Während in Flandern die rechtsradikale Partei Vlaams Belang vor einem historischen Wahlsieg steht, drohen für einige klassische Parteien mit aktueller Regierungsbeteiligung deutliche Wahlklatschen. Das betrifft in Flandern z.B. die liberale Open VLD von Premier Alexander De Croo und in allen Landesteilen die Grünen Groen und Ecolo.
Aus einer am Wochenende veröffentlichten Umfrage des privaten flämischen TV-Senders VTM und der auflagenstarken Tageszeitung Het Laatste Nieuws (mit einer Fehlerquote von 2,2 %) und einer weiteren Umfrage der frankophonen Tageszeitung Le Soir ist ersichtlich, dass Vlaams Belang bis zu 26,8 % der Stimmen in Flandern holen könnte.
Die flämischen Nationaldemokraten N-VA würden in ihrem Bundesland mit etwas über 20 % zweite Kraft gefolgt von den flämischen Sozialisten Vooruit mit knapp 15%. Die flämischen Christdemokraten CD&V würden mit 12,2 % nicht wirklich gut abschneiden, doch ein Wahldebakel kann wohl vermieden werden. Gewinner in den hinteren Rängen währe die kommunistische Arbeiterpartei PVDA mit 8,9 %.
Wahlklatschen drohen hingegen für die flämischen Grünen von Groen, die mit 6,6 % nicht weit von der 5 %-Hürde entfernt sind. Die liberale Open VLD kann nicht vom „Kanzlerbonus“ von Alexander De Croo im Amt des belgischen Premierministers profitieren und würde aktuell nur 8,2 % der Stimmen holen, was recht weit von den angestrebten 10 % ist.
Und auf frankophoner Seite?
Im frankophonen Spektrum in Belgien stehen sich die liberale MR von Parteichef Georges-Louis Bouchez und Europa-Spitzenkandidatin Sophie Wilmes (die beliebteste Politikerin jenseits der Sprachengrenze) und die PS von Parteichef Paul Magnette und Walloniens Ministerpräsident Elio Di Rupo mit jeweils 22,2 % mit gezückten Säbeln gegenüber. Auf Aufholjagd ist die Zentrumspartei Les Engagés (die frühere christdemokratische cdH) mit jetzt schon 14,5 %, was sie zu einem potentiellen Koalitionspartner auf belgischer Bundes- und auf wallonischer Regionalebene macht.
Die linksradikale PTB sorgte auf linker Seite lange für Sorgenfalten, bleibt aber in den Umfragen schon länger bei rund 14,5 % hängen. Die frankophone Filiale der flämischen Nationaldemokraten N-VA bleibt mit 2,2 % deutlich unter der Wahlhürde.
In Brüssel?
In der Brüsseler Hauptstadt-Region droht der lange an der Macht beteiligten sozialistischen PS ein kleines Debakel, denn mit erwarteten 15,2 % sind sie nur noch dritte Kraft hinter der liberalen MR mit 23,3 % und der kommunistischen PTB/PVDA mit 19,8 %.
Hier verlieren die Grünen von Ecolo und Groen, die in einer gemeinsamen Liste antreten, deutlich und stranden bei 12,5 %. Damit stehen sie hier etwas besser als auf wallonischer Ebene, wo die Ökopartei nur knapp 8,8 % holen würde, wenn die Umfrage dem Wahlergebnis vom 9. Juni entsprechen würde.
