„Die Wallonie dreht nach rechts”, schreiben französischsprachige Zeitungen über die Ergebnisse nach den Landes-, Bundes- und Europawahlen in Belgien. Georges-Louis Bouchez, Chef der französischsprachigen Liberalen (MR) (Foto, oben links), Maxime Prévot, Chef der französischsprachigen Christlichsozialen Les Engagés (oben rechts) und Bart De Wever, Chef der flämischen Nationalisten, N-VA sind im Wahlkampf Risiken eingegangen, und das hat sich gelohnt, so der Kommentar in den Zeitungen.
Die französischsprachigen Zeitungen nach dem Superwahlsonntag: “Es hat sich etwas verändert im Königreich Belgien”
Le Soir: „Bouchez und De Wever haben meisterlich gespielt“
„Der Triumph von Georges-Louis Bouchez, der Sieg von Bart De Wever“, titelt Le Soir. Der 9. Juni 2024 wird als der Tag des Triumphs von Georges-Louis Bouchez in die Geschichte eingehen. Der Triumph eines Mannes, nicht der einer Partei oder Ideologie. Er wollte die Liberalen zur größten Partei im französischsprachigen Sprachgebiet machen. Ein Ziel, das selbst innerhalb seiner Partei als verrückt galt.
Aber es ist vollbracht: Bouchez hat die große Wende vollzogen und den die seit Jahrzehnten regierenden Sozialisten abgeschlagen.
Die Zukunft des Belgiens wird nun von einem Flandern mitgestaltet, das sich nicht von der extremen Rechten unter Druck setzten lässt. Wenn der Vlaams Belang nicht die erste Partei im Norden ist, verdanken wir das dem unglaublichen Talent und dem Mut von De Wever, der nun das flämische und belgische Schicksal in seinen Händen hält.
L’Echo: „Mehrere Optionen, aber nicht einfach“
Das Schlimmste wurde verhindert, schreibt Chefredakteur Paul Gérard: “Nach den Wahlen besteht eine Möglichkeit, eine Mehrheit ohne die extremistischen Parteien zu bilden.”
In der Wallonie hat Georges-Louis Bouchez gewonnen, eine Meisterleistung. Auch Maxime Prévot wird gelobt: Seine gründliche Überarbeitung der alten CDH hat die zentristische Partei wieder in den Sattel gebracht. Da sich die CD&V in Flandern behauptet, ergeben sich daraus durchaus Chancen. Die Mitte-Rechts-Partei ist aus diesen Wahlen gestärkt hervorgegangen, und es sind mehrere Optionen denkbar. Aber da die N-VA die Autonomie und die (flämische) Selbstbestimmung von Anfang an ganz oben auf ihre Prioritätenliste gesetzt hat, wird es nicht einfach werden.
La Libre: blaue Welle, gelber Damm
La Libre hat die beiden Vorsitzenden der größten Parteien in Belgien, Bouchez und De Wever, auf seiner Titelseite abgebildet und titelt: „Eine blaue Welle in der Wallonie und in Brüssel, ein gelber Damm in Flandern.”
Der liberale Georges-Louis Bouchez (MR) hat in der Wallonie und in Brüssel eine Trendwende herbeigeführt, indem seine Partei die Parti socialiste überholt hat. Der Sieg der Rechten im französischsprachigen Sprachgebiet ist Bouchez und seinem riskanten, aber effektiven Schachzug zu verdanken. “Einer gegen alle”: Für Bouchez und die MR ging diese Losung auf, so La Libre.
Les Engagés waren die anderen großen Gewinner der Wahlen in der Wallonie. Die Partei von Maxime Prévot nutzte ihre Neupositionierung, die Persönlichkeit und den Ehrgeiz von Prévot voll aus, um die PS von der Pole Position zu verdrängen.
Der Architekt des Erfolgs gegen Vlaams Belang aber ist De Wever, so die französischsprachigen Zeitungen auch.
