Wenn der Architekturbegriff Art-Nouveau fällt, dann denken viele Leute fast automatisch an Victor Horta, der diesen Baustil erfand und mit zahlreichen Gebäuden auch in Brüssel prägte. Ernest Blerot war weniger bekannt, auch wenn er mehr Ansehen durchaus verdient hätte, wie auch die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ in ihrer Reihe „Big City“ feststellte. Blerot wollte Art-Nouveau für den „normalen“ Häuslebauer in der belgischen Hauptstadt bezahlbarer machen.
Ernest Blerot, der Architekt, der Art-Nouveau in Brüssel bezahlbar machen wollte
Ernest Blerot (1870-1957) stammt aus dem Brüsseler Stadtteil Elsene, in Französisch Ixelles. Dort hat er auch die meisten Gebäude entworfen. Während sich Victor Horta deutlich auf die Brüsseler Elite und auf Gebäude für die öffentliche Hand oder zahlungskräftige Unternehmen konzentrierte, war Blerots Ziel, Art-Nouveau weniger exklusiv zu halten. Er „demokratisierte“ quasi diesen verspielten Baustil. Seiner Ansicht nach hatte auch der Mittelstand ein Anrecht darauf, in Art-Nouveau-Häusern zu leben.
Rund um das Jahr 1900 herum entwarf und baute Ernest Blerot dutzende Reihenhäuser in stets den gleichen Dimensionen und Formaten. Einzigartig waren dabei nur die Fassaden. Jedes seiner Häuser konnte mit einer anderen individuellen Art-Nouveau-Fassade aufwarten.
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In dem er seine Gebäude quasi in Reihenhausart nebeneinander bauen ließ, waren die Bauzeit kürzer und die Kosten vielen niedriger aus. Das sorgte dafür, dass seine Art-Nouveau auch für das Kleinbürgertum finanzierbar war. In knapp 15 Jahren um die vorletzte Jahrhundertwende herum entwarf Ernest Blerot etwa 60 Häuser in Brüssel.
Musterbeispiel dafür ist die Vanderschrickstraat in Sint-Gillies, französisch Saint-Gilles. Hier reihen sich zahlreiche Blerot-Häuser aneinander und zwar von der Hausnummer 1 bis 25. Jede Fassade ist dort anders und individuell gestaltet. Leider sind einige dieser Häuser heute eher schlecht unterhalten und an einigen de Fassaden bröckelt es.
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Ernest Blerot studierte „Florale Architektur” an der Sint-Lucas-Kunstschule in Schaarbeek und deshalb kann man auch seine Entwürfe an verspielten Elementen mit Blumen- oder Blattmotiven erkennen. Das zeigt sich auch in Türen und Fenstern mit bunten Glasfenstern in Bleirahmen. Der Brüsseler Architekt wollte das Praktische mit dem Dekorativen und dem Ästhetischen verbinden, denn jedes verzierende Element sollte auch eine nützliche Funktion haben.
Beispiele: Schmiedeeiserne Kletterpflanzen an Haustüren waren gleichseitig sowohl Rahmen für Glas oder Fenster, als auch Türknopf. Dekorative aber schwere steinerne Elemente an Hauseingängen waren gleichzeitig statische Elemente zur Stützung des ersten Stockwerks.
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Kennzeichen für ein Blerot-Haus ist auch immer ein Schuhabstreifer am Eingang, was um 1990 herum, als es noch nicht überall feste Straßen gab - auch in Brüssel nicht - nicht selten nötig war. Und auf den Fassaden der Erdgeschosse ist stets ein Epigraph „Ern: Blerot“ zu erkennen.
Leider haben nicht sehr viele Blerot-Fassaden den Zahn der Zeit überstanden und einige von denen, die noch zu finden sind, verfallen heute. Doch der architektonische Nachlass ist noch an einigen Stellen in Brüssel erhalten geblieben. Das ist vor allem der Fall in Sint-Gillies an der Vanderschrickstraat, an der Jean Volderslaan und am Waterloose Steenweg sowie am Louis Moricharplein der Fall. Diese Gebäude und Ensembles sind recht nahe am Hallepoort, dem Brüsseler Mittelalter-Museum im letzten Stadttor zu finden.
