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Brüssel und sein öffentlicher Nahverkehr - Die regionale Verkehrsgesellschaft spricht von Erfolg

Die regionale Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB veröffentlichte kürzlich ihren Jahresbericht und ihre Voraussichten und Pläne für die Zukunft. Stolz ist man hier über ein erweitertes Straßenbahnnetz (die neue Linie 10) und darauf, bis 2035 den gesamten Busfuhrpark zu elektrifizieren. Doch es gibt auch Probleme, z.B. den Bau der Metrolinie 3, der inzwischen auch innerhalb der noch amtierenden Koalition für Diskrepanzen sorgt.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

2023 hat die Brüsseler Verkehrsgesellschaft MIVB 375,8 Millionen Fahrgäste befördert, 11 % mehr als im Jahr davor. Alle Fahrzeugtypen zusammen (Busse, Straßenbahnen und die Metrozüge) legten letztes Jahr 53,5 Millionen Kilometer zurück, 750.000 km mehr als 2022. Und die Einnahmen stiegen innerhalb eines Jahres um rund 10 % auf gut 291 Mio. €. „Die MIVB kann sich dank einem strengen Umgang mit den Mitteln mit einem gesunden Haushalt in einem schwierigen wirtschaftlichen Klima brüsten,“ so CEO Brieuc de Meeûs. 

Weiter in das Brüsseler Nahverkehrsnetz investieren

Die MIVB will in Zukunft weiter am Ausbau des Netzes arbeiten. Bis 2035 sollen weitere 40 km Tramgleise hinzukommen. Dazu gehört auch, dass jüngst die Baugenehmigung für die neue Tramlinie 15 beantragt wurde, die die Metrostation Belgica mit dem Nordbahnhof verbinden soll, von wo aus sie mindestens noch bis zum Zentralbahnhof verlängert werden soll.

Zudem erwarb die Verkehrsgesellschaft in der Gemeinde Anderlecht ein Baugrundstück, wo ein neues Tramdepot errichtet werden wird. Dorthin soll ebenfalls eine neue Straßenbahnlinie führen, die bisher als Linie 49 projektiert ist. Ganz nebenbei bestellte die MIVB gerade 70 neue elektrische Busse. Bis ebenfalls 2030 soll die gesamte Busflotte elektrifiziert werden, so der ambitionierte Zukunftsplan von CEO De Meeûs.

Die Tramlinie 10 ist (fast) fertig

Inzwischen sind die Bauarbeiten für die neue Tramlinie 10, die ab September 2024 Neder-Over-Heembeek (wo sich u.a. das Militärhospital mit seiner renommierten Klinik für Brandverletzte befindet) mit dem Brüsseler Stadtzentrum verbinden wird, fast abgerundet. Entlang dieser Linie werden zahlreiche Anschlüsse zu anderen Linien (Tram, Bus, Metro) angeboten. Bisher ist dieser Brüsseler Ortsteil mit eben dieser wichtigen Klinik ÖPNV-mäßig nicht gut angebunden. Das wird sich bald ändern.

Die Linie 10 wird übrigens teilweise die Linie 3 ersetzen. Sie folgt in etwa der gleichen Route in der Stadt, wird aber an den jeweiligen Endpunkten verlängert. Die Linie 3 wird dann wegfallen. Insgesamt kommen zur ehemaligen Linie 3 10 neue Haltestellen hinzu. 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Mittelfristig soll die MIVB-Busflotte auf E-Busse umgestellt werden

Problem Metrolinie 3

Der Bau der Metro 3 steht derzeit unter keinem guten Stern. Durch geologische Probleme im sumpfigen Brüsseler Untergrund liegen derzeit sowohl der Bau der Nord-Süd-Achse still, als auch der nördliche Trakt zwischen Nordbahnhof, Schaarbeek und Evere. Am südlichen Teil der Baustelle ist die Umgebung des Südpalastes davon betroffen. Die Brüsseler Regionalregierung hat sich darauf einigen können, dass die Geschäftsleute dort entschädigt werden und dass deren Umsatzverluste kompensiert werden. Dafür sind Mittel in Millionenhöhe vorgesehen. 

Diese Probleme sind nur schwer lösbar. Inzwischen belaufen sich die Schätzungen für das Gesamtbudget auf 4,5 bis 4,6 Mia. €. Brüssels regionale Mobilitätsministerin Elke Van den Brandt von den niederländischsprachigen Grünen (Groen) hält an dem Projekt fest, weiß aber auch, dass die Finanzierung der weiteren Arbeiten nicht gesichert ist.

Ihr Koalitionskollege, Brüssels Umweltminister Alain Maron von den frankophonen Grünen (Ecolo) hingegen stellt sich die Frage, ob die Erweiterung des Metronetzes unter diesen Voraussitzungen noch sinnvoll ist. Es sei kein Geld dafür da, so Maron erst kürzlich gegenüber dem frankophonen Nachrichtensender LN24: „Es ist kein Budget da, um die Metro zu bezahlen. (…) Ich glaube nicht, dass Brüssel die Mittel hat, um 4,6 Mia. € für eine Metrolinie zu bezahlen.“ 

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