Der Windelhersteller Ontex will fast die Hälfte seiner Arbeitsplätze in Belgien streichen. Konkret geht es um 489 Arbeitsplätze in Eeklo und Buggenhout (Provinz Ostflandern). Der Standort Eeklo soll sogar ganz geschlossen werden. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Produktionskosten in Belgien "deutlich höher" sind als bei der Konkurrenz in anderen Ländern.
Windelhersteller Ontex will fast 500 Arbeitsplätze in Eeklo und Buggenhout streichen: zu hohe Produktionskosten in Belgien
Die Unternehmensleitung von Ontex hat auf einem Sonderbetriebsrat die Absicht angekündigt, “die belgischen Produktions- und Vertriebsaktivitäten umzustrukturieren". Die Produktionsstätte in Eeklo (unten) soll stillgelegt und alle 349 Arbeitsplätze gestrichen werden. Die dort hergestellten Damen- und Babypflegeprodukte sollen in andere europäische Ontex-Werke verlagert werden.
Darüber hinaus soll der Standort Buggenhout, der sich auf die Forschung, Entwicklung und Produktion von mittleren und schweren Inkontinenzprodukten zugespitzt hat, eine neue Bestimmung erhalten. Dort stehen 140 der 528 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Ontex verspricht jedoch auch 40 Millionen Euro an Investitionen. Ziel ist es, die Produktion in Buggenhout deutlich zu modernisieren und zu automatisieren.
Die leichten Inkontinenzprodukte, die bisher dort hergestellt wurden, werden in ein anderes Werk in Europa verlagert. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie der kaufmännische Bereich, einschließlich Vertrieb und Kundendienst, sollen jedoch erhalten bleiben.
Hohe Produktionskosten
Ontex kämpft seit mehreren Jahren mit hohen Kosten und Rohstoffpreisen. Anfangs versuchte das Unternehmen, dem durch Einsparungen und Preiserhöhungen entgegenzuwirken, jedoch mit wenig Erfolg. Vor etwa 2 Jahren fasst das Unternehmen den Entschluss, sich schrittweise zu verkleinern und sich ganz auf den amerikanischen und europäischen Markt zu konzentrieren.
Ontex kam auch zu dem Schluss, dass die Produktionskosten in Belgien deutlich höher sind als in den Ländern der Wettbewerber.
Jonas Deroo, Personaldirektor bei Ontex weist darauf hin, dass Ontex das einzige Unternehmen in seinem Sektor ist, das in Belgien produziert. "Wir glauben, dass dies weiterhin möglich ist. Aber wir müssen diese Maßnahmen ergreifen, um in die Zukunft zu investieren. Leider hat das auch Auswirkungen auf die Beschäftigung.
Das Eeklo-Werk erlangte 2020 landesweite Bekanntheit, als es mitten in der Corona-Pandemie bekannt gab, dass es eine große Produktionslinie für chirurgische Mundschutzmasken in Betrieb genommen hatte. Ziel war die Herstellung von 80 Millionen Mundschutzmasken pro Jahr. Letztlich war dieses Projekt nicht von langer Dauer.
"Wir sind uns bewusst, dass dies eine schwierige Ankündigung für unsere Mitarbeiter in Eeklo und Buggenhout und ihre Familien ist", so Deroo weiter. "Wir wollen auch einen konstruktiven und respektvollen Dialog mit unseren Sozialpartnern führen."
Wenn der Umstrukturierungsplan vollständig umgesetzt wird, würden bei Ontex in Belgien, insbesondere in Buggenhout und am Hauptsitz in Aalst, 569 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 7.200 Mitarbeiter in 17 Ländern.
