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Der Brüsseler Justizpalast ist zumindest von vorne gesehen eine ewige Baustelle

Brüsseler Bau- und Architkturgeschichte: Wer war der "Skieven Architek"?

Die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ erzählt in ihrer Reihe „Big City“ Geschichten rund um die belgische Hauptstadt, wobei auch Fragen von Lesern beantwortet werden. Einer wollte wissen, wer denn der “Skieven Architek“ sei. Dazu muss man in die Geschichte der Architektur in Brüssel zurückgehen und dabei kommt man bei Joseph Poelaert aus. Den nannte man den “Skieven Architek“, was so viel wie „Schiefer Architekt“ heißt. Man ahnt schon, dass sich hier jemand ziemlich unbeliebt gemacht hat… 

Andreas Kockartz
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Viele Architekten drückten der belgischen Hauptstadt Brüssel ihren Stempel auf und dadurch ist diese Stadt auch eine Art permanentes Museum. Einer dieser Architekten war Joseph Poelaert. Dieser Meister der Architektur baute z.B. die Münz-Oper, die Kongresskolonne, die Sankt-Katharinenkirche und den Justizpalast (die ewige Baustelle). Und hier liegt der Hase im Pfeffer…

Nach der Unabhängigkeit Belgiens im Jahr 1833 brauchte auch dieses junge Königreich monumentale Architektur, die das Land irgendwie auf die Landkarte Europas setzen sollte. Einer der dazu geeigneten Architekten war der in Brüssel geborene Joseph Poelaert, der rasch das Vertrauen von König Leopold I. gewinnen konnte. Er überzeugte mit architektonischen Spielereien mit ägyptischen, byzantinischen, römischen und auch griechischen Stilelementen und konnte so die eklektische Ästhetik in Belgien einführen.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Der monumentale Brüsseler Justizpalast

Der Justizpalast

Weithin sichtbar in Brüssel ist bis heute der monumentale Justizpalast, der auch als ewige Baustelle in die Analen der Baugeschichte eingehen wird (wenn er nicht dort jetzt schon unter diesem Kennzeichen verankert ist). 1860 wurde Joseph Poelart in die Jury eines internationalen Architekturwettbewerbs für den Bau eines Justizpalastes berufen, der seinesgleichen suchen sollte. Doch nach 2 Jahren ergebnislosen Diskussionen in diesem Gremium legte Poelaert einen eigenen Entwurf vor. Sein Justizpalast sollte auf dem Galgenberg (nomen est omen) entstehen.

Für den Bau war ein Grundstück notwendig, das mindestens 4,63 Hektar groß war. Allerdings gab es dort ein kleines Problem. Die Umgebung des Galgenberges war bewohnt, denn hier gab es das Stadtviertel Bovendael, ein Teil der Marollen. Dieses wurde geräumt und wer sich nicht enteignen lassen wollte, der wurde zwangsenteignet und bekam eine Wohnung im Viertel „De Kat“ in der Gemeinde Ukkel.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Die Marollen liegen quasi unter dem Justizpalast

Böse "Marolliens"

Fortan gehörte Joseph Poelaert in den Marollen zu den unbeliebtesten Zeitgenossen überhaupt. Hinzu kam, dass sich der streitbare Architekt mit vor allem britischen Ingenieuren umringte und diese nannten ihn „Chief Architekt“. Das kam den abgeschobenen Einwohnern der Marollen zu Ohren und sie verballhornten dies durch „Skieven Architek“ (Brüsseler Dialekt für „Schiefer Architekt“).

Dieser Schimpfname geht den Bewohnern der Marollen und vieler anderer Brüssel eigentlich bis heute noch über die Zunge. Dort hieß sogar eine typisch Brüsseler Kneipe „Skieven Architek“, doch nach dem Tod des Betreibers im Jahr 2013 schloss diese und wure nicht mehr übernommen…

Der Justizpalast gehört heute zur Skyline Brüssels und er ist auch ein Symbol für einen Stararchitekten, der unsterblich werden wollte, auch, wenn dafür zahlreiche Menschen weichen mussten. Im Brüsseler Dialekt hält sich der Ausdruck „Skieven Architek“ noch immer. Heute steht er aber eher für einen „Taugenichts“. 

So sah es in den Marollen vor dem Bau des Justizpalastes aus
Der Vossenplein in den Marollen - Jeden Tag Flohmarkt

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