigen, so Bart Pollentier. SD Worx basiert sich dabei auf Zahlen des Hohen Finanzrates.

Erst mit 67 in Rente?

SD Worx fand heraus, dass inzwischen auch jüngere Leute davon ausgehen, erst mit 65 Jahren in Rente gehen zu können. Das stimmt in etwa mit den gesetzlichen Vorgaben in Belgien überein. Ab dem kommenden Jahr steigt das Rentenalter offiziell auf 66 Jahre und ab 2023 kann man erst mit 67 seine Pension antreten.

Allerdings liegt das effektive Alter, in dem Arbeitnehmer in Belgien in Rente gehen können oder gehen, etwas unter den Vorgaben. Aus Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist ersichtlich, dass die meisten Belgier im Alter von 61 Jahren ihre Pension antreten. Nur in Frankreich und in Luxemburg liegt das effektive durchschnittliche Rentenalter noch niedriger als in Belgien. 

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