Auch in Belgien, vor allem in Brüssel, werden Kinder und Jugendliche aus Nordafrika und aus Afghanistan von Menschenschmugglern zum Drogenhandel gezwungen. Davor warnt die belgische Bundespolizei, wie die flämischen Tageszeitungen De Standaard und Het Nieuwsblad am Montag schreiben. Nicht selten verschwinden solche unbegleiteten Minderjährigen auch in Belgien.
Zu kriminellen Handlungen gezwungen: Machen sich Schleuser in Brüssel auch des Menschenhandels mit Minderjährigen schuldig?
Menschenschmuggler versprechen minderjährigen Jugendlichen vor allem aus Marokko und aus Afghanistan in Europa ein besseres Leben. Doch sobald diese jungen Leute in Belgien angekommen sind, werden sie zu kriminellen Handlungen gezwungen und hier nicht selten zum Drogendealen. Wer hier nicht spurt, der bekomme es mit Gewalt zu tun, so die belgische Polizei.
Das Phänomen beobachtet die Polizei in unserem Land besonders deutlich seit der Coronazeit, so An Berger, die Sprecherin der belgischen Bundespolizei am Montag gegenüber VRT NWS: „Seit der Coronakrise sieht die Polizei, wie Menschenschleuser mehr und mehr online in Ländern wie Marokko und Afghanistan rekrutieren. Sie werden bei ihrer Reise nach hier vergewaltigt und das wird gefilmt. Dann drohen die Schleuser, dass sie diese Bilder den Familien der jungen Männer schicken, wenn sie nicht tun, was von ihnen verlangt wird.“
Traumatische Erfahrungen
Die Minderjährigen müssen dann Diebstähle begehen oder Drogen dealen und selbst werden sie mit Drogen beruhigt und gefügig gemacht. Die Organisation Minor Endakoo fängt solche unbegleitete Minderjährige auf und versucht deren Vertrauen zu gewinnen. Nicht selten erzählen sie dann von traumatischen Erlebnissen.
An Berger von der Bundespolizei sagt, dass die Polizisten diese Jugendlichen nicht als Täter sondern als Opfer ansehen und sie wollen vermeiden, dass gerade solche jungen Leute in der kriminellen Hierarchie aufsteigen und später selbst rekrutieren: „Oft erzählen die Jugendlichen, dass es nicht genügend Aufnahmestellen für sie gebe, wo sie Schutz finden können und wo man sie vor den Drogen- und Schleuserbossen beschützen kann.“ Bei der Polizei spricht man von einer „unsichtbaren Form des Menschenhandels mit Kindern.“
Laut dem Kinderschutzbund und Kindersuchwerk Child Focus verschwinden alleine in der Brüsseler Region jährlich mehr als 300 zumeist illegal in Belgien eingereiste nicht begleitete Minderjährige, von denen wohl die meisten in der Kriminalität oder in der Prostitution landen.
