In den Wochen vor den Wahlen wurde heiß über den Wahlausgang spekuliert. Die Umfragen sagten einen klaren Sieg für Vlaams Belang voraus. Jetzt wissen wir, dass die N-VA stärkste Kraft wurde. Warum lagen die Umfragen falsch?
Ende Februar gaben VRT NWS und die flämische Zeitung De Standaard die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Umfrage bekannt. Sie waren eindeutig: Vlaams Belang lag mit 27,8 Prozent weit vorne, gefolgt von N-VA mit 18,9 Prozent. Der Trend wurde auch in zahlreichen anderen Umfragen bestätigt. Selbst die letzte Umfrage von DPG Media, nur 3 Tage vor den Wahlen, kam zu einem mehr oder weniger gleichen Ergebnis.
Inzwischen kennen wir die offiziellen Ergebnisse und die N-VA steht unerwartet an der Spitze, dicht gefolgt vom Vlaams Belang. "Die Umfragen waren sowohl falsch als auch richtig", sagt John Lievens, Professor für Statistik an der Universität Gent, in De Wereld Vandaag in Radio 1.
"Das große Problem bei Umfragen ist, dass es schwierig ist, die Wahrheit zu überprüfen. Zumal man nicht wirklich weiß, wer an solchen Umfragen teilnimmt. Außerdem gibt es immer eine Fehlerspanne, was es sehr schwierig macht, zu erkennen, welche Partei tatsächlich die größte ist."
Verzerrungen
Das Problem ist oft die Qualität der Stichprobe. "Man bekommt oft Umfrage-Ergebnisse, die auf Bürgern basieren, die sich explizit für die Teilnahme an den Umfragen anmelden. Diese sind sehr oft nicht repräsentativ für die gesamte Bevölkerung. Deshalb gibt es manchmal Überraschungen, wenn die Wahlergebnisse bekannt werden."
Dennoch liegen die Umfragen nicht ganz falsch. Es wurde korrekt vorhergesagt, dass Vlaams Belang und Vooruit kräftig zulegen und Open VLD und Groen die „roten Laternen“ werden würden. "Eine Verzerrung bleibt manchmal von Umfrage zu Umfrage gleich. So kann man Tendenzen beobachten", erklärt Lievens.
Panik
Den Grünen (Groen) drohte laut den letzten Umfragen vor der Wahl ein Wahldesaster. Dass die Partei unter die Fünf-Prozent-Hürde fallen würde, schien plötzlich eine Möglichkeit zu sein. In einem Video auf Instagram mit den Spitzenkandidaten war die Botschaft klar: "Groen braucht euch."
"Umfragen sind eine soziale Tatsache, und die politischen Parteien werden sich anhand der Ergebnisse positionieren", sagt Lievens. "Auch wenn es ernsthafte Vorbehalte gegen den Wahrheitsgehalt gibt.“
"Forschungen zeigen, dass sich 20 Prozent der Wähler in letzter Minute entscheiden", fährt Lievens fort. "Manchmal sogar in der Wahlkabine selbst. Das ist eine sehr große Gruppe, die einen Einfluss auf die Endergebnisse haben kann und die in den Umfragen unter den Teppich gekehrt wird. Darüber hinaus ist es nicht unwahrscheinlich, dass die spät entscheidenden Bürger auch von den Umfragen beeinflusst werden."
