Der Antwerpener Bischof Johan Bonny (Foto) legt sein Amt als offizieller Ansprechpartner für Opfer von sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche in Belgien nieder. Dies meldet die flämische Tageszeitung Het Nieuwsblad. Bonny (69) hört auf, weil ihm diese Aufgabe inzwischen zu schwer wird: „Es geht hier nicht nur um Arbeitsstunden, sondern das hat auch einen direkten persönlichen Einfluss auf mich.“
Bischof Bonny zieht sich zurück: Belgiens Katholische Kirche braucht einen neuen Missbrauchsbeauftragten
Antwerpens Bischof Johan Bonny ist inzwischen 69 Jahre alt und ihm fallen die Aufgaben als Referent und als direkter offizieller Ansprechpartner für Opfer von sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche in Belgien immer schwerer, wie er am Donnerstagmorgen gegenüber VRT NWS erklärte: „Die Politik, die Medien, die Verhandlungen… Das ist eine große Aufgabe und das muss ich mit der Leitung eines so großen Bistums, wie dem von Antwerpen, kombinieren. Die Kraft für dieses Gesamtpaket, die habe ich nicht mehr. Das muss ich reduzieren.“
Im Gespräch mit Het Nieuwsblad sagte Bonny zuvor: „Ich war bereit, meine Aufgabe als Bischof von Antwerpen niederzulegen, um mich nur noch auf den Missbrauch zu konzentrieren, doch jetzt mache ich ernst. Ich stoppe mit einigen flämischen Aufgaben oder ich gehe unter.“
Emotional schwere Aufgabe
Die Aufgabe des Referenten für sexuellen Missbrauch in der Kirche wiegt auch emotional schwer auf das Leben des Geistlichen: „Es geht hier nicht nur um Arbeitsstunden, sondern das hat auch einen direkten persönlichen Einfluss auf mich. Das ist eine andere Sache als die, die man als Bischof leistet. Selbst mein Arzt sagt: ‚Hör auf damit, das macht sich kaputt‘.“
Trotzdem deutet Bischof Bonny an, weiter ein Ohr für die Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche zu haben, wenn auch nicht mehr in offizieller Form: „Die Botschaft lautet nicht, dass die Opfer nicht mehr willkommen sind. Es bleibt meine Priorität. Opfer, die ein Gespräch brauchen, stehen in meiner Agenda ganz vorne.“
Kontinuität gewähren
Die belgische Bischofskonferenz muss jetzt nach einem Nachfolger für Johan Bonny in diesem Amt suchen und Erzbischof Luc Terlinden wird dazu noch in diesem Sommer Konsultationen durchführen. Bonny rät dazu, die Aufgaben für einen Missbrauchsbeauftragten neu zu bewerten, „damit der, der diese Aufgabe bekommt, nicht nur ausreichend kompetent ist, sondern auch genügend Zeit und Energie hat, sich dafür einzusetzen.“
In seinem Fall lag sehr viel Arbeit nur auf seinen Schultern. So gehören neben der Führung des Bistums Antwerpen auch das katholische Bildungswesen und der Kontakt der Regierung innerhalb seiner Aufgaben zu seinen Befugnissen. Inzwischen verlautet aus Kirchenkreisen, dass Opfer sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche die Bischöfe ansprechen können. Man werde alles dafür tun, die Kontinuität zu garantieren.
