Wissenschaftler der Universität Gent (UGent) analysieren die Straftaten bzw. die Kriminalitätsstatistiken von 19 Polizeizonen im belgischen Bundesland Flandern. Im Rahmen des Projekts BIGDATPOL wird mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) versucht, Muster und Vorgehensweisen von Kriminellen zu entdecken. Damit könnte maßgeschneidert dabei geholfen werden, Straftaten vorauszusagen und zu vermeiden.
Die Uni Gent analysiert mithilfe von Künstlicher Intelligenz die Straftaten in 19 Polizeizonen in Flandern
Aufgrund dieser Untersuchung sollen die analysierten Polizeizonen mögliche Muster von Straftaten zur Verfügung gestellt bekommen. Die Vorbereitungen zu dieser Untersuchung laufen schon länger und das Team um den Kriminologen Wim Hardyns von der Genter Uni besuchte in den vergangenen Monaten alle 19 flämischen Polizeizonen, die an dem Projekt beteiligt sind.
Diese stellten den Wissenschaftlern ihre Kriminalitätsstatistiken zur Verfügung und die analysieren sie mit KI, wie Hardyns gegenüber VRT NWS erklärt: „Aktuelle Daten sorgen für die genauesten Voraussagen. Es liegt kaum strategisches Wissen über Kriminalität vor und eine große und gut ausgearbeitete Datenbank könnte einen enormen Fortschritt bringen. Dank dieser Daten können wir in Zukunft einschätzen, wo und wann Straftaten stattfinden sollen.“
Die Wissenschaftler um Hardyns können nicht vorhersagen, wer mögliche Straftaten begehen wird, denn in dieser Frage liegen ethische Bedenken vor: „Wir legen unseren Fokus auf Zeitpunkte und Orte, mit Respekt vor dem Schutz des Privatlebens und den Menschenrechten. Dies steht im Mittelpunkt unserer Untersuchung.“
Wir legen unseren Fokus auf Zeitpunkte und Orte, mit Respekt vor dem Schutz des Privatlebens und den Menschenrechten. Dies steht im Mittelpunkt unserer Untersuchung“
Wim Hardyns, Kriminologe (UGent)
Die Forscher teilen die zu untersuchenden Polizeizonen in Straßensektoren auf, die an die Datenanalyse gekoppelt werden: „Wir berücksichtigen auch, ob in der Nähe Bahnhöfe oder Cafés sind. In Gebieten, in denen es wenig Straßenbeleuchtung gibt, ist die Möglichkeit von Wohnungseinbrüchen größer. Und, das ist ebenfalls wichtig, auch Kriminelle bleiben lieber zu Hause, wenn es regnet.“
Ziel des Projekts ist, kriminellen Handlungen zuvorzukommen und zielgerichtet präventiv zu arbeiten. Deshalb konzentriert sich die Analyse auch auf bestimmte Risikogebiete: „Eine erste Testphase in der Polizeizone Zennevallei (Zennetal im Süden Brüssels und der Provinz Flämisch-Brabant (Red.)) war schon sehr ermutigend.“
Die beteiligten Polizeizonen können aufgrund der ersten Resultate der KI-Untersuchung ihrer Kriminalitätsstatistiken z.B. ihre Streifen anders organisieren. Sie werden die von der Genter Uni erstellten Modelle ein Jahr lang testen. Prof. Hardyns macht sich stark dafür, dass das Projekt innerhalb der nächsten 5 Jahre auf dem Punkt sein wird. Ist das Projekt in Belgien erfolgreich, soll es auch in anderen europäischen Ländern zur Anwendung kommen. Das Projekt wird mit EU-Mitteln finanziert.
