Die Redaktion des VRT-TV-Magazins „Factcheckers“ hat herausgefunden, dass viele Bewohner von Pflege- und Seniorenwohnheimen durch einen akuten Personalmangel vernachlässigt werden. Die Moderatoren der Sendung arbeiteten 24 Stunden lang in einer solchen Einrichtung und erfuhren, woran es dort mangelt: „Alles ist ein Rennen gegen die Zeit.“
VRT "Factcheckers": Weiterhin akuter Personalmangel in den flämischen Pflege- und Seniorenwohnheimen
Aktuell liegt die personelle Auslastung in den flämischen Pflege- und Seniorenwohnheimen bei 60 Mitarbeitern für 100 Bewohner. Das ist viel zu wenig, wie die „Factcheckers“ feststellten. Moderator Thomas Vanderveken stellt z.B. fest, dass in der Küche der Einrichtung, in der er einen ganzen Tag lang arbeitete, die Krusten der Butterbrote mit der Schere abgeschnitten wurden, weil abschneiden zu lange dauert: „Alles ist ein Rennen gegen die Zeit.“
Weil die Zeit dränge und weil es zu wenig Mitarbeiter auf den Stationen gab, wurde die letzte Runde durch die Zimmer bereits gegen 18 Uhr angesetzt, doch davon hält Vanderveken nichts: „Die Leute schon um 18 Uhr ins Bett legen, finde ich zumindest respektlos.“
Um den Bewohnern von Wohnheimen Aktivitäten anbieten zu können, müssen die Einrichtungen in vielen Fällen auf ehrenamtliche Mitarbeiter zurückgreifen. Doch zumeist gelingt das nur etwa einmal im Monat. „In der Nacht wird noch weniger Personal eingesetzt. Die gesetzliche Norm liegt hier bei 2 Personalmitgliedern pro 120 Bewohnern. Wenn alles normal verläuft, sind 2 Leute genug. Bis etwas passiert. Dann herrscht Chaos“, so „Factchecker“ Thomas Vanderveken.
"Personalnorm erhöhen!"
Margot Cloet, die Leiterin von Zorgnet-Icuro, dass ist das größte Pflegenetz im belgischen Bundesland Flandern, fordert deshalb, dass die Personalnorm von derzeit 0,6 Mitarbeitern pro Heimbewohner auf mindestens 0,9 Mitarbeiter angehoben werden soll, „zumal wir beobachten, dass immer mehr Menschen in einem höheren Alter in ein Pflegeheim umziehen, gerade dann, wenn sie pflegebedürftiger sind. Das Anheben der Personalnorm würde dafür sorgen, dass der Arbeitsdruck sinkt und dass man sich mehr um die Bewohner kümmern kann.“
Nicht zuletzt plädiert Cloet auch für höhere Löhne und für höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenenddienste.
" Mio. € zusätzlich für die Altenpflege"
Flanderns Landesministerin für Wohlfahrt, die Aufsichtsministerin für den Pflegebereich, Hilde Crevits (CD&V), ist ebenfalls der Ansicht, dass in diesem Bereich mehr Personal gebraucht wird. Sie will deshalb mehr Arbeitsuchende für diesen Sektor interessieren: „Ich will in den kommenden Wochen noch 20 Mio. € zusätzlich für die Leute in der Altenpflege freimachen.“
So könnten nach Ansicht der flämischen Christdemokratin die Kosten für das Dienstalter finanziert werden, „wodurch auch ältere Mitarbeiter angeworben werden können.“ Crevits will auch mehr Diplome für diesen Sektor zulassen: „Wir wollen zu einem System kommen, in dem alle Bachelor-Ausbildungen zugelassen werden, wenn es um die direkte Begleitung von Menschen gehen soll.“