Zwischen 2008 und 2022 nahm die Zahl der Obdachlosen in der belgischen Hauptstadt enorm zu und vervierfachte sich. Dies meldet die humanitäre Organisation Ärzte der Welt, die über die lokale Obdachloseninitiative Samusocial diesen Leuten medizinische Hilfe bietet. Ende 2022 waren in Brüssel 7.134 Obdachlose registriert. Diese Zahl stammt von vor der Zeit, als Belgiens Staatssekretärin für Asyl und Einwanderung Nicole de Moor (CD&V) beschloss, alleinstehenden männlichen Asylsuchern keine Unterbringung mehr anzubieten.
Die Zahl der Obdachlosen in Brüssel vervierfachte sich im Zeitraum 2008-2022
Ein nicht unerheblicher Teil der Obdachlosen in Brüssel sind Einwanderer, die illegal in Belgien eingereist sind und die über keine Papiere verfügen. Damit haben sie faktisch auch kein Anrecht auf medizinische Versorgung.
Emmy Deschuttere von den Ärzten der Welt sagte dazu gegenüber VRT NWS: „80 % der Papierlosen finden außer unseren mobilen Teams anno 2024 keinen einzigen Anschluss zum Gesundheitswesen.“ Auch und gerade im Falle von mentalen Problemen - eine Konstante bei Obdachlosen - ist dies ein Problem. Hier sorgen Depressionen, Anhängigkeiten und Ähnliches für Psychosen - mit allen Folgen davon.
Chronische Krankheiten und alleinstehende Frauen
Auch die Zahl der chronisch Kranken und den Obdachlosen würde zunehmen, so die soziale Ärztevereinigung. Ihnen sind mehr und mehr ältere Obdachlose bekannt, die an Diabetes leiden oder die krebskrank sind. Jährlich nehme auch die Zahl der alleinstehenden Frauen ohne Wohnung zu und auch die von unbegleiteten Minderjährigen - auch oft illegal in Belgien eingewanderte Kinder.
Die Corona- und die Energiekrise hätten negative Wendepunkte mit sich gebracht, so die Feststellung: „Menschen in Armut und mit psychischen Problemen landen schneller in die Spirale nach unten in die Obdachlosigkeit.“ Seit dem, so Emmy Deschuttere von den Ärzten der Welt, sehe man auch mehr und mehr Drogensüchtige in den Brüsseler Metrostationen (inzwischen in der Hauptstadt ein Politikum).
Appell
Am Vorabend der allgemeinen Wahlen in Belgien appellieren die Ärzte der Welt denn auch an die Politiker nicht nur in Brüssel, für mehr strukturelle Aufnahme- und Unterbringungskapazitäten zu sorgen. Das sollten Kapazitäten sein, die nicht nur zur Winterzeit eingerichtet werden, sondern die das ganze Jahr für Obdachlose offen stehen. Dies würde auch mit sich bringen, dass eine wachsende Zahl an Obdachlosen und illegalen Einwanderern wieder Zugang zu medizinischer Hilfe bekommen würde.
