Das Koordinationsorgan für Bedrohungsanalyse (OCAD) lässt wissen, dass die Möglichkeit eines Anschlags in Belgien ernst bleibt. In Belgien gilt die Terrorwarnstufe 3 seit Oktober 2023, als ein radikaler Islamist in Brüssel zwei schwedische Fußballfans erschossen hatte. Im Rahmen der Bedrohungsstufe 3 ist die Polizei sehr wachsam und es können zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für bestimmte Events oder Orte erlassen werden.
Die Terrorwarnstufe bleibt in Belgien bis voraussichtlich nach dem Sommer auf Stufe 3
Das OCAD bleibt bei Terrorwarnstufe 3 aufgrund seiner aktuellen Analyse der Sicherheitslage in Belgien. Die eingehenden Meldungen zu möglicher terroristischer Bedrohung werden dabei ebenso analysiert und eingestuft, wie die Art der Akten zu Terrorangelegenheiten bei Justiz, Polizei oder Nachrichtendiensten.
Hinzu kommt noch die Analyse von Veranstaltungen im Land mit der Frage, ob diese Ziel von Anschlägen sein könnten. Nicht zuletzt reagiert das OCAD auch auf Ereignisse im geopolitischen Kontext, wie z.B. dem Gaza-Konflikt zwischen Israel und der islamistischen Terrorgruppe Hamas oder auch einer möglichen Eskalierung des Konflikts zwischen den Israelis mit der Hisbollah an der Grenze zum Libanon (eine direkte Folge des Gaza-Krieges).
Im Jahresbericht 2023 des Koordinationsorgans für Bedrohungsanalyse sind 332 Meldungen zu möglicher Bedrohung oder zu Extremismus aufgeführt.
Bedrohung aus verschiedenen und nicht immer klaren Richtungen
Das entspricht einem Anstieg um 41 % gegenüber 2022. Immer öfter ist undeutlich, aus welcher Richtung eine solche Bedrohung kommt. „Nur“ bei 4 von 10 Vorgängen konnte die Ideologie im Hintergrund genauer eingerahmt werden, wobei die Bedrohung aus islamistischen Kreisen an stärksten bleibt (Islamismus 7%, Rechtsextremismus 5 %, Anti-Establishment 3 %, Linksextremismus 1 %).
„Die Motive der Täter sind vager und diverser geworden. Die Tatsache, ob oder wann jemand zur Tat schreitet, ist immer ein individueller Prozess, bei dem Ideologie, Propaganda oder ein Copycat-Effekt eine Rolle spielen.
Täter verbinden sich nicht immer mit einer Terrorgruppe, sondern sind eifrige Annehmer dessen, was ihnen im öffentlichen Raum begegnet“, so OCAD-Direktor Gert Vercauteren. Doch auch persönliche Gründe spielen eine Rolle, wie psychische Probleme oder ein symbolisches Ereignis, das als Katalysator fungiert.
Die Terrorwarnstufen in Belgien
"Stufe 1 oder GERING", wenn sich zeigt, dass die Person, die Gruppierung oder das Ereignis, das Gegenstand der Analyse ist, nicht bedroht ist,
"Stufe 2 oder MÄSSIG", wenn sich zeigt, dass die Bedrohung gegen die Person, die Gruppierung oder das Ereignis, das Gegenstand der Analyse ist, wenig wahrscheinlich ist,
"Stufe 3 oder ERNST", wenn sich zeigt, dass die Bedrohung gegen die Person, die Gruppierung oder das Ereignis, das Gegenstand der Analyse ist, möglich und wahrscheinlich ist,
"Stufe 4 oder SEHR ERNST", wenn sich zeigt, dass die Bedrohung gegen die Person, die Gruppierung oder das Ereignis, das Gegenstand der Analyse ist, ernst zu nehmen ist und nahe bevorsteht.
