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B-FAST: Seit 20 Jahren ein Label für Hilfe und Rettung bei Katastrophen

Retten und helfen: 20 Jahre B-FAST im Einsatz bei Katastrophen

B-FAST, die belgische Interventions-Struktur, die bei Katastrophen in aller Welt hilft, ist in diesen Tagen 20 Jahre alt geworden. Doch die Geschichte dieses Einsatztruppe ist wechselhaft. Sie beginnt 1999 bei einem Erdbeben in der Türkei, als einige Freiwillige beschließen, auf Eigeninitiative dort helfen zu gehen. Auch dadurch wurde dem belgischen Staat klar, dass so etwas schneller und effizienter erfolgen muss und so wurde im Februar 2003 das „Belgian First Aid an Support Team“ gegründet, kurz B-FAST. 

Andreas Kockartz
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B-FAST wird eine Kooperation zwischen vier Mitspielern: Außenamt, Innenministerium, Verteidigung und Volksgesundheit. Nur wenige Wochen nach der vorläufigen Gründung des Teams ziehen 67 Leute, worunter Mitglieder des belgischen „Urban Search and Rescue Teams“ (USAR) mit Spürhunden nach Algerien, wo sich ein schweres Erdbeben ereignet hatte. Im Zuge dessen wird innerhalb dieses Rettungsteams ein medizinisches Modul aufgebaut, das B-FAST über das Rote Kreuz mit Stromgeneratoren und mit 500 Zelten ergänzt. 

So richtig wird die Arbeit von B-FAST bekannt, als sich das Team nach Südostasien begibt, wo am 2. Weihnachtstag 2004 ein Seebeben einen Tsunami auslöst, der dort für Tod und Verderben sorgt. B-FAST bringt in den ersten Tagen des Jahres 2005 eine umfangreiche Operation in Gang, die auch Opfer-Identifikationsteams nach Thailand bringt und die dort im internationalen Kontext vorgehen.

Ein anderes B-FAST-Team zieht derweil in die indonesische Provinz Aceh, um die lokalen Behörden und die Vereinten Nationen beim Bau von Lagern für obdachlos gewordene Menschen aufzubauen. Hier wird logistische Hilfe auch und gerade bei der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln geleistet. B-FAST finanziert nach dem Tsunami in Asien auch den Transport von Material von UNICEF und für die Ärzte ohne Grenzen nach und in Sri Lanka und Indonesien.

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B-FAST-Zeltlager und Feldlazarett nach einem Erdbeben in der Türkei

Erdbeben in Haiti - Taifun auf den Philippinen

Fünf Jahre später, in der Nacht vom 12. auf den 13. Januar 2010, wird Haiti von einem schweren Erdbeben mit Stärke 7 auf der Richterskala heimgesucht. Tausende Menschen sterben oder werden verletzt und die Infrastruktur des Landes ist weitgehend zerstört. Schon am 13. Januar legt B-FAST los und entsendet ein 60köpfiges Team dorthin.

Mit dabei ein Feldhospital, ein USAR-Team mit Spürhunden und eine Anlage zur Säuberung von Wasser zu Trinkwasser. Die Helfer können aber nur 3 Menschen lebend bergen… Aber über 1.200 Verletzte können im Feldhospital behandelt werden und weitere 1.800 Menschen, darunter Kinder aus Waisenhäuser, werden aufgesucht und behandelt.

Am 8. und 9. November 2005 rast ein Taifun mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h über die Philippinen. Schon am 9. November bittet die dortige Regierung um internationale Hilfe und einen Tag später machen sich 37 B-FAST-Mitglieder dorthin mit einem Feldlazarett und Wasseraufbereitungsanlagen auf den Weg. Tausende Menschen können versorgt werden.

Erdbeben in Nepal - B-Fast-Mission missglückt

Bis etwa 2015 verlaufen alle B-FAST-Einsätze und Missionen nahezu problemlos, doch der Einsatz nach einem Erdbeben in Nepal bringt eine Wende. B-FAST und USAR ziehen in die Berge, können aber durch einen akuten Materialmangel und durch langwierige Genehmigungsverfahren kaum effiziente Hilfe bieten. Nach nur wenigen Tagen kehren die belgischen Helfer wieder zurück in die Heimat.

Eine Analyse des Vorgangs brachte zu Tage, dass die Materialwahl fehlerhaft war, dass die Regierung kein Feldlazarett freigeben wollte und dass die Transportmaschine der belgischen Luftwaffe nur stark verspätet in Kathmandu landen konnte.

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Beirut nach der Explosion: Hier half B-FAST auch mit Identifikationsteams

Explosion in Beirut - Einsparungen in den Budgets

Als sich am 4. August 2020 eine schwere Explosion im Hafen von Beirut im Libanon ereignet, kündigt die belgische Regierung vorschnell an, dass B-FAST dort hingehen wird, doch daraus wird nichts. Das USAR-Suchteam kann nicht ausrücken, da nach Einsparungen durch den damaligen Bundesinnenminister Jan Jambon (N-VA) die Mittel nicht reichen, um Auslandseinsätze zu gewährleisten. Begründung: Das Team könne nicht mehr den internationalen Qualitätskriterien der UN entsprechen. Belgien entsendet lediglich humanitäre und medizinische Hilfe in die libanesische Hauptstadt.

Bei einem weiteren verheerenden Erdbeben in der Türkei am 6. Februar 2023 kommt die Hilfe von B-FAST nur schwer in Gang, doch nach Tagen fliegt ein Team aus 100 Helfern mit 10.000 Schlafsäcken und einem riesigen Feldhospital in die Region um Kirikhan und kann 4 Wochen lang tausenden Menschen medizinische Hilfe anbieten. Danach übergibt Belgien der Türkei dieses fußballfeldgroße Lazarett.

Neuorientierung

Die misslungene Mission in Nepal 2015 hatte bei B-FAST für einen Wendepunkt gesorgt und die träge gestarteten Hilfsaktionen in den Jahren danach taten ein Übriges, um ein Umdenken zu fördern. Nach jahrelangen Einsparungen und politischem Geplänkel wird das Katastrophen-Einsatzteam heute mit 2,5 Mio. € jährlich finanziert, um Hilfseinsätze gewährleisten zu können. Im vergangenen Jahr wurde das Budget sogar verdreifacht.

Bei großen Katastrophen kann die belgische Regierung zudem mittlerweile schnell weitere Mittel bereitstellen, doch angesichts einer gesicherten Finanzierung und nicht genutzten Geldern durch das Ausbleiben von Katastrophen, bei denen B-FAST zum Einsatz käme, sind die Mittel aktuell ausreichend und das Team ist gut aufgestellt.

Heute setzt B-FAST vor allem auf medizinische Hilfe und auf Unterstützung in der zweiten Phase nach einer Katastrophe. Inzwischen ist die Einsatzgruppe auch mit modernen Wasseraufbereitungsanlagen und mit enorm starken Pumpen ausgerüstet, die bei Überschwemmungen Wasser in großen Mengen abpumpen können (was sich bei den Überschwemmungen im eigenen Land im Juli 2021 bewährte). Hinzu kommen Feldlazarette in verschiedenen Größen, Zelte für Notunterkünfte und CBRM-Anlagen, die chemische, biologische, radiologische und nukleare Stoffe detektieren können. Damit ist B-FAST auch für einen Einsatz in Kriegsgebieten vorbereitet.       

B-FAST auf dem Weg zu einem Einsatzort

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