Wenn mal wieder der Zug zu spät ist oder gar nicht kommt, ist man in Belgien dazu geneigt, einmal mehr die Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB oder deren Infrastruktur-Dienstleister Infrabel zu verfluchen. Doch nicht selten ist ein Pünktlichkeitsproblem nicht hausgemacht. In letzter Zeit nimmt der Diebstahl von Kupferkabel wieder zu und davon sind im belgischen Schienennetz viele tausend Kilometer verlegt…
Der Zug hat wieder Verspätung? Das liegt in Belgien immer häufiger am Kupferkabeldiebstahl
Nach Meldungen der flämischen Tageszeitungen De Morgen und Het Laatste Nieuws in dieser Woche, sorgen solche Kabeldiebstähle seit Jahren für durchschnittlich 1 Stunde und 15 Minuten Verspätung bei der Bahn pro Tag. Kupfer ist teuer und in dieser Woche haben die Weltmarktpreise für dieses Metall noch einmal zugelegt. Das macht Kupfer noch begehrter.
Doch in Belgiengestohlenes Kupferkabel lässt sich quasi nur noch im Ausland verkaufen. Die Schrott- und Altmetallhändler und -Verwerter wissen inzwischen welche Sorten Kupferkabel die belgische Bahn gebraucht und kaufen dieses nicht mehr an. In den meisten Fällen melden sie solche Fälle auch gleich der Polizei.
Diebstahl in Grenznähe
Aus diesem Grunde sind Kabeldiebstähle vor allem in Grenznähe nicht selten. Vor allem in der Wallonie, z.B. in der Provinz Lüttich, wird viel Kupferkabel gestohlen, doch dieses Phänomen ist inzwischen auch immer häufiger in Flandern zu spüren.
2023 registrierten die Bahn und Infrabel auf dem belgischen Schienennetz 451 Fälle von Kupferdiebstahl, also mehr als einen pro Tag. Um wie viele Kilos Kabel es sich dabei handelte, teilten die Betroffenen nicht mit.
24.849 Minuten Verspätung
Infrabel-Sprecher Thomas Baeken sagte dazu gegenüber De Morgen: „Alles zusammen ging es dadurch letztes Jahr um 24.849 Minuten Verspätung. Das entspricht fast 1 Stunde und 15 Minuten pro Tag. Und dann sprechen wir noch nicht von unseren Dienstplänen.“ Inzwischen setzen Infrabel und die belgische Bahnpolizei seit Anfang 2023 auf engere Zusammenarbeit und auf den Einsatz von Drohnen, um verdächtige Personen in Gleisnähe aufzuspüren.
Von den 451 Fällen von Kabeldiebstahl in Belgien entfielen letztes Jahr 70 % auf die Wallonie (-13 %). In Flandern und in der Brüsseler Hauptstadt-Region stiegen die Zahlen allerdings. Kabeldiebe, die Kupfer bei der Bahn stehlen, riskieren in Belgien Haftstrafen von bis zu 5 Jahren und tausende Euro Bußgelder und Schadensersatz.
