Die Bezahlbarkeit von Wohnen steht im belgischen Bundesland Flandern weiter unter Druck. Dies ist aus der „Wohnbilanz“ des Sektorverbands Embuild ersichtlich. Vor alleinsehende Mieter und Käufer befinden sich in Gefahrenzonen, doch auch Zweipersonenhaushalte können es sich vor allem in den Großstädten kaum noch leisten, sich eine Immobilie anzuschaffen.
Embuild trägt in seiner „Wohnbilanz“ Rechnung mit den Zahlen von neuen Immobilienkäufern und von neuen Mietern bzw. mit deren sogenannten „Wohnlasten“, sprich Krediten und Mieten (mit Nebenkosten). Diese Bilanz zeigt das Verhältnis zwischen dem Einkommen der Haushalte und den Kosten für Miete oder Kredit plus Energiekosten auf.
Sobald der Zeiger der Bilanz Kosten von mehr als 30 % des Einkommens übersteigt, können Probleme mit der Bezahlbarkeit auftauchen, so Embuild. Und damit liegt das Limit noch niedrig. 2023 mussten Alleinstehende im Durchschnitt 52 % ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen, 3 % mehr als 2021. Für Doppelverdiener, die z.B. letztes Jahr eine Immobilie erwarben, steht die Bilanz bei 37 %, 1 % mehr als 2021 bei der letzten Erhebung.
Regionale Unterschiede
Embuild stellt fest, dass es für alleinstehende Mieter in der Provinz Flämisch-Brabant und am Brüsseler Rand mit einer Wohnbelastung von 60 % am schwierigsten ist. Käufer haben in und um Gent, Löwen, Antwerpen und am Brüsseler Rand mit 40 % Wohnbelastung die höchsten Kosten. Eher ländliche Kreisstädte, wie z.B. Kortrijk in Westflandern, haben in dieser Hinsicht Wohnbelastungen von unter 30 %.
Im Allgemeinen kann man für Flandern sagen, dass alle Parameter betreffend die Küstengemeinden und die Großstädte die größten Hindernisse für Mieten und Kaufen aufweisen und dass ländliche Wohngemeinden besser dran sind.
Zusätzlicher Wohnraum muss her
Der Sektorverband weist auch darauf hin, dass in Flandern bis 2035 eine halbe Million zusätzliche (neue oder renovierte leerstehende Gebäude) Wohnmöglichkeiten geschaffen werden müssen, um das Problem für die Gesellschaft nicht weiter zu verschärfen.
Embuild macht dazu einige eigene Vorschläge, wie z.B. das Einrichten eines „multidisziplinären Panels“, das den Wohnraumvorrat, die Wohnbedürfnisse, die Erfordernisse und die Bezahlbarkeit beobachtet und für die Zukunft einschätzt. „Breitgefächerte Beratung ist nötig, damit sich die verschiedenen behördlichen Ebenen verstärken und sich nicht gegenseitig im Wege sind oder durchkreuzen“, so der Sektorverband Bauen und Wohnen in Flandern, Embuild.
