Zum Hauptinhalt springen
Jurgen De Landsheer, der Korpschef der Polizeizone Brüssel-Süd, im VRT-Radiostudio
Inland
Justiz

Drogengewalt in Brüssel: Prävention? Bessere Koordination zwischen allen betroffenen Bereichen?

Um gegen die Drogengewalt in Brüssel vorzugehen, dürfe man nicht nur auf Polizei und Justiz schauen. Man brauche eine von der breiten Gesellschaft getragene Prävention gegen Drogengebrauch und eine Begleitung der „schwachen Schalter“. Das sagte Jurgen De Landsheer, der Korpschef der Polizeizone Brüssel-Süd, in der in der Nacht zum Donnerstag 2 Menschen bei einem Angriff mit einem Sturmgewehr auf einer Caféterrasse getötet wurden. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die Opfer des Angriffs auf eine Kneipe in der Nähe des Brüsseler Südbahnhofs in der Nacht zum Donnerstag waren wohl zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Doch Polizei und Justiz gehen davon aus, dass die tödlichen Schüsse mit der Drogenkriminalität in der belgischen Hauptstadt zu tun haben. Möglicherweise besteht hier sogar ein Zusammenhang mit der umfassenden Polizeiaktion gegen eine Drogenbande, die in Brüssel und in Marseille aktiv war, im Peterbos-Viertel in Anderlecht. Dabei wurden in Belgien und in Frankreich insgesamt 19 Verdächtige festgenommen.

Zonenchef Jurgen De Landsheer sagte dazu gegenüber VRT NWS: „Momentan sind wir im Kampf gegen die Drogenbanden gut dabei. Das hat Folgen und sorgt für Instabilität. Im Drogenmilieu sucht man dann nach Lecks und nach Fehlern. Bei solchen Polizeiaktionen verlieren sie einiges an Geld und an Drogen.“ 

Schwachstellen in der Gesellschaft

Der Korpschef aus Brüssel-Süd ist aber der Ansicht, dass man breiter schauen sollte und besser mehr auf Prävention setzen sollte: „Drogenkonsum und der Impakt davon auf die Drogengewalt und die Folgen davon auf der Straße sind miteinander verlinkt. Solange es ein Nachfrage gibt, bleibt das Angebot bestehen.“

Hinzu kommen für De Landsheer auch andere Effekte, wie Obdachlosigkeit und illegale Einwanderung und die Situation rund um die beiden betroffen Bahnhöfe Brüssel-Süd und -Nord: „Die schwachen Schalter in unser Gesellschaft, die Leute, die hier illegal sind, werden in der Nähe des Bahnhofs untergebracht. Damit schafft man eine Art Arbeitsamt für die Drogenbanden. Wenn wir jemanden festnehmen, finden sie dorr schnell jemanden, der für 150 € auf der Straße dealen geht und dabei eigentlich sein Leben riskiert.“ 

Mehr Befugnisse für den (neuen) Brüsseler Ministerpräsidenten?

Indessen sagt Belgiens scheidende Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V), dass der nächste Brüsseler Ministerpräsident eine breitere Befugnis erhalten sollte, um gegen die Drogenkriminalität in der Hauptstadt-Region vorzugehen. Dieser soll die in dieser Sache zuständigen Ebenen besser koordinieren. Gegenüber VRT NWS deutete sie am Donnerstagabend an, dass dies gesetzlich möglich sei, bisher jedoch nie angewandt wurde.

Die scheidende Innenministerin verwies in einer Reaktion auf die tödlichen Schüsse im Brüsseler Süden einmal mehr auf die lokale Ebene in der Hauptstadt: „Die lokalen Behörden müssen ihre Verantwortung übernehmen.“ Doch gerade da drückt der Schuh. Noch am Donnerstag sagte Jean Spinette (PS), der Bürgermeister von Sint-Gillis, der für seine Brüsseler Gemeinde ein internationales Statut und auch mehr Ordnungskräfte für die Umgebung des Südbahnhofs fordert: „Das kleine Sint-Gillis mit seinen lokalen Polizeieinheiten kann diese Probleme nicht alleine lösen.“  

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5