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Inland
Wirtschaft

Die turbulente Geschichte von Audi Brüssel

Anhand von TV-Archivbildern und einem Gespräch mit dem Mobilitätsexperten der Wirtschaftszeitung De Tijd, Bas Kurstjens, erklärt das Nachrichtenmagazin Terzake die lange und bedeutende Geschichte des Werks im Brüsseler Stadtteil Vorst. Aktuell ist eine Umstrukturierung des Werks geplant. 1.400 Beschäftigte sollen entlassen werden. Die Zukunft ist ungewiss.

Martina Luxen
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Aktualisiertupdate:
  • Am 7. April 1949 läuft in Vorst/Forest, ein Bezirk im Süden von Brüssel, der erste Studebaker vom Band. Amerikanische Traumautos, von Belgiern und für Belgier in dieser Brüsseler Fabrik gebaut.

  • Ein paar Jahre später folgt der Volkswagen Käfer, inzwischen ein Auto mit Kultstatus, Die Fabrik der Familie d’Ieteren dreht auf Volltouren. Mit 750 Arbeitern, die jeden Tag 75 Fahrzeuge produzieren.

Die Autofabrik wurde just zu dem Zeitpunkt gegründet, als das Auto als demokratisches Transportmittel in Umlauf kam, sagt Bas Kurstjens, Mobilitätsexperte bei der Wirtschaftszeitung De Tijd. In Brüssel wurde der Volkswagen Käfer gebaut: das Auto, mit dem jeder zweite Flame Autofahren gelernt hat. Kurstjens betont, dass dieses Automodell eine herausragende Rolle in der belgischen Automobilindustrie gespielt hat.

ANSEHEN
  • In den Goldenen 1960er Jahren will jeder ein Auto. Die Belgier kaufen den Käfer, den Kleinbus, den Passat oder noch den Volkwagen Golf. Alle diese Autos wurden bei Volkswagen in Vorst gebaut.

  • Ab den 1990er Jahren aber steckt die Autoindustrie in der Krise: Am 31. Juli 1997 wird das Renault-Werk in Vilvoorde geschlossen. 3.500 Leute verlieren ihren Job. 

Der Fall der Mauer eröffnet den Autobauern neue und billigere Produktionsstandorte. Die Lohnkosten waren damals noch ein entscheidender Faktor, weiß Kurstjens, sodass viele Firmen ihre Produktionsstandorte von Westeuropa nach Zentral- und Osteuropa verlagerten.

  • Im Jahr 2006 kündigt auch Volkswagen eine Umstrukturierung an. 4.000 Leute in Brüssel werden arbeitslos. Schlimmer noch: Zeitweise befürchtete man sogar die vollständige Schließung des Werks.

Das konnte in letzter Instanz verhindert werden, sagt Mobilitätsexperte Kurstjens: Das Werk hatte keinen guten Ruf. Es wurde viel gestreikt. Es ist schließlich dem damaligen belgischen Premier, Guy Verhofstadt, zu verdanken, dass die Fabrik weiterleben sollte. Verhofstadt setzte sich mit Roland d’Ieteren zusammen, dem größten Auto-Importeur in Belgien. Zusammen mit dem damaligen Werksleiter, den d’Ieteren noch aus Internatszeiten kannte, stampfte das Trio im Jahr 2007 Audi Brüssel aus dem Boden, ein Vorzeigewerk für elektrische Autos mit rund 3000 Beschäftigten.

Leider konnte der Q8 eTron zuletzt die Erwartungen nie erfüllen.

Aber ein viel größeres Problem ist die Kapazität bei Audi Brüssel, beschließt Kurstjens: "Es ist eines der kleinsten Werke im Volkswagen-Universum und kann höchstens 100.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren. Im Vergleich: Volvo in Gent erreicht mühelos 230.000 Fahrzeuge/Jahr. Tesla könnte sogar bis zu 1 Million Fahrzeuge herstellen. Ein Werk wie Audi Brüssel ist nicht mehr rentabel. In der heutigen Autoindustrie geht es um Kostenverteilung und Einsparungen, damit die Produktion der elektrischen Autos so günstig wie möglich ausfällt." 

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