Zum Hauptinhalt springen
Inland
Politik

Wer wird der oder die neue Vorsitzende der flämischen Liberalen Open VLD? Das sind die Kandidaten

Am Montag lief die Frist für die Einreichung von Vorsitz-Kandidaturen der Open VLD ab. In den letzten Stunden vor der Frist meldeten sich noch verschiedene Kandidaten. Nach Eva De Bleeker und Bert Schelfhout kündigte auch Frank François am Sonntag an, dass er bei dieser Wahl kandidieren möchte, und schließlich wurde am Montag Frédéric De Gucht in die Liste der Kandidaten für den Vorsitz der flämischen liberalen Partei aufgenommen. Insgesamt möchten sieben Open VLD-Mitglieder das Amt des Vorsitzenden übernehmen.

Jens Van Reet
Veröffentlicht:

Nach den schlechten Wahlergebnissen für Open VLD bei den Europa-, Bundes- und Regionalwahlen beschloss der Parteivorstand, auf die Suche nach einem bzw. einer neuen Vorsitzenden zu gehen. In den vergangenen Wochen reichten verschiedene Parteimitglieder ihre Kandidatur ein. Hier eine Übersicht:

Tineke Van hooland

Tineke Van hooland (45) war die erste, die sich als Kandidatin für den neuen Vorsitz von Open VLD beworben hatte. Van Hooland lebt in Oudenaarde (Ostflandern), wo sie seit 2019 Stadträtin ist. 2020 wurde sie zur nationalen Vorsitzenden von „Open VLD women“ gewählt.

Die wichtigsten Themen für Van hooland sind Wirtschaft, Ehtik und Unternehmertun. Sie möchte sich auf die Kommunalwahlen im Oktober konzentrieren, damit die Mitglieder „motiviert bleiben“. Auch möchte sie die Struktur der Partei überarbeiten.

Tineke Van hooland

Maurits Vande Reyde

Auch Maurits Vande Reyde (38) ist ein Kandidat. Er sitzt seit Jahren im flämischen Parlament und arbeitete lange Zeit hinter den Kulissen und war auch Vorsitzender von Jong VLD.

Im Parlament fiel Vande Reyde regelmäßig durch seine scharfen Interventionen auf. Er präsentiert sich als Obstruktionist, auch innerhalb seiner eigenen Partei. In den sozialen Medien macht er manchmal mit Kraftausdrücken auf sich aufmerksam. Vande Reyde möchte wieder eine klare liberale Linie verfolgen. Er schlägt daher ein ziemlich radikales Programm vor: Er plädiert zum Beispiel für die Abschaffung der Ministerkabinette, eine eigene Sozialversicherung für Neuankömmlinge und ein Ende aller Steuern über 25 Prozent.

Maurits Vande Reyde

Vincent Verbeecke

Vincent Verbeecke (29) möchte ebenfalls für den Vorsitz kandidieren. In den letzten Jahren war er Sprecher des flämischen Ministers Bart Somers und dessen Nachfolgerin Gwendolyn Rutten.

Verbeecke will die Partei „neu gründen“. „Es ist Zeit für eine grundlegende Überprüfung unserer Grundwerte, Strukturen und Strategien.“ Er will die Ortsverbände viel stärker in Entscheidungen einbinden. Für ihn sind die Clans - die politischen Familien innerhalb der Open VLD – „tot und begraben“. Inhaltlich sollte Open VLD seiner Meinung nach eine klare, wirtschaftlich rechte Linie verfolgen. „Meine Großmutter muss wissen, wofür Open VLD steht.“

Vincent Verbeecke

Bart Schelfhout

Bart Schelfhout (40) trat bereits im vergangenen Jahr als Kandidat für den Vorsitz an. Am Ende aber ernannte die Partei Tom Ongena. Schelfhout ist Open VLD-Spitzenpolitiker in Deerlijk (Westflandern). Er ist auch Unternehmer und war in den letzten Jahren in Teilzeit parlamentarischer Berater der flämischen Parlamentsabgeordneten Mercedes Van Volcem. Zwischen 2013 und 2015 war er auch Vorsitzender von Jong VLD.

Schelfhout is der Meinung, dass „der Innovation eine gründliche Chance“ gegeben werden soll. „Wir müssen die alte politische Kultur loswerden, die innerhalb von Open VLD vorherrscht." Er schlägt einen „Neuen Liberalen Vertrag" vor, den er nach Beratungen mit 180 Mitgliedern ausgearbeitet hat. Im Vertrag ist zu lesen, dass die Steuern und Staatsausgaben gesenkt werden sollen. Auch Emanzipation, Privatsphäre und das Recht auf Selbstbestimmung werden diskutiert.

Bart Schelfhout

Stefaan Nuytten

Stefaan Nuytten (60) aus Koksijde (Westflandern) war bereits einmal Kandidat für den Vorsitz. 2020 trat er gegen Egbert Lachaert an. Er gewann etwas mehr als 1 Prozent der Stimmen. Nuytten nahm in der Vergangenheit an Regional- und Kommunalwahlen teil, wurde aber nicht gewählt. Am 9. Juni stand er nicht auf einer Liste.

Nuytten glaubt, dass die Partei einen Krisenmanager braucht und sieht sich selbst als den perfekten Mann dafür. Er will eine Übergangsfigur sein, die die Dinge in Ordnung bringt.

Maxime Natus

Maxime Natus (32) ist Jurist und arbeitet seit mehreren Jahren in der Forschungsabteilung der Partei. Er ist im Vorstand des Ortsverbands in Sint-Truiden und wird bei den Kommunalwahlen im Oktober zum ersten Mal kandidieren. Natus möchte bald ein Manifest veröffentlichen, in dem er seine Vision für die Zukunft der Partei erläutern wird.

Er positioniert sich als wirtschaftsrechter Liberaler. Laut Natus gibt es innerhalb der Partei keine Diskussion darüber. Er ist der Meinung, dass sich Open VLD viel mehr auf den Schutz der Rechte und Freiheiten des Einzelnen konzentrieren sollte.

Eva De Bleeker

Nach langem Zögern gab die ehemalige Staatssekretärin für den Haushalt, Eva De Bleeker (49), am Sonntag in der VTM-Nachrichtensendung VTM NIEUWS bekannt, dass sie für den Vorsitz der Open VLD kandidiert. „Ich bin überzeugt, dass ich die Partei wieder auf Kurs bringen kann", sagte sie. „Ich weiß, wofür ich stehe, ich halte sehr an meinen Prinzipien fest."

Laut De Bleeker fehlt es den Liberalen jetzt an Glaubwürdigkeit. „Wir waren nicht in der Lage, unseren liberalen Akzent genug in die Regierung einzubringen. Wir haben in den ersten zwei Jahren gut regiert, aber als es um Reformen ging, waren wir nicht in der Lage, unsere Prinzipien ausreichend durchzusetzen", erklärte sie in der VTM-Sendung.

Die Regionalabgeordnete aus Flämisch-Brabant plädiert für einen neuen Namen für ihre Partei, präzisiert jedoch, dass dies im Moment keine Priorität hat. Ein Zusammenschmelzen von Open VLD und der Schwesterpartei MR aus der Wallonie, wie MR-Vorsitzender Georges-Louis Bouchez letzte Woche gesagt hat, würde nicht auf der Tagesordnung stehen.

Eva De Bleeker

Frank François

Frank François trat erst 2022 der flämischen liberalen Partei bei und hatte noch nie ein politisches Amt inne.

„Sowohl in Belgien als auch im Ausland sehen wir, dass die Menschen wirklich 'politisch müde' sind", schreibt er, um seine Kandidatur zu motivieren. "Denn die politischen Parteien sind sehr weit entfernt von der täglichen Realität, von den Herausforderungen, die es heute gibt. Weil es zu einem 'Spiel' von Egos, Persönlichkeiten, Ideologien und Parteien geworden ist."

„Mein sehnlichster und entschlossenster Wunsch ist, dass wir das jetzt ändern. Wir können es, mit neuen politischen Strukturen. Mit einer Politik, die auf Fakten, Wahrheit, Analyse und gut durchdachten Lösungen basiert", fügte er in dem Schreiben hinzu.

Frank François

Frédéric De Gucht

Der Vorsitzende der Sektion Brüssel-Stadt der Open VLD, Frédéric De Gucht, wurde als siebter und letzter Kandidat in die Liste für das Rennen um den Vorsitz aufgenommen.

Frédéric De Gucht ist Sohn des ehemaligen Parteivorsitzenden und EU-Kommissars Karel De Gucht und Bruder des ehemaligen Abgeordneten Jean-Jacques De Gucht, der am 9. Juni nicht wiedergewählt wurde. 

„Die Open VLD hat die schwerste Niederlage ihrer Geschichte erlitten. Die Partei braucht eine kristallklare Politik. Wir müssen zu den Grundlagen zurückkehren: komplizierte Dinge einfach machen, nicht umgekehrt. Wir brauchen einen Krisenmanager“, sagte der 42-jährige Unternehmer, der im vergangenen Jahr in die Politik eingestiegen ist. 

Wird sein Familienhintergrund ein Nachteil sein? „Ich kann nichts dafür. Ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen. Das bedeutet nicht, dass ich meinen Vater und meinen Bruder nicht sehr schätze. Ich hatte immer gesagt, dass ich keine Politik machen würde, aber jetzt kann ich nicht mehr nur zuschauen", sagte er.

Frédéric De Gucht

Ein erster Wahlgang findet am 17. August statt. Wenn keiner der Kandidaten 50 Prozent der Stimmen erreicht, wird am 24. August eine zweite Runde organisiert.

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5