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Am 8. Mai feierte Brüssel das Ende des Zweiten Weltkriegs

Soll der 8. Mai wieder ein Feiertag werden? Auch Belgien gedenkt der Befreiung und dem Ende des Zweiten Weltkriegs

Überall im Lande werden auch an diesem 8. Mai wieder Stimmen laut, die sich wünschen, dass dieser Tag der Befreiung und des Endes des Zweiten Weltkriegs wieder zum Feiertag wird. In einigen Ländern Europas, die am gleichen Tag befreit wurden, ist dieser 8. Mai ein Feiertag, doch in Belgien wurde er 1974 abgeschafft. Nur in der Region Brüssel-Hauptstadt wurde dieser Tag als Gedenk- und Feiertag 2022 wieder eingeführt. 

Andreas Kockartz
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Viele Einrichtungen und Verbände Land auf, Land ab rufen seit Jahren dazu auf, dass der 8. Mai wieder zum Feiertag werden soll. Die Initiatoren dieses Aufrufs, die sich in der „8. Mai-Koalition“ zusammengeschlossen haben, sind der Ansicht, dass die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg so langsam verblasst. Gerade in einer Zeit, in der die letzten Menschen, die diesen Krieg noch erlebt haben, von uns gehen, sei es wichtig, diese Erinnerung weiter zu fördern.

Nazi-Deutschland hatte sich an diesem Tag 1945 ergeben und kapituliert und dieser Tag erinnert nicht zuletzt auch an den Sieg über den Faschismus in Europa.

Die amerikanischen G.I.'s wurden auch in Brüssel überschwenglich begrüßt

In Flandern z.B. wurde zuletzt dazu aufgerufen, den 8. Mai zum Gedenktag an den Widerstand bzw. an die Widerständler zu machen. Gerade auch in Flandern wird dem Widerstand in der Geschichtsschreibung zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet, so die Ansicht vieler, die hinter der „8. Mai-Koalition“ stehen. Alleine in Belgien sind in der Zeit der deutschen Besatzung rund 15.000 Widerständler ums Leben gekommen.

Vergessliches Flandern?

Der Historiker Dany Neudt sagte 2023 dazu gegenüber VRT NWS: „Nirgendwo in Europa herrscht eine so große Vergesslichkeit über den Widerstand, wie in Flandern. Nach dem Kriegsende entstand ein politischer Mythos, nach dem der Widerstand frankophon war und die Kollaboration flämisch. Der Widerstand in Flandern wurde überdies schnell als negativ belichtet, während der Kollaborateure als Naive bezeichnet wurden, die nur das Beste für Flandern wollten, jedoch leider in die Fänge des Nationalsozialismus gerieten.“

Gedenkfeier der "8. Mai-Koalition" in Fort Breendonk

Inzwischen aber finden die Bemühungen, dem Widerstand im Zweiten Weltkrieg den Raum zu bieten, den er in der Geschichte hatte, offene Ohren und auch die Forderung, dass der 8. Mai wieder zu einem Feiertag werden soll, trifft auf Gehör einer breiteren Öffentlichkeit.

Auch an diesem 8. Mai werden überall im Land Gedenkveranstaltungen abgehalten, wie z.B. im Fort Breendonk in der Provinz Antwerpen, das während der Nazizeit als Auffanglager und Gefängnis für Widerständler und politische Gefangene genutzt wurde. Und in Antwerpen selber wird am Denkmal für die deportierten Antwerpener Juden auf der Belgiëlei an diesen Tag erinnert.

In Brüssel wurde dem 8. Mai am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kongresssäule gedacht (Foto ganz unten). An der Zeremonie Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder (PS), Armeechef Admiral Michel Hofman und die Vorsitzenden der beiden Kammern im belgischen Bundesparlament, Stephanie D'Hose (Open VLD, Senat) und Eliane Tillieux (PS, Erste Kammer) teil.  

Warum wurde dieser Feiertag abgeschafft?

Der 8. Mai wurde als Feiertag 1974 von der Regierung um Premier Leo Tindemans (CVP) abgeschafft. Damals befand sich Europa mitten in der Ölkrise, die auch eine Wirtschaftskrise war. Auch seinerzeit lag dies an der geopolitischen Entwicklung im Nahen Osten. 1973 führte der Yom Kippur-Krieg zur Drosselung der Ölproduktion in der arabischen Welt. Die Kassen waren leer und die Regierung Tindemans argumentierte rational: "Wenn gearbeitet wird, werden auch Steuern eingenommen". 

Leo Tindemans 1974: "Wenn gearbeitet wird, werden auch Steuern eingenommen"

Ob dieser Tag als Feiertag in Belgien wieder eingeführt werden soll, ist unklar. Neben der „8. Mai-Koalition“ sind auch Verbände, wie die Gewerkschaften, daran interessiert. Und auch in der Bildung macht der Ruf danach die Runde. Z.B. plädiert Herman Van Goethem, der Rektor der Antwerpener Universität (UAntwerpen) dafür.

Doch Versuche einiger Parteien in Flandern, wie der Grünen (Groen), der Liberalen (Open VLD) oder der Linksextremen (PVDA) verliefen in den letzten Jahren im Sande. Nur in der Region Brüssel-Hauptstadt wurde dieser Feiertag 2022 wieder eingeführt.  

Gedenkzeremonie in Brüssel am Grab des Unbekannten Soldaten

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