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Ist die belgische Fahne tatsächlich in Brüssel erfunden und genäht worden?

Angesichts des belgischen Nationalfeiertags (21. Juli) und des nahenden Jahrestags der Revolution gegen die Oranier am 25. August 1830 stellt die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ in ihrer Reihe „Big City“ die Frage, ob die Flagge unseres Landes tatsächlich in der späteren Hauptstadt entstanden ist. Damals gehörte die Region, aus der Belgien entstanden ist, noch zu den Vereinigten Niederlanden, doch das sollte sich ändern. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Am 25. August 1830 feierte Willem I., Prinz von Oranien, seinen Geburtstag mit nationalem Aufwand. Doch im Süden der Vereinigten Niederlande waren die Bürger nicht wirklich in Feierlaune. Ganz im Gegenteil. Hier lag Spannung in der Luft und dies nicht erst seit gestern.

Die Mentalitäten der Bürger im Norden und im Süden des Landes waren sehr unterschiedlich und kaum noch miteinander zu vereinbaren. Im Norden der Vereinigten Niederlande war man protestantisch und im Süden katholisch. Und die Bürger im Süden der Niederlande hatten ein Problem mit der hohen Arbeitslosigkeit, mit hohen Steuern und mit dem Hunger, dem dies zu Grunde lag.

Die Brüsseler Stadtverwaltung hatte es tunlichst unterlassen, in dieser Stimmung ein Geburtstagsfest zu Ehren des hier ungeliebten Prinzen von Oranien zu organisieren… Doch eine aufrührerische Oper sollte dafür sorgen, dass die Stimmung gänzlich umschlug.

"Die Stumme von Portici"

Die Aufführung der Oper „Die Stumme von Portici“ in der Brüsseler Münzschauburg fand statt und der aufrührerische Unterton dieses Werks (eine große Oper von François-Esprit Auber mit einem Libretto von Eugène Scribe und Germain Delauvigne) sorgte für erhitzte Gemüter. Sie erzählte die Geschichte der Revolution in Neapel und Portici im Sommer 1647.

Bei den Tönen des Duetts „L’amour sacré de la patrie“ begann der Saal zu kochen und die Zuschauer liefen nach draußen. Mehr und mehr Menschen schlossen sich diesen „Revolutionären“ an und richteten sich gegen alles, was auf die nördlichen Niederländer hinwies.

Sie hingen französische Flaggen auf, weil diese als Symbol für die Werte der dortigen Revolution galten, die unter der Herrschaft der Oranier deutlich eingeschränkt wurden.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Marie Abts-Ermens mit der ersten belgischen Fahne

Marie Abts-Ermens

Am Tag darauf, man schrieb den 26. August 1830, sahen die beiden Brüsseler Journalisten Edouard Ducpétiaux und Lucien Jottrand die französische Fahne am Großen Markt wehen und dies beunruhigte sie. Belgien sollte nicht wieder französisch werden, denn dies hatte auch nicht unbedingt immer für Friede, Freude, Eierkuchen gesorgt.

Beide wussten, dass sich unweit des Marktes ein Stoffgeschäft befand (in dem heute eine Filiale einer Sandwichbar-Kette betrieben wird). Sie gingen dorthin und fragten den Besitzer François Abts, ob denn seine Frau zuhause sei. Mari Ermens kam hinzu und es stand die Frage im Raum, ob man nicht vielleicht Stoffreste in 3 unterschiedlichen Farben habe. Das war der Fall in einem solchen Laden und die Farben waren schwarz, gelb und rot.

Zuerst horizontal

Die Farben hatten durchaus ihre Bedeutung: Schwarz stand für Ergebenheit, gelb für Reichtum und rot für Tapferkeit. Und dies erinnerte an die Tugenden der brabantischen Umstürze im Jahr 1789. Marie Abts-Ermens nähte die drei Stoffbahnen zusammen und die belgische Trikolore war geboren. Sie nähte damals sogar 2 Fahnen.

Allerdings sahen die damals noch nicht so aus, wie heute, denn sie war horizontal aneinandergenäht. Doch dies ließ im Laufe der kommenden Wochen und Monate zu sehr an die niederländische Flagge denken. 6 Monate später, beim Nationalkongress, sahen die neuen Fahnen anders aus. Sie wurden gedreht und die Farben bekamen eine neue Reihung.

Statt rot wurde die erste Farbe schwarz und die Flagge wurde senkrecht angeordnet. So bekam die belgische Farbe ihre endgültige Form.

Kaum bekannt

Marie Abts-Ermens starb am 11. September 1853 in ihrem Brüsseler Stoffladen. Sie wurde später mit 2 bronzenen Gedenkplatten (eine in Niederländisch und eine in Französisch) an der Ecke Grasmarkt/Heuvelstraat, wo sich heute eine Panos-Filiale befindet, geehrt (Foto unten).

Doch ihr Name taucht(e) in den Geschichtsbüchern kaum auf. Trotz der Tatsache, dass sie als Näherin direkt am Ursprung der ersten beiden belgischen Fahnen stand und dass sie damit eine wichtige Person in der belgischen Geschichtsschreibung sein müsste, kennt sie hier leider kaum jemand…

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