Noch bis zum 12. Januar 2025 präsentiert das Haus der Europäischen Geschichte die internationale Ausstellung „Bellum et Artes - Europa und der Dreißigjährige Krieg“, in deren Mittelpunkt die vielschichtige Rolle der Künste in einem verheerenden Krieg steht, der fast den gesamten europäischen Kontinent erfasste.
"Bellum et Artes - Europa und der Dreißigjährige Krieg" im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel
Millionen Menschen starben an Gewalt, Hunger und Krankheiten. Ganze Landstriche wurden verwüstet und entvölkert, als ein lokaler, religiös begründeter Konflikt zu einem gesamteuropäischen Krieg um die politische Gestaltung Europas eskalierte. „Bellum et Artes“ ist Teil eines europaweiten Verbundprojekts, an dem zwölf Institutionen aus sieben Ländern beteiligt sind.
Geleitet wird das Projekt vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Die Ausstellung in Brüssel wurde gemeinsam mit dem Team des Hauses der Europäischen Geschichte kuratiert und zeigt die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse dieser internationalen Zusammenarbeit.
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Welche Rolle spielen die Künste im Dreißigjährigen Krieg? Co-Kuratorin Jitka Mlsova erklärt: „Während des Krieges stand die Kunstproduktion nie still. Im Gegenteil, die Kunst erfüllte in diesem Konflikt viele Funktionen: Sie dokumentierte Schlachten im Namen der Sieger, sie repräsentierte Ansprüche auf Macht und Einfluss der Herrscher, sie diente als weit verbreitetes Propagandamittel oder sie rief zum Frieden auf. Viele Kunstwerke wurden als begehrte und - zur damaligen Zeit - legale Kriegsbeute über ganz Europa verstreut.“
Plünderung von Kunst füllte die Kriegskassen...
Plünderungen waren eine gängige Praxis, um die immensen militärischen Kosten des Krieges mitzufinanzieren, der von Söldnern aus ganz Europa geführt wurde. Bei den Plünderungen ging es jedoch nicht nur um Geld und Nachschub. Auch unzählige Kunstwerke fielen in die Hände der Kriegsparteien. Dies geschah nicht nur aus Liebe zur Kunst, man wollte sich vielmehr das Prestige und die Repräsentationskraft der Kunstwerke zunutze machen. So wurden berühmte europäische Sammlungen aufgelöst und neue aufgebaut.
Die europäischen Herrscherhäuser, darunter die von Spanien, Frankreich, Dänemark-Norwegen und Schweden sowie die mächtigsten Dynastien des Heiligen Römischen Reiches, waren durch komplexe Familienbande miteinander vernetzt.
Sie nutzten ihre politischen und konfessionellen Bündnisse, um ihre Machtansprüche durchzusetzen, und zwar nicht nur in bewaffneten Auseinandersetzungen, sondern auch mit den Mitteln der Kunst, indem sie wertvolle Kunstwerke beispielsweise als diplomatische Geschenke einsetzten, um Allianzen aufzubauen oder zu stärken.
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Der Bogen führt in die heutige Zeit
Die Ausstellung zeigt anhand von rund 150 Objekten, wer die Akteure waren und welche Interessen sie verfolgten. Die Mechanismen der Kriegsführung und die dadurch verursachten Schrecken werden ebenso dargestellt wie ein beispielloser Medienboom, der durch die Konflikte ausgelöst wurde. Beleuchtet werden die Verlagerung von Kunstwerken und die Migration von Künstlern sowie der lange Weg zum Frieden.
Mit einer Auswahl zeitgenössischer Werke wird abschließend der Bogen zur heutigen Situation in Europa gespannt. Im Rahmen der Ausstellung gibt es zusätzliche Veranstaltungen wie Filmvorführungen, Führungen, Vorträge von Experten und Lesungen von Zeitzeugenberichten, in denen die Erfahrungen der Menschen von damals beschrieben werden.
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Über das Haus der Europäischen Geschichte
Ein Ort, an dem die Geschichte Europas dargestellt, reflektiert und diskutiert wird. Die Dauerausstellung nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch die maßgeblichen historischen Entwicklungen des Kontinents und regt sie an, über Zukunftsfragennachzudenken.
Das Haus der Europäischen Geschichte ist ein Projekt des Europäischen Parlaments und befindet sich in dem wunderschön renovierten Eastman-Gebäude im Park Léopold. Für Schulen, Familien und Gruppen gibt es ein breites Bildungsangebot. Der Eintritt in das Museum ist frei.
„Bellum et Artes“: Europa und der Dreißigjährige Krieg, noch bis zum 12. Januar 2025, Haus der Europäischen Geschichte, Belliardstraat 135, 1000 Brüssel, Belgien. Info: https://historia.europa.eu/de
Quelle: Haus der Europäischen Geschichte
